Start der Theatersaison 

Komödie einmal anders: Gott an der Kaffeemaschine

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Die Herren Gott (Jörg Reimers), Satan (Bernhard Bettermann) und der Geist (Sebastian Sash), v.l.n.r. sind völlig irritiert: Frauen wie diesen Monroe-Verschnitt (Christa Pasch), gibt es ja auch noch. Und sie können einiges durcheinander bringen.  

Espelkamp - Von Volker Knickmeyer. Mit der tiefgängigen Komödie „Krach im Hause Gott“ startete am Sonntag die neue Espelkamper Theatersaison. Eine gute Wahl, mit diesem brillant besetzen Stück zu starten, wenngleich – dem langen Wochenende geschuldet – deutliche Lücken im Publikum klafften. Lachen konnte man, jedoch war dafür eine gewisse Toleranz vonnöten. Konservative Kirchgänger hätten ihre Bauchschmerzen gehabt. Schließlich sitzen hier Gott, Jesus, der Heilige Geist und der Teufel zusammen und diskutieren, plaudern, scherzen, philosophieren und streiten.

Gotteslästerung? Mitnichten. Aber als „normales“ Kirchenmitglied musste man schon manchmal schlucken und sich fragen: „Darf ich jetzt eigentlich lachen.“ Der östereichische Autor Felix Mitterer legt den Figuren Gott (Jörg Reimers), Satan (Bernhard Bettermann), Sohn/Jesus (Tim Bettermann), Heiliger Geist (Sebastian Sash) und Muttergottes (Christa Pasch in Vertretung für Mimi Fiedler) beinharte Dialoge in den Mund. Jesus zu Gott: „Hass ist etwas aus deiner Welt – Altes Testament!“ Heiliger Geist zu Jesus: „Ich habe mich schon verausgabt, da gab es dich noch gar nicht.“ Gott geht nach diversen Verbalinjurien fast gelangweilt zur surrenden Espressomaschine und gurgelt mit Kaffee den Frust hinunter. Für Jesus steht eine Flasche Rotwein parat.

Eigentlich wollte man ja im erlauchten Kreise den Untergang der Menschheit beschließen. Es habe alles nichts genützt, Jesus als Mensch auf die Erde zu schicken, sich ans Kreuz nageln lassen, die ständige Präsens des Heiligen Geistes. Doch es stellt sich heraus: So einfach geht das alles nicht. Gott gibt Satan, dem abgefallenen Engel, zu bedenken: „Wenn die Menschheit stirbt, stirbst Du auch.“

Das setzt Denkprozesse in Gang. Satan mit einer Mischung als Religionskritiker und Psychoanalytiker seziert die Religionen und vor allem das Christentum in schonungsloser Art und Weise. Zuvor kam er mit einem Hubschrauber eingeschwebt. Sein Satellitentelefon nutzte er zwischendurch, um Krisenherde zu schüren. Satan, der neben dem Sohn Gottes gekommen ist, um für die Menschen zu sprechen, konfrontiert Gott mit der Aussage, dass dieser die Menschen nach seinem Abbild geschaffen hat, und bringt ihn fast dazu, vor seiner Macht zu kapitulieren.

In dem Moment, in dem der Sohn äußert, dass sie versagt haben und es nicht gerecht ist, das Ebenbild zu töten, erscheint die Muttergottes und rückt das göttliche Gefüge und die Menschheit in ein neues Licht. Der Heilige Geist, etwas tuntig von Sebastian Sash dargestellt, war einst weiblich, wurde aber so wie die Himmelskönigin, die Göttin, verbannt, da Gott keine gleichwertige weibliche Kraft neben sich dulden konnte. Ein resignierender Gott, ein beleidigter Heiliger Geist und Satan, der Unheil verrichten will, überlassen die Bühne der Göttin/Muttergottes und Jesus.

Crista Pasch taucht im Schauspiel nicht nur als Muttergottes auf, die die Seligpreisungen rezitiert, zwischendurch ist sie auch eine osteuropäische Putzfrau, die auf den Mindestlohn pocht, eine obdachlose Drogenabhängige oder eine Marilyn-Monroe-Kopie. Sie erweist sich als enorm wandlungsfähig und ist perfekt besetzt, dennoch wird durch diese Intermezzi die Grenze zum Klamauk manchmal gestreift.

Hintersinnige Anspielungen wie die Papstkappe, die er, Satan, vielleicht doch noch mal gebrauchen kann, die Publikumsbeschimpfung und viele weitere Dinge machen das Stück sehens- und empfehlenswert. Insbesondere Tim Bettermann nahm man seine Rolle als Sohn/Jesus glaubwürdig ab, der Bart tat ein Übriges.

Das TV-erprobte Ensemble überzeugte auf ganzer Linie, auch Bühnenbild und die Kostüme passten gut zum Inhalt. Lang anhaltender Applaus war den Akteuren sicher.

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