Angeklagte müssen nach Schlägerei je 1.000 Euro zahlen

Aussprache mit Fäusten

Rahden/Espelkamp - Nachdem ein Streit über Mietschulden im August vergangenen Jahres in Espelkamp in einer handfesten Schlägerei geendet hatte, mussten sich drei junge Männer wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Rahdener Amtsgericht verantworten. Da sich die Aussagen von Angeklagten und Nebenkläger widersprachen und die Schuld nicht eindeutig geklärt werden konnte, wurde das Verfahren gegen Auflage einer Geldbuße vorläufig eingestellt.

Die handfeste Auseinandersetzung hatte eine längere Vorgeschichte. Der 27-jährige Angeklagte aus Espelkamp hatte kurzzeitig bei dem 29-jährigen Nebenkläger, mit dem er früher gut befreundet gewesen war, gewohnt. Laut Angeklagtem hatten sie sich geeinigt, dass er die Hälfte der Mietkosten übernimmt, wenn er länger als ein paar Wochen bleibt. Da er schon nach zweieinhalb Wochen eine eigene Wohnung gefunden hatte, war der Angeklagte der Ansicht, er müsse nichts zahlen. Der Nebenkläger hatte die Abmachung anders in Erinnerung. Demnach hätte der Angeklagte von Beginn an zahlen müssen. Weil er sich weigerte, habe der Nebenkläger ihn mehrfach per SMS und über Facebook bedroht, so der Angeklagte. Nachdem er dann auch seine Schwester über Facebook bedroht habe, seien ihm „die Sicherungen druchgebrannt“ und er habe den Nebenkläger zur Rede stellen wollen. Der 29-Jährige bestritt die Bedrohung der Schwester.

Angeklagter: Nur verteidigt

So fand sich der Angeklagte am späten Abend des 30. August 2015 mit seinem 30-jährigen Bruder, einem 25-jährigen Freund aus Dielingen – beide ebenfalls angeklagt – und drei weiteren Freunden vor der Wohnung des Nebenklägers ein und forderte nach eigener Aussage eine Aussprache. Nachdem er geklingelt habe, seien der 29-Jährige und dessen Freunde, die dort feierten, zur Tür gekommen, und der 29-Jährige habe unvermittelt auf ihn eingeschlagen, erklärte der angeklagte Espelkamper. Er habe sich natürlich gewehrt und zurückgeschlagen. Die beiden Mitangeklagten versicherten, sie hätten nicht in den Kampf eingegriffen.

Der Nebenkläger bestritt diese Angaben. Laut seiner Aussage schlug der 27-Jährige sofort auf ihn ein, als er ins Freie trat. Während beide kämpften, habe der Dielinger ihn von hinten mit Quarzhandschuhen geschlagen und getreten. Nachdem er mehrmals zu Boden gegangen sei, habe er sich wieder ins Haus retten können. Weil inzwischen die Polizei alarmiert worden war, seien die Angreifer geflüchtet. Sein als Zeuge geladener Freund bestätigte seine Aussagen teilweise, konnte aber nicht sagen, wer zuerst zugeschlagen hat. Zudem war der Nebenkläger demnach nur einmal zu Boden gegangen, woraufhin der Zeuge ihn beschützt hatte, bis er wieder aufstehen konnte. Laut Zeuge folgten weitere Diskussionen, aber keine längere Schlägerei. Die Behauptung, der Dielinger habe den Nebenkläger von hinten mit Handschuhen geschlagen, bestätigte der Zeuge.

„Alle Parteien wussten, worauf es hinausläuft“

Zweifel an der Aussage des Nebenklägers, der sich als unschuldiges Opfer präsentierte, ergaben sich nicht nur aus der etwas widersprüchlichen Aussage seines Freundes, sondern auch, weil er zwar Strafanzeige gegen die Angeklagten gestellt, aber ein angeblich vorhandenes ärztliches Attest nicht eingereicht hatte, obwohl er nach eigener Aussage erhebliche Schürfwunden davongetragen hatte und ihm zwei Zähne ausgeschlagen wurden.

Wer letztendlich den ersten Schlag ausgeführt und wie oft zugeschlagen hatte, konnte trotz vehementer Nachfragen der drei Verteidiger nicht eindeutig geklärt werden. „Ich bin mir sicher, dass sie alle dahin gefahren sind, um sich zu prügeln“, sagte die Staatsanwältin in Richtung Anklagebank. Aber auch der Nebenkläger sei an der Auseinandersetzung nicht ganz unschuldig gewesen. Einer der Verteidiger war sich ebenfalls sicher, „dass alle Parteien wussten, worauf es hinausläuft“.

Auch Richter Schnasse sah bei allen Beteiligten eine Teilschuld und stimmte darum dem Antrag von Staatsanwältin und Verteidigung zu, das Verfahren gegen eine Geldzahlung einzustellen. Der Dielinger und der 27-jährige Espelkamper müssen jeweils 500 Euro an den Nebenkläger und je weitere 500 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. „Mir wäre es lieber, wenn alles an den guten Zweck geht“, kommentierte der Espelkamper das Urteil. Das Verfahren gegen seinen Bruder wurde ohne Geldauflage eingestellt. „Verzichten Sie das nächste Mal auf etwaige Aussprachen“, gab Schnasse allen Beteiligten mit auf den Weg. 

mer

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