Grundwasser im Raum Espelkamp, Rahden und Stemwede überschreitet Grenzwerte

Zu hohe Nitratwerte

Im Sommer ließen viele ihr Wasser aus dem heimischen Brunnen am Labormobil testen. Dort erklärte Harald Gülzow, was es bedeutet, wenn die Grenzwerte überschritten werden. - Foto: VSR

Espelkamp - Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Sommer in Espelkamp beim Labormobil abgegeben wurden. In jeder vierten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Das geht jetzt aus den vorgelegten Ergebnissen hervor.

Insgesamt wurde bei der Untersuchung das Wasser aus 61 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Stemwede, Rahden, Espelkamp, Lübbecke und Pr. Oldendorf analysiert. Die Gewässerexperten warnen jetzt mit Blick auf die alarmierenden Ergebnisse vor einer weiteren Überdüngung der landwirtschaftlichen Böden. Dadurch kommt es den Verantwortlichen zufolge zu einer unnötig hohen Nitratauswaschung ins Grundwasser.

Brunnenwasser nicht zum Trinken geeignet

Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden bei der Untersuchungen 237 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Varl. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Oppenwehe mit 152 Milligramm pro Liter (mg/l), in Wehe mit 62 mg/l, in Espelkamp mit 80 mg/l, in Frotheim mit 67 mg/l und in Fiestel mit 102 mg/l fest.

„Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet“, so der Hinweis der Wasserexperten. Besonders wichtig sei es, dass belastetes Wasser auch nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt werde. Es bestehe dann die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Diese können zum Fischsterben führen.

Die viel zu hohen Nitratkonzentrationen zeigen dem aktuellen Bericht zufolge einen „deutlichen Handlungsbedarf in der Landwirtschaft“. Das so belastete Grundwasser halte zudem auch nicht die EU-Nitratrichtlinie ein. Ziel dieser Richtlinie ist es, die durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen verursachte Gewässerverunreinigung zu reduzieren. Doch dafür reicht der bisherige Entwurf zur Novellierung der Düngeverordnung nicht. Die Bundesregierung sah sich bisher aufgrund des Drucks von Seiten der landwirtschaftlichen Lobby nicht in der Lage, in den Betrieben geringere Stickstoffüberschüsse durchzusetzen.

Gülle aus Massentierhaltungen, Gärreste aus Biogasanlagen und riesige Mengen an Mineraldünger dürfen damit weiterhin in viel größeren Mengen als die Pflanzen aufnehmen können von den landwirtschaftlichen Betrieben über die Ackerflächen verteilt werden, kritisiert der VSR-Gewässerschutz.

„Der Bürger ist der Verlierer“, schlussfolgern die Vertreter des heimischen Gewässerschutzes. Da es für die Wasserversorger in Zukunft immer aufwendiger werde, Wasser zu liefern, das den Grenzwert einhält, werden die Preise für Leitungswasser ihren Schätzungen zufolge steigen. „Wenn der genervte Bürger dann im Sommer aus dem Garten flüchtet und an die Nordsee fährt, wird sein Urlaub aufgrund der Schaumberge schnell getrübt“, beschreiben die Verantwortlichen ein Szenario. Denn das belastete Grundwasser versickert in Bächen und Flüssen und landet letztendlich in der bereits jetzt viel zu nährstoffbelasteten Nordsee.

„Hoffentlich führt die Klage der EU-Kommission dazu, dass eine Düngeverordnung erstellt wird, die nachhaltig zum Schutz des Grundwassers führt“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende vom VSR-Gewässerschutz. Doch damit einschneidendere Maßnahmen bei der Düngung in Zukunft gesetzlich erlassen und auch umgesetzt werden, bedürfe es eines Umdenkens bei den Landwirten: „Es muss in den belasteten Regionen zu einem Informationsaustausch zwischen Bürger und Landwirten kommen“, so der Appell.

Weitere Brunnenproben sind ab Ostern nächsten Jahres möglich. Informationen gibt es auch im Internet.

www.vsr-gewaesserschutz.de

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