Grundwasser im Raum Walsrode mit Nitraten belastet 

Stark verschmutzte Brunnen

Harald Gülzow vom VSR (r.) im Gespräch mit einem Brunnennutzer am Informationsstand. - Foto: VSR

Walsrode - Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der gemeinnützige Verein VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Rahmen einer Informationsveranstaltung im August beim Labormobil in Walsrode abgegeben wurden. In jeder dritten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter.

Analysiert wurde das Wasser 23 privat genutzter Brunnen aus dem Raum Walsrode. Die Gewässerexperten warnen nun vor einer weiteren Überdüngung der landwirtschaftlichen Böden. „Es kommt dadurch zu einer unnötig hohen Nitratauswaschung ins Grundwasser“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Mitglieder fanden 169 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l) in einem privat genutzten Brunnen in Frankenfeld. Weitere stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Vethem-Blankemühlen mit 113, in Walsrode mit 77 und in Düshorn mit 102 mg/l fest.

Das Wasser sei nicht mehr zum Trinken geeignet. Besonders wichtig sei außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt werde, so die Experten. Es bestehe die Gefahr einer Massenvermehrung von Algen.

„Beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser muss man bei der Düngung bedenken, dass es durch das Gießwasser zu einer zusätzlichen Nitratzufuhr kommt“, heißt es weiter. Die gemessenen Konzentrationen zeigten in der Landwirtschaft einen deutlichen Handlungsbedarf, um die 1991 aufgestellte EU-Nitratrichtlinie einzuhalten. Deren Ziel sei es, die durch Nitrate aus landwirtschaftlichen Quellen verursachte Gewässerverunreinigung zu reduzieren. Es bedürfe einer Überarbeitung der Düngeverordnung. „Trotz der Klage der EU-Kommission gegenüber Deutschland wurden die geforderten Nachbesserungen in die Novellierung der Düngeverordnungen bis heute nicht aufgenommen“ so Susanne Bareiß-Gülzow, VSR-Vorsitzende.

„Da es für die Wasserversorger in der Zukunft immer aufwändiger wird, Wasser zu liefern, das den Grenzwert von 50 mg/l Nitrat einhält, werden die Preise für Leitungswasser steigen“, heißt es. Umso ärgerlicher, da viele Gartenbesitzer heute schon wegen der starken Belastung im Brunnenwasser Leitungswasser verwendeten.

Der VSR möchte dazu beitragen, dass die Notwendigkeit einer Änderung der Düngerausbringung akzeptiert wird. „Es muss in den belasteten Regionen zu einem Informationsaustausch zwischen Bürgern und Landwirten kommen.“

Die SPD-Kreistagsfraktion hat sich des Themas ebenfalls angenommen. Sie geht in einer Pressemitteilung ebenfalls auf das Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen Niedersachsen ein. Es seien in 24 Landkreisen Grundwasseruntersuchungen, auch im Heidekreis, angeordnet worden.

Seine Fraktion habe den Landrat gebeten, mitzuteilen, welchen Umfang die Untersuchungen haben, ob die Nitratbelastungen veröffentlicht werden und welche Schlussfolgerungen gezogen werden, so Fraktionsvorsitzender Dieter Möhrmann. Schon 2012 habe die Kreisverwaltung in Kenntnis der Werte mitgeteilt: „Die Ursachen für die Nitratbelastung werden durch die Untere Wasserbehörde des Landkreises insbesondere auf die Düngeausbringungspraxis zurückgeführt. Für die Beurteilung der ,guten fachlichen Praxis’ ist die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zuständig.“ (Umwelt-Ausschuss 3. Mai 2012, Protokoll)

Seinerzeit hätten sich in der Sitzung die Landwirtschaftskammer, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz und Dr. Willenbockel vom Grünen Zentrum in Bad Fallingbostel geäußert. Es seien Defizite in der Umsetzung der Düngepraxis eingeräumt worden, konkret auf den Landkreis bezogen jedoch nur für den Bereich Wietzendorf. Die Nährstoffaufnahmekapazitäten seien im Heidekreis bei weitem noch nicht erreicht. „Es wurde also Entwarnung für den Heidekreis gegeben, obwohl es in der Vorlage der Unteren Wasserbehörde hieß, dass zehn von zwölf Grundwasserkörpern, die den Heidekreis betreffen, einen schlechten chemischen Zustand hinsichtlich Nitrat aufweisen“, so die Mitteilung.

„Es verwundert uns deshalb umso mehr, dass das niedersächsische Umweltministerium auch unseren Landkreis wieder in den Blick genommen hat.“ Die Fraktion gehe davon aus, dass die meisten Landwirte die „gute fachliche Praxis“ einhielten. Es bleibe jedoch die Frage, worin die Ursache für die Untersuchungen liege, so Möhrmann.

Lesen Sie auch

EU reicht angekündigte Nitrat-Klage gegen Deutschland ein

Mehr zum Thema:

BMW 5er: Neue Welt und alte Werte

BMW 5er: Neue Welt und alte Werte

Deprimierender Abschied für Gladbach - 0:4 beim FC Barcelona

Deprimierender Abschied für Gladbach - 0:4 beim FC Barcelona

Lewandowski beschert FC Bayern Prestigesieg

Lewandowski beschert FC Bayern Prestigesieg

Neapel und Benfica im Achtelfinale - Arsenal Gruppensieger

Neapel und Benfica im Achtelfinale - Arsenal Gruppensieger

Meistgelesene Artikel

Drei Menschen bei Unfall schwer verletzt 

Drei Menschen bei Unfall schwer verletzt 

Als die Mondsichel …

Als die Mondsichel …

Abbruch in der 90. Minute

Abbruch in der 90. Minute

Lovemobil brennt aus

Lovemobil brennt aus

Kommentare