Beratungsstelle für Beschäftigte aus Südosteuropa

Hilfe bei Ausbeutung

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Dr. Matthias Richter-Steinke (DGB), die Beraterinnen Dr. Katarzyna Zentner, Roza Tanka und Eliza Yankova sowie Charly Braun (DGB, v.l.) stellten die Beratungsstellen für mobile Beschäftigte vor. 

Heidekreis - Sie kommen aus Südosteuropa, vor allem aus Bulgarien und Rumänien, vielfach auch aus Polen. Sie arbeiten hier manchmal nur für eine Saison, manchmal für Jahre. Sie sind in vielen Branchen tätig, vorrangig aber in der Logistik, in der Landwirtschaft und auf dem Bau: Wanderarbeiter, neudeutsch mobile Beschäftigte. Aber egal, welche Herkunft oder Betätigung, wenn es Probleme gibt, dann sind es oft dieselben: zu wenig Lohn für zu viel Arbeit, unzureichende Unterbringung, kein Urlaub, keine Sozialversicherung und rechtswidrige Verträge.

Um den laut niedersächsischem Wirtschaftsministerium unzumutbaren, zum Teil sogar ausbeuterischen Wohn- und Arbeitsbedingungen entgegen zu wirken, richtete die Landesregierung im Herbst 2013 die ersten beiden Beratungsstellen für mobile Beschäftigte ein. Inzwischen gibt es vier Büros in Trägerschaft der gewerkschaftsnahen Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Niedersachsen, finanziert vom Wirtschaftsministerium.

Jüngstes „Kind“ in dieser Familie ist, nach Oldenburg, Hannover und Braunschweig, das im April eröffnete Büro in Lüneburg. Damit rückt die Einrichtung zwar räumlich nicht näher an den Heidekreis heran. Allerdings konnte durch die Anstellung von Roza Tanka das umfangreiche muttersprachliche Beratungsangebot um Ungarisch erweitert werden.

Geschult im Arbeitsrecht

3.300 Anfragen, auch aus dem Heidekreis, habe man seit 2013 bearbeitet, berichtete Dr. Katarzyna Zentner beim Pressegespräch im ver.di-Bildungszentrum in Walsrode. Die Beratungsstellen seien gut vernetzt mit Behörden und anderen Institutionen, stünden im Kontakt zu Konsulaten und Botschaften. Die Mitarbeiterinnen seien geschult für arbeitsrechtliche Hinweise. „Wir sind keine Rechtsanwälte“, machte Zentner deutlich. „Aber wir können außergerichtliche Verhandlungen mit den Arbeitgebern führen.“

Die Projektleiterin aus Hannover und ihre beiden neuen Berater-Kolleginnen Roza Tanka und Eliza Yankova waren nach Walsrode gekommen, um gemeinsam mit dem DGB-Kreisverbandsvorsitzenden Heinz-Dieter „Charly“ Braun und DGB-Regionsgeschäftsführer Dr. Matthias Richter-Steinke die Arbeit der Beratungsstellen vorzustellen. „Die Angebote erfolgen immer auf freiwilliger Basis“, betonte Katarzyna Zentner, „anonym, vertraulich und kostenlos.“ Es gehe nicht darum, Arbeitsverhältnisse zu zerstören.

Als einzige Beratungsstellen bundesweit verfügten die niedersächsischen dabei auch über Busse, mit denen die Beraterinnen die Beschäftigten an ihren Arbeitsstätten aufsuchen können. Gerade im ländlichen Raum sei das wichtig, so Zentner.

Welche Betriebe Wanderarbeiter beschäftigen, erfahren die Beraterinnen häufig aus der Bevölkerung. Zentner: „Diese Hinweise sind Gold wert.“ Matthias Richter-Steinke fügte hinzu: „Es geht nicht darum, Arbeitgeber zu denunzieren. Es geht um menschenwürdige Zustände.“ Außerdem gebe es in Niedersachsen mehrere Projekte zum Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland. „Dann müssen wir hier auch gute Arbeitsbedingungen schaffen. Sonst ist das ein Flop von Dauer.“

Und: Den Gewerkschaften gehe es bei ihrem Engagement in dieser Sache nicht nur um internationale Solidarität, betonte Charly Braun. „Wir wollen hier schließlich keine Lohndrücker und Streikbrecher zu Lasten der ,normalen’ deutschen Beschäftigten.“ 

Die Kontaktdaten

Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Lüneburg, Heiligengeiststraße 28, 21335 Lüneburg, Telefon 04231/927509-5 oder -6.

Eliza Yankova (Bulgarisch, Englisch, Deutsch), mobil 0157/81550859, E-Mail eliza.yankova@aul.nds.de;

Roza Tanka (Ungarisch, Englisch, Deutsch), mobil 0152/52786477, E-Mail roza.tanka@aul.nds.de.

Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Hannover, Arndtstraße 20, 30167 Hannover, Telefon 0511/98192-40 oder -41, E-Mail hannover@mobile-beschaeftigte-niedersachsen.de.

Dr. Katarzyna Zentner (Polnisch, Russisch, Englisch und Deutsch), mobil 0152/55991663;

Ada Bobrova (Russisch, Ukrainisch, Weißrusisch und Deutsch), mobil 0152/55991687.

Weitere Informationen im Internet unter www.mobile-beschaeftigte-niedersachsen.de.

kp

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