Viel Atmosphäre auf dem Mittelaltermarkt 

Ritterschwert auf der Schulter

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Alexandra Heinrich (l.) und Jana-Lucia Krafzik aus Kiel haben fast 100 Stunden an ihren fantasievollen Kostümen gearbeitet.

Rethem - Der Vater gibt noch ein paar kurze Anweisungen, dann wird es Ernst für Leonard: Der Vierjährige kniet vor dem Marktschreier, der legt das Schwert erst auf die linke Schulter des kleinen Jungen, dann auf die rechte. „Hiermit schlage ich dich zum Ritter Leonard“, verkündet der Marktschreier feierlich auf dem Platz vor dem Rethemer Burghof. Beifall setzt ein und Leonard nimmt die Ehre stolz entgegen.

So ging es damals zu: Rette sich wer kann vor den angrifflustigen Wikingern auf dem Schlachtfeld.

Leonard ist nicht der einzige Junge, der am vergangenen Wochenende im Zuge des Mittelaltermarktes am Fuße der historischen Burg in den Ritterstand aufsteigt. Der Marktschreier ruft viertelstündlich neue Namen aus. Für die Veranstalter ein voller Erfolg: Der Verein Kinder-Jugend-Kultur (Kijuku) und die Mittelaltergruppe Liberi Effera legten besonderen Wert auf das junge Publikum und auf Familien.

Deswegen prägt weniger das Krieger-, sondern mehr das Alltagsleben sowie Spiele für die Kinder den kleinen aber feinen Markt neben der Aller. Auf dem Platz vor dem Burghof ist ein Marktplatz entstanden mit einer Piratenkaschemme und einer Keltenküche. Am Fuße der historischen Burg steht eine Zeltstadt. Alte Handwerkskünste, Schmuck und Waffenkämpfe werden hier gezeigt.

Feen, Fabelwesen, Gaukler und Musiker wandeln in ausgefallenen Kostümen oder in historischen Gewändern durch die Besuchergruppen. Neben Fische angeln, Feuermachen mit einem Stein und Wikingerkegeln, rüsten sich die kleinen Besucher mit einem eigenen selbstbemalten Schild sowie Pfeil und Bogen aus.

Gaukler, Musiker und Darsteller führten das mittelalterliche Leben in historischer Umgebung vor. 

„Viele Mittelaltermärkte sind einzig auf die Bedürfnisse der Erwachsenen ausgerichtet. In Rethem ist es anders, das macht die Veranstaltung so besonders“, sagt Darsteller Thorsten Rieck (50). Der Ausbilder für Chemielaboranten reiste mit seiner Tochter Dorothea (14) extra aus Hamburg an und bietet Armbrustschießen für die jüngsten Besucher an. Kostenpunkt: Fünf Korsicker Taler, umgerechnet ein Euro. Unter der Anleitung von Rieck gilt es für die Kinder, mit einem Schaumstoffpfeil auf eine Schaumstoffwand zu zielen und Kreise herauszuschießen. Bei Erfolg gibt es eine Kupfermünze (Wert: ein Euro). Rieck ist zufrieden mit der Resonanz: „Die Kinder sind begeistert und haben Spaß.“ Auch die Erwachsenen interessieren sich für die Gewänder des Vater-Tochter-Gespanns. „Dorothea schneidert alles selber“, sagt Thorsten Rieck stolz. Es lohnt sich: „Wir zwei gehen bis zu sechs Mal im Jahr auf Mittelaltermärkte.“

Wie für einen Mittelaltermarkt üblich, übernachten die Aus- und Darsteller auf dem Gelände in ihren Zelten, in diesem Fall am Fuße der historischen Burg in Rethem. „Für uns ist es die totale Erholung. Es gibt keine Uhr, wir leben in den Tag hinein.“ Das sei bei einem sonst sehr getakteten Alltag ein Segen. „Der richtige Urlaub geht dann aber nicht ins Mittelalter, der geht an die Küste“, sagt Rieck mit einem Lachen.

Das Zelt der Familie bleibt für die Besucher verschlossen. Das sieht bei den Nachbarn ganz anders aus, da gibt es viel zu entdecken: Die Mittelalter-Fans kochen über dem offenen Feuer, schlafen auf Fellen und vertreiben sich die Zeit mit Waffenkämpfen sowie einfachen Spielen.

Susanne Marondel sitzt an ihrem Spinnrad. „Ich spinne gerne“, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. Die Bremerin bringt, während sie dem Rad mit dem Fuß Schwung gibt, den Besuchern ihr Hobby nahe und ist voll des Lobes für den Rethemer Mittelaltermarkt. „Es ist sehr schön hier und die Besucher sind sehr freundlich. Ich hatte schon ein paar interessante Gespräche“, sagt Susanne Marondel und fügt hinzu: Genauso müsse es sein, sonst wäre es zu langweilig.

Auf dem Platz vor dem Burghof sorgt währenddessen eine mittelalterliche Band für Stimmung. Eine Bauchtänzerin animiert die Zuschauer zum Tanzen. Darunter sind auch die Darsteller Jana-Lucia Krafzik und Alexandra Heinrich aus Kiel. Ihre Kostüme haben die beiden selbst entworfen und in rund 100 Stunden mühseliger Arbeit genäht.

Jana-Lucia sieht aus wie eine Fee, Alexandra trägt ein Geweih und hufenähnliche Schuhe. „Es macht riesig Spaß und wir verwandeln uns gerne in Fabelwesen“, sagt Alexandra. Zwei Orks schieben sich an ihr vorbei und gehen zielstrebig auf die Taverne zu.

Mittelaltermarkt in Rethem

Das Treiben dort und auf dem Burghof geht nach Einbruch der Dunkelheit noch weiter: Bei Feuerspielen und leiser Musik bleiben alle noch lange wach und genießen das Leben im Freien. 

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