Walsrode

Heidekreis-Klinikum: Patienten mit leichten Beschwerden werden weitergeleitet

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Mark Barjenbruch, Dr. Christof Kugler, Nicole Beuth, stellvertretende Leiterin Pflege der Zentralen Notaufnahme, Klaus Hammer, leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme, Projektleiter Jürgen Sandvos, Jürgen Schmitz, Geschäftsführer Kassenärztliche Vereinigung, Bezirksstelle Verden, und Dr. Jens Schlake, Sprecher der Kreisstelle Bad Fallingbostel (von links).

Walsrode - „Es sind die kleinen Schürfwunden, der Hexenschuss, der am Wochenende kommt, oder eine Wunde an der Hand, die nicht unbedingt in eine Notaufnahme gehören. Wir schauen uns das gern an – in der Erstaufnahme – aber wollen künftig mehr Patienten davon überzeugen, in die kassenärztliche Bereitschaftspraxis zu gehen“, sagt der Leiter der zentralen Notaufnahme im Heidekreis-Klinikum Walsrode, Oberarzt Klaus Hammer.

Es ist nur ein kurzer Weg in die Bereitschaftspraxis – eine Treppe höher. Und dahin soll der Weg führen, um die Notaufnahme zu entlasten. So lautet das Ziel des Heidekreis-Klinikums (HKK) und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Beide wollen die Versorgung von Notfallpatienten enger miteinander abstimmen. Im Pressegespräch in Walsrode stellten KVN-Vorstandsvorsitzender Mark Barjenbruch und HKK-Geschäftsführer Christoph Kugler die Kooperationsvereinbarung vor.

Seit Jahren verzeichnet die Zentrale Notaufnahme des Krankenhauses Walsrode einen wachsenden Zulauf. Im Durchschnitt suchten täglich 60 Patienten medizinische Hilfe, die meisten von ihnen in der Zeit zwischen 10 und 19 Uhr.

Viele Beschwerden oder Verletzungen könnten in einer hausärztlichen oder in der Bereitschaftsdienstpraxis der KVN im Krankenhaus versorgt werden, so die Experten. In solchen Fällen werde das Personal der Notaufnahme des HKK künftig die Patienten auf die Kassenärztliche Bereitschaftsdienstpraxis hinweisen. Ziel sei es, die Ärzte und Pflegefachkräfte in der Zentralen Notaufnahme von den leichteren Behandlungsfällen zu entlasten, damit sie sich auf die Behandlung schwerer Notfälle konzentrieren könnten.

Im Hintergrund steht ein Verfahren zur Ersteinschätzung in der Notaufnahme, das bereits 2014 erfolgreich in Walsroder etabliert wurde: das „Manchester Triage System“. Jörg Sandvos, seit vielen Jahren im Klinikum tätig, arbeitet seit 2014 an diesem Projekt. Danach weisen qualifizierte Pflegefachkräfte die Patienten innerhalb kurzer Zeit nach ihrem Eintreffen einer von fünf Dringlichkeitsstufen zu: Rot (sofort), Orange (sehr dringend), Gelb (dringend), Grün (normal) und Blau (nicht dringend). Die Patienten der roten Kategorie werden sofort behandelt. Für die anderen Dringlichkeitsstufen ist die Zeit bis zum ersten Arztkontakt vorgeschrieben und reicht von 10 Minuten in der orangen bis zu 120 Minuten in der blauen Kategorie.

Den Patienten der Stufen Blau oder Grün wird das Krankenhaus künftig empfehlen, die Kassenärztliche Bereitschaftsdienstpraxis aufzusuchen. Plakate im Wartebereich erklären den Patienten die Systematik der Behandlungsdringlichkeiten. Möglich wird auch eine transparente Darstellung der voraussichtlichen Wartezeiten auf Bildschirmen.

Kugler erläuterte das Prinzip: „Zukünftig erfolgt die Behandlung auf der Basis einer einheitlichen und nachvollziehbaren Ersteinschätzung zur Festlegung der Dringlichkeit. Aus der Sichtweise der Patienten ist es dabei unerheblich, ob dies durch einen Krankenhausarzt oder durch einen Kollegen aus dem ärztlichen Bereitschaftsdienst geschieht.“ Dies sei ein Meilenstein zur Überwindung des Nebeneinanderherarbeitens von Krankenhausärzten und den niedergelassenen Kollegen. „Zudem konnte damit eine Ausweitung der Öffnungszeiten der Bereitschaftsdienstpraxis in Walsrode erreicht werden.“

„Der Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte wird von der Bevölkerung zu wenig wahrgenommen, die Krankenhaus-Notfallaufnahmen sind überlastet“, sagt Barjenbruch. „In Walsrode wollen wir diesen Trend umkehren.“ Die neuen Sprechstundenzeiten seien so festgesetzt, dass sie die Zeiten mit der gewöhnlich höchsten Patientenfrequenz abdeckten. Barjenbruch sieht die KVN in einer Vorreiterrolle für Entscheidungen: „Die Politik täte gut daran, endlich rechtliche Rahmenbedingungen für eine Patientensteuerung zu schaffen.“

HKK und KVN appellieren an die Bevölkerung, die Bereitschaftsdienstzeiten zu beachten, um die Wartezeiten nicht zu verlängern. 

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