Häuslingens Bürgermeisterin Dr. Kathrin Wrobel wirft im Interview einen Blick zurück und schaut in die Zukunft

Viele interessante Projekte in der kommenden Amtszeit

Dr. Kathrin Wrobel.

Häuslingen - Drei der vier ehrenamtlichen Bürgermeister in der Samtgemeinde Rethem stellen sich am 11. September erneut zur Wahl. In Interviews haben sie Fragen zu ihrer Amtszeit beantwortet. Heute äußert sich Dr. Kathrin Wrobel, Bürgermeisterin von Häuslingen.

Welche Ziele hatten Sie, als Sie vor zehn Jahren Häuslinger Bürgermeisterin wurden und was ist daraus geworden?

Dr. Kathrin Wrobel.

Wrobel: Als ich 2006 das Bürgermeisteramt übernahm, sah die Zukunft für Häuslingen schwarz aus – und damit meine ich nicht die CDU, sondern schwarz im Sinne von „pleite“. Für das Jahr 2010 war ein Haushaltsdefizit von ca. 40.000 Euro vorausgesagt worden. Eine echte Herausforderung. Es wurden auch Stimmen laut, die eine Fusion von Häuslingen und der Samtgemeinde mit größeren Gemeinden forderten. Ich habe mich immer dagegen ausgesprochen, dass Häuslingen auf dem Filetiertisch landet und schließlich nur noch als kleines Rädchen in einem großen Verwaltungswasserkopf mitläuft.

Wie sieht die Bilanz der vergangenen fünf Jahre aus?

Wrobel: Ich habe diese Herausforderung angenommen. Der Haushalt wurde in Zusammenarbeit mit Herrn Dehning auseinandergenommen und jede Position überprüft. Dann haben wir die Ausgaben eingeteilt: notwendig, sinnvoll und freiwillig, und uns weitestgehend auf die notwendigen beschränkt. Wir haben die Beschäftigungsstruktur neu geordnet. Wir haben Bürgerinnen und Bürger angesprochen, ob sie ehrenamtlich Aufgaben übernehmen. Das alles hat Früchte getragen. Und während dieser Zeit hat es auch keinen Stillstand in der Gemeinde gegeben. Im Gegenteil: Viele Projekte konnten durchgeführt werden: 2011 konnten wir nach einer großen Spendensammelaktion eine Glocke für die Friedhofskapelle anschaffen und weihen, auch haben wir unser schönes Wappen ausgesucht und angenommen, die Buswendeschleife an der Grenze zum Landkreis Verden wurde gebaut und in Betrieb genommen.

2012 wurden die Planungen für den Radwegebau gemeinsam mit der Gemeinde Böhme aufgenommen und der Melkerweg wurde mit Trassenänderung neu gebaut. 2013 haben wir die Ortsschilder mit Plattdeutsch ergänzt, eine Holzauktion durchgeführt und zusammen mit den Eltern den Kindergarten renoviert, was den Haushalt um circa 9 000 Euro entlastet hat. Ab 2014 fanden viele Dinge statt, die „hinter den Kulissen“ abliefen. Die Kleinstgrundstücke der Gemeinde wurden durch Landtausche aus dem Kataster bereinigt, die Verkehrssicherheit verbessert, wir haben uns mit der Einführung der Doppik herumgeschlagen und vieles mehr. Die vollständige Liste würde den Rahmen sprengen. In Häuslingen hat sich trotz des selbstverordneten Sparkurses viel getan. Und dies – und darauf bin ich besonders stolz – immer mit „Bordmitteln“, das heißt, ohne Kreditaufnahme und weitere Verschuldung. Seit 2009 haben wir ausgeglichene Haushaltspläne vorlegen können. Seit sechs Jahren hat die Gemeinde Haushaltsüberschüsse erwirtschaften können, die sie nun in die Lage versetzen, wieder eine größere Investition anzupacken, nämlich die Sanierung von drei Straßen. Wir werden dieses Projekt sorgfältig planen und die Anlieger einbeziehen.

Was möchten Sie in Häuslingen in einer möglichen weiteren Amtszeit bewegen?

Wrobel: Für die kommende Amtszeit stehen weitere interessante Projekte an, die ich gerne begleiten würde. Hierzu zählen die beantragte Aufnahme im Förderprogramm „Vernetzte Dorfregion“, zu der die Einwohner tolle Ideen vorgetragen haben. Im Neubaugebiet sollen der dritte Bauabschnitt ausgewiesen und neue Bauplätze zur Verfügung gestellt werden. Auch unsere „unendliche Geschichte“, der Radwegebau zur Altenwahlinger Kreuzung, scheint nun endlich realisierbar zu werden. Die Kita-Öffnungszeiten sollen ausgeweitet werden, um berufstätigen Eltern entgegenzukommen. Ein wichtiges Anliegen ist für mich die Schaffung einer Tagespflegemöglichkeit. Als persönlich Betroffene weiß ich, wie wichtig es für pflegende Angehörige ist, Mutter/Vater oder andere für ein paar Stunden in guten Händen zu wissen, um seine eigenen Besorgungen erledigen zu können. Mein Vorschlag eines „Kinder- und Seniorengartens“ ist Teil der Dorferneuerungsplanung.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Gemeinde Häuslingen eine solide Bilanz vorzuweisen hat. Wir leben in einer lebendigen Gemeinde, in der sich etwas bewegt. Wir haben Vereine und Verbände, die sich einbringen und bei Projekten helfen oder diese mit Unterstützung der Gemeinde realisieren. Wir haben tüchtige und motivierte Mitarbeiter. Wir haben Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren. Darauf bin ich als Bürgermeisterin stolz. Ich habe zugegebenermaßen mit dem Gedanken gespielt, nach zehn Jahren aufzuhören, denn die Arbeit ist trotz der Ehrenamtlichkeit sehr anspruchsvoll und zeitintensiv. Seit drei Jahren pflege ich zusätzlich meinen schwer an Alzheimer erkrankten Vater, was eine echte Herausforderung darstellt, bei der man aufpassen muss, nicht unter die Räder zu geraten. Ich habe jedoch so viel Zuspruch, Ermutigung und Hilfe in Häuslingen erfahren, dass ich mich doch gerne wieder zur Verfügung und zur Wahl stelle. Dafür an alle meinen herzlichen Dank! - sal

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