„Orgeltour“ über die Grenzen des Kirchenkreis hinaus

Von Barock bis Moderne

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Ungewöhnlich an der Nettelstedter Ott-Ogel ist die asymmetrische Aufstellung auf der Empore.

Espelkamp - Eine interessante und kontrastreiche „Orgeltour“ führte die Fans der Reihe „Lübbecker Orgelsommer“ in diesem Jahr über die Grenzen des Kirchenkreises Lübbecke hinaus. Manche Geheimtipps, wie etwa die Hausorgel in Hille, stammten von dem Orgelbauer Mathias Johannmeier, der zusammen mit Thomas Quellmalz, Kantor in Rahden, und Christoph Heuer, Lehrer und Organist aus Espelkamp, die Reise begleitet, deren Ausgangspunkt der Tannenbergplatz in Espelkamp war.

Wer hätte gedacht, dass das abgelegene, kleine Haus eine so große, viermanualige Schleifladen-Orgel beherbergen könnte. Der Besitzer hat sie überwiegend selbst gebaut und dabei historische Pfeifen von der Orgelbaufirma Führer, Wilhelmshaven, bezogen. Zwei Drittel des Pfeifenbestandes sei älter als 300 Jahre, erklärte der Hobbyorganist, der dem Klangideal Arp-Schnittgers folgend auf dem ehemaligen Heuboden des Bauernhauses eine Barockorgel mit Renaissance-Registern gebaut hat und die Streicherklänge der Romantik so gar nicht mag. Allein das Rückpositiv nimmt dabei die gesamte Breite der so entstandenen Orgelempore ein.

Die mitteltönig gestimmte Orgel enthält zu 25 Prozent Zungenpfeifen, eine ungewöhnlich hohe Zahl für diesen Orgeltyp. Zwei Basstürme enthalten die Basspfeifen des Pedals, deren größte, ein 16 Fuß Untersatz, gerade noch unter das Dach des Hauses passt. Das Instrument ist hervorragend intoniert und passt klanglich gut in den kleinen Raum. Es verfügt neben einer Nachtigall und einem wohlklingenden Zimbelstern sogar über ein komplettes Glockenspiel.

Eine weitere Besonderheit war der Besuch der Kirche in Hille-Hartum. Hier ist schon das Gebäude interessant. Die Kirche wurde in den Jahren 1889 bis 1892 im neugotischen Stil errichtet. Ursprünglich hatte die Kirche 1 302 Sitzplätze und ist damit noch heute eine der größten Dorfkirchen weit und breit. Ungewöhnlich ist die Orgel, ein typisch romantisches Instrument, das den „Orgelsturm“ in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit seinen überzogenen barockisierungstendenzen unbeschadet, nämlich unverändert, überstanden hat. Die jetzige Orgel wurde 1896 bis 1897 von dem Fürstlich Schaumburg-Lippischen Hof-Orgelbauer Ernst Klassmeier aus Kirchheide bei Detmold gebaut. Sie verfügt über pneumatisch angesteuerte Kegelladen, was den Vorteil leichter Spielbarkeit, aber auch Nachteile wie eine gewisse Verzögerung zwischen Tastenanschlag und Tonerzeugung hat und daher für den Organisten etwas zäh oder schwammig wirkt.

Christoph Heuer, der auf beiden Orgeln Klangbeispiele brachte, stellte zunächst charakteristische Einzelstimmen und abschließend das Prinzipalplenum („Tutti“) vor. Im Falle der Klassmeier-Orgel erinnerte das ausgewählte Musikstück an eine große holländische Jahrmarktsorgel, was bei vielen Zuhörern ein Lächeln auf das Gesicht zauberte. Orgelbauer Johannmeier erläuterte, dass genau dies das Ziel des damaligen Orgelbaus und der Ausdruck romantischer Theologie sei.

Im Kontrast zu den vorhergehenden stand die Ott-Orgel, die 1965 eingebaut und später von Johannmeier repariert und umintoniert wurde. In dem Kirchengebäude von 1960 steht sie seitlich auf der Empore, für ihre Klangeigenschaften nicht die günstigste Position. Sie wurde daher asymmetrisch gebaut mit einem seitlich angeordneten „Rückpositiv“ und nur einem Bassturm. Ihre Werke stehen in Holzkästen mit klarer Linienführung und hatten vor Johannmeiers Umbau keine Rückwand. Paul Ott galt zu seiner Zeit als Fachmann für vor-romantischen Orgelbau, restaurierte Orgeln nach den heute umstrittenen Vorstellungen der Orgelbewegung und führte bei seinen Neubauten die Schleiflade mit mechanischer Traktur wieder ein. Die Vorstellung der Orgel war mit einer längeren Andacht verbunden und lieferte kaum charakteristische Klangbeispiele. 

rks

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