Chemieunfall bei Kraft Foods in Bad Fallingbostel: Schulausfall nach Katastrophenalarm / Schieneersatzverkehr / Autobahn gesperrt

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    • 16.10.12
    • Walsrode
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1.800 Menschen evakuiert

Chemieunfall bei Kraft Foods: Schulausfall nach Katastrophenalarm

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Bad Fallingbostel - Nach einem Chemieunfall in einem Werk des Nahrungsmittelkonzerns Kraft Foods im niedersächsischen Bad Fallingbostel hat sich die giftige Gaswolke aufgelöst. Es besteht aber weiterhin Katastrophenalarm. Der Unterricht an allen Schulen in der Kernstadt Bad Fallingbostel fällt heute aus.

© dpa

Chemieunfall bei Kraft Foods

Alle Kindertagesstätten bleiben geschlossen. Die Autobahn-Anschlussstelle Bad Fallingbostel ist weiterhin in beiden Richtungen gesperrt. Der Durchgangsverkehr über die Landesstraße 163 ist dagegen möglich. Der Bahnverkehr zwischen Dorfmark und Walsrode ist eingestellt. Ein Schienenersatzverkehr ist eingerichtet.

Die Einwohner sind weiterhin aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Klimaanlagen und Lüftungsgeräte sind auszuschalten. Die evakuierten Gebiete dürfen nicht betreten oder befahren werden. 

Für Anfragen aus der Bevölkerung ist ein Bürgertelefon unter der Tel. 08008181600 geschaltet.

Gleißendes Licht aus großen Scheinwerfern macht die Nacht auf dem Werksgelände in Bad Fallingbostel zum Tag, Feuerwehrfahrzeuge sprühen Wasserfontänen in Richtung des Tanks. Hunderte Feuerwehrleute sind auf dem Gelände der Lebensmittelfabrik von Kraft Foods im nächtlichen Einsatz. Anlass ist ein Störfall, seit Montagabend um 19.07 Uhr herrscht im Heidekreis in Niedersachsen Katastrophenalarm.

„Um 13 Uhr ist in einen Tank mit Natronlauge versehentlich Salpetersäure gefüllt worden“, sagt die Sprecherin von Kraft Foods, Heike Hauerken. „Beim Abpumpen der Säure ist dann gegen 19 Uhr eine giftige Wolke aus Dampf und Rauch aufgestiegen“, ergänzt Feuerwehrsprecher Stephan Meier, während die Generatoren überall dröhnen. Beim Einatmen oder bei Hautkontakt sei die Wolke aus sogenannten nitrosen Gasen gesundheitsgefährdend, erklärt Meier. Nach Angaben des Unternehmens und der Feuerwehr wurde aber niemand verletzt.

Katastrophenalarm nach Chemieunfall

„Erst wurde das Werk evakuiert“, sagt Meier. Nach den rund 250 Arbeitern und Angestellte seien zunächst etwa 800 Menschen aus einem angrenzenden Wohngebiet vorsorglich in Sicherheit gebracht worden. „Dann haben wir nach dem Austritt der Gefahrenstoffe den Radius auf 500 Meter um das Werk erweitert und bis zum späten Abend nochmals rund 1000 Menschen in die Notunterkünfte gebracht.“ Die Aktion sei ruhig und kontrolliert verlaufen, betont Meier. Kurzfristig wurde sogar die Autobahn A7 gesperrt, eine wichtige Nord-Süd-Achse.

Rund 1000 Rettungskräfte waren auch nach dem Niederschlagen der Wolke mit Ablösungen bis zum frühen Morgen im Einsatz, während das Abpumpen weitergeht. „Die Situation ist unter Kontrolle“, hatte Kraft Foods-Sprecherin Hauerken schon am Abend betont. Dass es beim Abpumpen weitere Zwischenfälle geben könne, sei jedoch nicht auszuschließen. Weitere Feuerwehrwagen rollen auch lange nach Mitternacht auf den Werkshof, sogar aus Hamburg kommt Hilfe.

Auf Sammelplätzen in der Umgebung stehen Krankenwagen bereit, die Polizei hat alles weiträumig abgesperrt. Auf dem Werksgelände herrscht trotz des außergewöhnlichen Geschehens eine konzentrierte Geschäftigkeit. Wohlgeordnet verrichten die Feuerwehrleute ihre Arbeit, keiner rennt. Überall stehen Sanitäter mit ihren Rettungswagen bereit, im Hintergrund werden Spezialisten in Schutzanzügen abgeduscht - jetzt sieht es doch ein wenig aus wie im Katastrophenfilm.

„Es wird noch einige Stunden dauern, bis wir mit dem Abpumpen fertig sind“, sagt Feuerwehrsprecher Meier am Morgen. Ein Grund seien die Schutzanzüge. „Alle zwanzig Minuten müssen wir die Spezialisten auswechseln - und dann brauchen wir auch neue Schutzanzüge. Und die wurden zeitweise knapp.“ Außerdem kämen die Spezialisten langsam an die Schutzschicht zwischen Lauge und Säure. „Da ist höchste Präzision gefragt, sonst bekommen wir ein Problem“, sagt Meier ruhig. Die beiden Chemikalien würden zu Reinigungszwecken in den Produktionsanlagen gebraucht, erklärt Werksleiter Carsten Boldt.

Die Menschen in den Notunterkünften können hoffentlich noch im Verlauf des Tages wieder nach Hause, hofft Landrat Manfred Ostermann (parteilos) am frühen Morgen. Doch ganz sicher ist er da nicht.

Die Stimmung in den Unterkünften sei nicht schlecht, sagt Meier, die weitaus meisten hätten mit Verständnis auf die Evakuierung reagiert. Der Landrat sei schon am Abend dagewesen und habe die Betroffenen informiert. Es ist nicht so ruhig in der Heide wie sonst, aber von Panik keine Spur. „Das war bisher der größte derartige Einsatz, den wir jemals im Landkreis hatten“, sagt der Landrat. Am Horizont wird ganz langsam das erste zarte Licht des kommenden Tages sichtbar.

dpa

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Osterlämmer in Scheeßel

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    • 19.04.14
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