Andreas Frei arbeitet als Tierarzt im Weltvogelpark Walsrode in seinem Traumberuf / „Ich wollte immer im Zoo arbeiten“

Geburtshelfer für gefiederte Freunde

Der Tukan-Nachwuchs sperrt die Schnäbel weit auf, wenn Tierpflegerin Kim-Jana Lang ihn mit der Pinzette füttert. - Fotos: Templin

Walsrode - Von Aenne Templin. Andreas Frei, Tierarzt im Weltvogelpark Walsrode, öffnet die Tür zu einem Kellerraum. Es ist kühl und dunkel. Drei graue Brutkästen stehen an den Wänden. Ein leises Piepsen verrät: Ein Küken ist gerade geschlüpft. „Es ist ein Graurücken-Trompetervogel“, sagt Frei nach einem kurzen Blick in den Kasten. Der Vogel ist in diesem Jahr eines von mehr als 600 Jungtieren, die im Vogelpark zur Welt gekommen sind. Im Juli und August herrscht Hochkonjunktur. „In dieser Zeit schlüpfen die meisten Jungtiere“, informiert der Tierarzt.

Der 33-jährige gebürtige Bayer arbeitet seit sieben Jahren in Walsrode. Vögel sind seine absoluten Lieblingstiere. Jede Art habe ihren eigenen Charakter und es seien äußerst intelligente Tiere, sagt der Veterinär, auf dessen Favoritenliste Tukan und der Paradiesvogel ganz oben stehen.

Im Medizinstudium spezialisierte er sich auf diese Tierart. Nach der Uni kam die Arbeit in einer niedergelassenen Praxis für Andreas Frei nicht in Frage: „Zu langweilig. Ich wollte immer im Zoo arbeiten“, sagt der Tierarzt.

Seine Schwerpunkte sind Hygiene, Unfallvermeidung, Impfungen und das Futter. „Ich kümmere mich darum, dass es den Tieren gut geht“, beschreibt er seinen Traumberuf. Im Sommer springt er dabei vor allem zwischen dem Brut- und Jungtierraum hin und her.

Frischgeschlüpft: Wo die Eltern nicht selber brüten können, hilft der Brutkasten.

Im Kellerraum brüten neben dem Graurücken-Trompetervogel noch weitere 20 Vögel. Der kleinste erwartete Nachwuchs sind Kolibris. Dessen Küken sind gerade mal zwei Zentimeter groß. Bei Tieren, die zu aufgeregt oder noch zu jung zum Brüten sind, greift Andreas Frei zu einem Trick: „Wir lassen die Eier im Brutkasten ausbrüten. Der Vogel bekommt eine Attrappe ins Nest.“ Sobald das Junge geschlüpft sei, kommt es wieder ins Nest und wird vom Muttertier aufgezogen. Leider funktioniere das nicht bei allen Vögeln.

Ähnlich verlief die Angelegenheit beim Graurücken-Trompetervogel. Andreas Frei nimmt den kleinen Vogel liebevoll aus dem Brutkasten, redet behutsam auf ihn ein, befreit ihn von den letzten Resten der Eierschale und streicht ihm durch das Gefieder. „Als nächstes wird das Fell ganz flauschig und der Vogel sieht aus wie ein einziges Wollknäuel.“ Statt einen Namen bekommt der Kleine eine Nummer. „Jedem der Tiere einen Namen zu geben, würde bei 650 Vogelarten den Rahmen sprengen.“

Der Vogel bezieht im Raum der Jungtiere eine kleine Kiste. Seine Nachbarn: Tukane mit gelben und blauen Schnäbeln, Tauben, Uhus und Falken.

Tierarzt Andreas Frei im Kagu-Gehege. Diese Vogelart stammt ursprünglich von der Insel Neukaledonien.

Das Essen wird geliefert: Tierpflegerin Kim-Jana Lang füttert die Tiere mehrfach am Tag mit einer Pinzette. Bananen, Blaubeeren und Fleisch stehen unter anderem auf dem Speiseplan. Die Tiere strecken ihr schon aufgeregt die Schnäbel entgegen, wenn sie den Raum betritt. „Ich achte darauf, dass jedes Tier genug zu essen bekommt. Schließlich sollen sie groß und stark werden“, sagt Kim-Jana. Sobald die Tiere selbstständig essen, also futterfest sind, verlieren sie allmählich wieder den Kontakt zu ihren Pflegern. Und das ist ausdrücklich so erwünscht. „Die Tiere werden dann wieder scheu“, sagt Kim-Jana Lang. Traurig sei sie deswegen nicht. „Ich freue mich darüber, was ich erreicht habe, wenn die Tiere groß sind.“

Der Jungtierraum ist in drei Bereiche unterteilt. Scheue, schreckhafte und ganz junge Tiere haben einen eigenen, die größeren und mutigeren teilen sich einen anderen. Im dritten Bereich können sich die Zuschauer die Tiere durch ein Fenster anschauen.

Nichts für Zartbesaitete: die Zubereitung der Nahrung für einige der Vögel.

Vier Uhus sehen mit großen, dunklen Augen durch die Scheibe. „Die Tiere stört es nicht, wenn die Besucher vorbeigehen und sie durch das Glas beobachten“, erkklärt Tierarzt Andreas Frei. Ganz im Gegenteil: Er merke, dass nicht nur die Menschen die Tiere, sondern auch die Tiere die Menschen beobachten. Es sei für die Tiere eine gewisse Abwechslung in ihrem Alltag. Besonders bei den Papageien sei das so. „Wenn der Park im Sommer wieder öffnet, ist es fast so, als ob die Tiere die Besucher vermisst haben.“

Einen Ort, zu dem die Öffentlichkeit aber keinen Zutritt hat, sind die Zuchtvolieren. „Wir bringen hier die Tiere zusammen, die gut mit einander harmonieren, der Rest ergibt sich von selbst.“ Und das mit Erfolg: Dem Weltvogelpark ist als einzigem Zoo in Europa die Nachzucht eines Goldkopf-Quetzals (Familie der Trogone) geglückt. Das Tier kommt ursprünglich aus Südamerika, ernährt sich dort von Früchten und Insekten. Der Grund, warum es nicht viele Nachzuchten gibt, ist einfach: Nur wenige Zoos halten diese Vogelart. Ein Austausch von Tieren sei daher kaum möglich, erklärt Frei. „Deswegen sind wir sehr glücklich, dass wir ein Weibchen aus einem Zoo in Barcelona bekommen haben.“

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