Zu viel und zur falschen Zeit

Aufgebrachte Gärreste beschäftigen Teilnehmer der Herbstdeichschau

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Die Deichkommission Kirchwahlingen (v.l.): Andreas von Geyso, Hagen Gehrke, Benjamin Ebert, Klaus Rüpke, Bruno Kunze (verdeckt) und Dr. Konrad Thimm.

Rethem - Buchstäblich schwarz sah die für den Deich zwischen Bierde und Eilte zuständige Kommission am Mittwoch während der jährlichen Herbstdeichschau. Dort war am Montag noch eine Düngung, vermutlich mit Gärresten beziehungsweise Düngesubstrat (Gülle) vorgenommen worden.

„Das sieht eher danach aus, als habe ein Landwirt kurz vor Toresschluss den Inhalt seiner Güllekuhle irgendwo unterbringen wollen. Es ist viel zu viel aufgebracht worden“, kritisierte Dr. Bernd Zihrul, zuständiger Fachgruppenleiter beim Heidekreis, bei der Abschlussbesprechung in der Rethemer Fähre.

Ob die Grasnarbe sich von dieser „Keule“ erhole, müsse abgewartet werden. Verständnis für diese Aktion gab es nicht, vor allem zu einem Zeitpunkt, an dem das Wachstum bereits zum Stillstand gekommen ist. „Am Montag haben Temperaturen von knapp über null Grad Celsius geherrscht“, sagte Zihrul auf Nachfrage und bezeichnete die Aktion als „idiotisch“. Gras wachse bei Temperaturen ab acht bis zehn Grad Celsius. 

Die Deichkommission Kirchwahlingen (v.l.): Andreas von Geyso, Hagen Gehrke, Benjamin Ebert, Klaus Rüpke, Bruno Kunze (verdeckt) und Dr. Konrad Thimm.

Der Dünger stehe dem Gras somit nicht zur Verfügung. Die schwarze Schicht habe auf einer Strecke von mehreren hundert Metern das Gras komplett überdeckt. „Das ist mehr Abfallentsorgung. Bei schlechtem Wetter geht das Gras sogar ein“, fand Zihrul deutliche Worte.

Mitarbeiter der zuständigen Prüfabteilung der Landwirtschaftskammer seien am Donnerstag vor Ort gewesen. Sie prüften, ob eine Ordnungswidrigkeit vorliege, sagte Zihrul. Nun gelte es, die Stellungnahme abzuwarten. Seien Oberflächengewässer direkt betroffen, sei die Untere Naturschutzbehörde zuständig, wenn es um das Thema Dünger gehe die Landwirtschaftskammer.

Zihrul geht nicht davon aus, dass das Grundwasser durch den zuviel aufgebrachten Dünger beeinträchtigt wird. Der Deich sei erhöht. Allein deshalb sei davon auszugehen, dass nicht viel passieren werde. Schwierig sei auch, die Belastung des Grundwassers zu beweisen. Das größte Risiko sieht der Fachmann in der Nähe zu Gräben.

Die Mitglieder der Deichkommissionen nahmen insgesamt acht Deichabschnitte zwischen Klein Häuslingen und Ahlden, wobei der Rethemer unterteilt ist, in Augenschein. Bei Schmuddelwetter waren dabei Gummistiefel und Regenkleidung angesagt.

War in den vergangenen Jahren durchweg zu hören gewesen, die Deiche befänden sich in gutem bis sehr guten Zustand, so hörten sich die Berichte bei der Abschlussbesprechung diesmal nicht ganz so zufrieden an. Andererseits hatten die Teilnehmer gravierende Mängel nicht feststellen können.

Der trockene Sommer habe offensichtlich der Mäusepopulation in die Karten gespielt, deren Aktivitäten diesmal augenscheinlicher gewesen seien als sonst, so die Fachleute bei der Abschlussbesprechung. Sogar Spuren eines Dachses bei Klein Häuslingen hatten die Männer bei ihrem Gang entdeckt. Das Tier hatte sich am Deich zu schaffen gemacht. An einigen Stellen müsse Buschwerk beseitigt werden. 

Das gilt auch für ein paar Stroh- und Heuballen, Räumgut und Bioabfall im Überschwemmungsgebiet. Verärgert zeigten sich die Vertreter der Deichkommissionen über Hundehalter, die ihre Vierbeiner entlang des Deichverteidigungsweges laufen lassen und sich dann nicht darum kümmerten, wenn ihre Lieblinge bei der Verfolgung von Kleintieren richtige Trichter in den Deich buddelten.

sal/bä

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