Landvolk Lüneburger Heide: Rethemer Jochen Oestmann für Heiner Beermann

Ein Wechsel an der Spitze

Klaus Grünhagen, Landvolk-Geschäftsführer, Jochen Oestmann und Heiner Beermann (von links). ·
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Klaus Grünhagen, Landvolk-Geschäftsführer, Jochen Oestmann und Heiner Beermann (von links). ·

Landkreis - Jochen Oestmann löst Heiner Beermann an der Spitze des Landvolks Lüneburger Heide ab. Das beschloss die Versammlung am Montag in Bispingen. Der 45 Jahre alte Oestmann aus Rethmen teilt sich die Führung des 3950 Mitglieder starken Verbandes mit Rudolf Meyer aus Winsen/Luhe.

Beermann kandidierte nicht erneut. „Ich möchte den Weg für einen Generationswechsel frei machen“, sagte der 61-Jährige. Er war im Mai 2002 zum Vorsitzenden des Kreislandvolkverbandes Soltau-Fallingbostel gewählt worden. In seine Amtszeit fiel die Realisierung des Grünen Zentrums in Bad Fallingbostel und die Fusion mit dem Nachbarverband Harburg. Die Position des Kreislandwirts in der Versammlung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen möchte Beermann bis 2014 ausfüllen. Auch als Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Walsrode bleibt er aktiv.

In seiner elfjährigen Amtszeit habe sich viel verändert, sagte Beermann im Pressegespräch. Mit der Wirtschaftlichkeit habe es damals mau ausgesehen. „Die Erzeugerpreise waren im Keller.“ Mittlerweile profitiere die Hälfte der Vollerwerbsbetriebe vom Biogas, Getreide- und Rapspreise seien auskömmlich, die der Milch auch. Nur die Schweinepreise leider nicht.

Beermann kritisierte das gegenwärtige Bild der konventionellen Landwirtschaft als Massentierhalter und Umweltzerstörer. Es müsse das Ziel sein, Transparenz und Verständnis zu schaffen. Ohne den Erfolg der Landwirtschaft seien Wohlstand und sozialer Frieden nicht gewährleistet. Bei 82 Millionen Verbrauchern seien einseitige Forderungen nach alternativer Bewirtschaftung nicht erfüllbar. „Klar ist, dass wir uns weiterentwickeln müssen.“ Aber alternative Modelle müssten auf Praxistauglichkeit geprüft werden.

Mit Jochen Oestmann und dessen Nachfolger im geschäftsführenden Vorstand des Kreisverbands, Christoph Becker aus Reddingen, gebe es jungen, kompetenten, gut ausgebildeten und motivierten Nachwuchs, „Ich gebe mein Amt mit der Gewissheit ab, dass die berufsständische Vertretung in den besten Händen liegt“, sagte Beermann.

Oestmann lebt mit seiner Frau Rita und den drei 12, 16 und 18 Jahre alten Söhnen in Rethem. Nach dem Abschluss der Fachschule sammelte er in Nordamerika Erfahrungen, bevor er 1988 in den elterlichen Betrieb einstieg. Von 1993 bis 1998 führte er den Hof mit Vater Karl Dieter als GbR, seit 1998 ist er Eigentümer.

Zurzeit bewirtschaftet Oestmann 300 Hektar, hält Mastschweine und betreibt eine Biogasanlage mit einem Partner. Gemeinsam mit seiner Familie und drei Mitarbeitern managt er den Betrieb und übernimmt Lohnarbeiten.

Nach einiger Überlegung hat er sich zur Übernahme des Amtes entschlossen. „Ich halte die Landwirte für eine besondere Berufsgruppe, die in der Gesellschaft wichtige Aufgaben zu lösen hat.“ In der Zukunft möchte er sich mit seinen Berufskollegen für einen gesellschaftlichen Konsens einsetzen.

Sein Berufsstand sei nicht frei von Schuld, bekannte Oestmann. Wenn es darum gehe, sich an Gesetze zu halten, könne sich die Landwirtschaft jedoch nicht ausnehmen.

Er stellte die Frage, was einen bäuerlichen Betrieb ausmacht. „Klein und kuschelig ist nicht immer gut und groß nicht gleich schmutzig und böse.“

Oestmann verfügt über 2500 Schweinemastplätze. Eine Genehmigung für eine Erweiterung hat er in der Schublade. Ende der Ferien werde er sich deswegen mit dem Landkreis in Verbindung setzen. Seine Söhne hätten Interesse an der Landwirtschaft. Und er habe den Anspruch, allen die Möglichkeit zu geben. Er wolle möglichst viele Menschen für den Beruf des Landwirts begeistern. Es gebe enorme Perspektiven. Und der Mangel an qualifiziertem Personal sei bereits heute ein begrenzender Faktor für Betriebe, die wachsen wollen. · sal

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