Dr. Friedrich Burchardi stellt Buch vor 

Getrieben vom unbewussten Ahnen

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Dr. Friedrich Burchardi setzt sich mit einem sehr komplexen Thema auseinander.

Heidekreis - Von Achim Hügel. Vielleicht ist es schon eine sehr alte Fragestellung, die der ehemalige Richter Dr. Friedrich Burchardi aus Soltau aufwirft und die er in seinem Buch „Die Angst vor dem Tod als Motor des Lebens“ zu beantworten versucht. Zumindest weiß er, dass sich bereits vor 400 Jahren der französische Philosoph Blaise Pascal gründlich damit auseinander gesetzt hat, den er in dem mehr als 200 Seiten umfassenden Essay mehrfach zitiert.

Was bringt Menschen dazu, die Eigernordwand zu besteigen, Marathon zu laufen und auch ansonsten Leistungen zu erstreben, die für viele nicht alltäglich, ja manchmal sogar überflüssig oder gesundheitsschädlich erscheinen. „Es ist das permanent vorhandene Ahnen im Unbewussten um die Endlichkeit unseres Daseins“, argumentiert der Autor. Durch das Streben nach Erfolg bewiesen Menschen ihre Lebenskraft, die sie auf Distanz zur Angst vor dem eigenen Ende halte, so seine These.

Es sind viele Bereiche der menschlichen Existenz, die Burchardi in seinem Buch umfassend anspricht. Dazu gehören neben dem Streben nach Leistung und Erfolg der Ehrgeiz im Wettbewerb, das Leben in der Zweierbeziehung und auch die Notwendigkeit anderer Sozialbeziehungen, die der frühere Jurist als Selektionsmerkmal evolutionären Werdens sieht.

In Kunst, Wissenschaft, Politik und in Ehrenämtern finden Menschen mannigfaltige Möglichkeiten, sich über Grenzen hinaus zu engagieren. Aber: „Auch Menschen, die mit den Normen des Zusammenlebens nicht konform gehen, mögen Erfolge erleben, über die sie ihre unbewusste Angst vor dem Tod minimieren.“

Auch Selbsterhöhung, Größenwahn, Neid und Habgier sind menschliche Eigenschaften, die Burchardi unter die Lupe nimmt. „Der Habgierige wird niemals satt“, sagt er. Dabei bezieht er sich in erster Linie auf die Schriften des Psychoanalytikers Erich Fromm, der in „Haben oder Sein“ beides analytisch gegenüberstellt.

Der Frage nach der Rolle der Religion widmet der Autor ein ganzes Kapitel. Er ist sich sicher: In den Menschen schlummert ein Grundbedürfnis des Glaubens an eine höhere Macht, die tief im Unbewussten verankert ist. Und auch der Frage nach dem Sinn des Lebens geht der 82-Jährige nach. In Anlehnung an die Literatur kommt er nur zu einer Antwort: „Der Sinn des Lebens ist es, dieses zu leben.“

Friedrich Burchardi schreibt in gut lesbarem Stil, ohne anspruchslos zu werden. Komplexer Satzbau und umfangreicher Wortschatz lassen auf eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem nicht ganz einfachen Thema schließen. Dabei vermeidet er den Gebrauch von Fremdworten und bleibt somit allgemein verständlich.

Manch Leser mag den Hinweis auf wissenschaftlich abgesicherte Studien vermissen. „Ich bin kein Psychologe“, gibt der sympathische Autor zu. „Alles, was ich bieten kann, sind Menschenkenntnis und Lebenserfahrung.“ Dabei sind seine Ausführungen gut nachvollziehbar. In gleichem Atemzug weist er darauf hin, dass nach Fertigstellung seiner Arbeit der Amerikaner Sheldon Solomon eine Studie unter dem Titel „Der Wurm in unserem Herzen“ veröffentlicht hat. „Die Ergebnisse bestätigen zum Großteil meine Thesen“, freut sich Burchardi.

Mehrere Buchhandlungen im Heidekreis haben „Die Angst vor dem Tod als Motor des Lebens“ vorrätig, andere besorgen es gerne über den Verlag BoD. Aber auch bei Amazon ist es als gebundene Hardcoverausgabe (ISBN 978-3-739-25815-7) sowie als E-Book (ISBN 978-3-741-23264-0) erhältlich.

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