Dr. Sirus Adari reist 1958 als Student nach Deutschland

Beruf kommt von Berufung

Mit Leidenschaft Mediziner: Dr. Sirus Adari. - Foto: Muschter

Walsrode - Der Begriff Beruf kommt von Berufung. Dr. Sirus Adari verkörpert diese als Arzt jeden Tag seines langen, erfolgreichen Wirkens in Walsrode. Er ist unter anderem Begründer und Vorsitzender des Onkologischen Arbeitskreises.

Schon im Kindergarten in Teheran spielte Adari, Geburtsjahrgang 1935, Arzt und wollte unbedingt Medizin studieren. Als Adari sein Abitur in der Tasche hatte, bewarben sich auf die 500 Plätze an der Universität Teheran rund 12 000 Abiturienten. Der junge Mann beschloss, sich im Ausland zu bewerben. „Libanon, das war mir zu dicht, Amerika, das war mir zu weit. Da hab ich mich für Deutschland entschieden.“

Adari ist aramäischer Christ. Der Glaube trägt ihn durch sein Leben. Die christliche Gemeinde im Iran hat eine Union mit dem Vatikan. Das war Adaris Glück: „Der damalige Bischof in Teheran hatte als erster aus Persien im Vatikan studiert. Ich bekam auf meine Reise nach Deutschland ein Empfehlungsschreiben vom Bischoff auf Lateinisch mit“, ein Brief, der ihm in der neuen Heimat die Türen öffnete.

Am 14. Mai 1958 kam er in Bonn an. Adari stand alleine im Bahnhof und fragte sich, wo er wohl die Nacht verbringen solle, als er die Glocken der Münsterbasilika hörte. „Damals waren die Kirchentüren immer geöffnet und ich traf einen jungen Kaplan.“ Dieser lenkte das künftige Leben Adaris in die entscheidenden Bahnen: „Er brachte mich in die Mensa in Bonn. Da gab es einen Schlafsaal mit Doppelstockbetten und Essen für 80 Pfennig. Am nächsten Morgen, Punkt 8 Uhr, holte er mich ab: zum Katholischen Akademischen Ausländerdienst, eine Gruppe von Misereor, die katholischen Studenten aus dem Ausland half. Ein holländischer Priester und ein Medizinstudent haben mich dann ‚geführt‘, ein Zimmer besorgt und sind mit mir gemeinsam zur Uni gegangen.“

„Zu Hause war ich sehr faul, aber hier in Deutschland habe ich eine unglaubliche Kraft entwickelt“, erinnert sich Adari an seine Studien-Anfangsjahre. Bis auf drei bis vier Stunden Schlaf lernte er ununterbrochen. „Die erste Stunde Anatomie hat mich deprimiert wegen meiner Sprachschwierigkeiten, aber dann habe ich das ganze erste Semester Deutsch gepaukt, und danach lief es gut.“

„Ich war nie allein, zu Weihnachten und Ostern bin ich in die Familien meiner Freunde eingeladen worden.“ Mit einigen aus der damaligen Zeit habe er bis heute Kontakt. Mit dem Lexikon brauchte Adari fast vier Stunden für eine Seite Lehrstoff und bewarb sich am Ende des zweiten Semesters für das Vorphysikum – mit Erfolg. Im fünften Semester begann er, Kommilitonen aus dem Iran Nachhilfe zu geben. „Für mich war das eine gute Wiederholung.“

Adaris erste Frau war Christin, Diplom-Bibliothekarin aus einer Militärfamilie. Der künftige Schwiegervater verlangte einen Doktortitel vor der Heirat. In den Semesterferien rackerte Adari in einer Papierfabrik. „Ich habe bescheiden gelebt.“ Schwierig wurde es vor dem Staatsexamen, doch auch da bekam er Hilfe von kirchlicher Seite: „Prälat Bernhard Wachowsky war Seelsorger des Diplomatischen Corps in Bonn. Er war der Mann, der mich moralisch unterstützt hat. Durch ihn bekam ich ein Stipendium über zweieinhalb Jahre, um mein Studium zu Ende bringen zu können.“

1964 starb Adaris Vater, den er in den ganzen Jahren nicht hatte besuchen können. Auch zur Beerdigung konnte er nicht fliegen. Wieder half der Prälat, diesmal der Familie in Teheran. „Auf der einen Seite war ich gut aufgehoben, aber es gab auch viele, viele Probleme zu bewältigen. Mir hat der Glaube geholfen.“

Am 1. Juni 1965 fing das Leben als Medizinalassistent in der Dermatologischen Klinik an der Uni in Bonn an. Die Doktorarbeit war nach einem halben Jahr fertig: „Die Chromosomenanalyse bei jungen Patienten mit systemischen Erkrankungen“. 1969 wurde geheiratet.

In Linz am Rhein, im Franziskaner Krankenhaus, durchlief er Chirurgie, Innere und Gynäkologie. Dann landete er für zwei Jahre in Coburg und machte den Facharzt für Innere Medizin. 1971 wurde er Oberarzt in Rheinhausen. Sein Sohn vertrug jedoch das Klima des Ruhrgebiets nicht. Eines Tages las Adari eine Stellenausschreibung in „Walsrode, Luftkurort“. „Da hab ich angerufen, mich vorgestellt und hab sofort angefangen, am 1. Juli 1974. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Das ist 42 Jahre her.“

Nach dem Tod seiner ersten Frau 1980 heiratete Adari 1994 erneut und hat mit seiner Frau zwei weitere Söhne bekommen.

In der nächsten Folge beschreibt Adari, was zur Gründung des Onkologischen Arbeitskreises führte. - cc

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