Mode und Wäsche Wulff in Rethem feiert 90. Geburtstag

Als die Puppe keine Decke trug

Schon in frühen Jahren war das Geschäft in Rethem eine gute Adresse, wenn es um Wäsche ging. - Foto: Familie Wulff

Rethem - Das Jahr 1926: Die Deutsche Lufthansa wurde gegründet. Erstmals wird ein Fußball-Länderspiel live im Radio übertragen, der norwegische Ingenieur Erik Rotheim erfindet die Sprühdose. Und in Rethem eröffnen Helene und Otto Wulff ein Putzmacher- und Handarbeitsgeschäft. Nach einer wechselvollen Geschichte hat dieses bis heute Bestand und somit wird nunmehr der 90. Geburtstag gefeiert. Zeit für einen Rückblick auf die lange Tradition und auf einen ganz klitzekleinen Nacktskandal.

Dass heutzutage wohl nur noch die Älteren wissen, was ein Putzmacher eigentlich ist, liegt sicher auch daran, dass es diese Berufsbezeichnung mittlerweile gar nicht mehr gibt. „Meine Oma, Helene Wulff, war Hutmacherin“, erklärt Ina Wulff-Irmler, die den Familienbetrieb derzeit in dritter Generation führt. Heutzutage betitelt man den Hutmacher/Putzmacher als Modisten.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Otto bezog Helene Wulff die Geschäftsräume in der Hainholzstraße, dort, wo heute der Rewe-Parkplatz zu finden ist. Und die beiden Unternehmer hatten Erfolg. Schon nach wenigen Jahren wurde das Sortiment erweitert, mehr Platz musste her.

Das Geschäft läuft gut

Hahn im Korb: Otto Wulff mit seinen Mitarbeiterinnen Marlies Schulz, Gisela Reinecke und Jutta Schachtsiek. - Foto: Familie Wulff

Und so zog der Betrieb, der mittlerweile „Textilgeschäft“ geworden war, Ende der Zwanzigerjahre ins Haus Griesbach in die Lange Straße. Bereits 1936 stand erneut ein Umzug an. Diesmal ging es in das Gebäude Ecke Hainholzstraße/Lange Straße, wo das Familienunternehmen bis heute zu finden ist. Nach und nach wurde dort umgebaut und weiter vergrößert.

1977 übernahm die zweite Generation das Ruder; Thea und Gerhard Wulff hatten fortan im Geschäft das Sagen. Und wieder wurde die Ladenfläche zu klein. Folge war 1985 die Ausgliederung der Bereiche „Handarbeiten“ und „Tischwäsche“ ins Nebengebäude in der Langen Straße 26. Erst gegen Ende der Neunzigerjahre wurden die beiden Häuser mittels Durchbruch verbunden und die Abteilungen wieder „vereint“.

1994 folgte schließlich Generationswechsel Nummer drei. Ina Wulff-Irmler, studierte Textil-Betriebswirtin, übernahm die Leitung des Geschäfts. Unter ihrer Führung wurde nicht nur aus zwei Firmengebäuden eines gemacht; seit sechs Jahren ist die Post mit der Firma Wulff unter einem Dach.

Der „Puppen-Skandal"

So sieht das Geschäft Ecke Hainholzstraße/Lange Straße in Rethem heute aus. - Foto: Fischer

„Wir sind vermutlich das älteste Geschäft in Rethem, das immer noch in Händen von ein und derselben Familie ist“, sagt Ina Wulff-Irmler, die sozusagen im elterlichen Betrieb groß geworden ist. Daher kann sie sich auch noch an viele Ereignisse erinnern. So zum Beispiel an die zahlreichen Ausstellungen, die die Familie gemeinsam mit der Firma Richter im Ratskeller durchgeführt hat. „Staubsauger, Fernseher, Handarbeiten und vieles mehr gab es dort zu sehen“, so die Geschäftsfrau. Im Gedächtnis geblieben ist auch der Anruf einer älteren Dame, die sich Ende der Neunzigerjahre über eine unbekleidete Schaufensterpuppe beschwerte. „Sie meinte, man hätte die Puppe doch wenigstens in eine Decke hüllen können“, schmunzelt Ina-Wulff Irmler.

Sie und ihre fünf langjährigen Mitarbeiterinnen, die zum Teil bei Mode und Wäsche Wulff gelernt haben, freuen sich über Stammkunden, die eigens auch aus Verden, Walsrode und sogar aus Burgwedel anreisen. Bei einer anderen Kundengruppe spielt der Firma Wulff häufig die benachbarte Ampelkreuzung in die Karten. „Die müssen dort bei Rot anhalten, sehen unsere Schaufenster und kommen rein. Die meisten staunen dann, was wir für ein Sortiment haben“, freut sich Ina Wulff-Irmler über den Zuspruch.

Und genau das Angebot ist es, was den Betrieb auszeichnet. „Wir führen ausschließlich Qualitätsmarken. Und selbstverständlich gibt es bei uns auch eine hervorragende persönliche Beratung. Das ist unser zweites großes Plus“, so die Unternehmerin. Lediglich im Handarbeitsbereich sei die Nachfrage in den vergangenen 15 Jahren etwas zurückgegangen. „Das ist nicht mehr so angesagt“, bedauert Ina Wulff-Irmler. Vom 14. bis zum 22. Oktober soll nun Jubiläum gefeiert werden. Neben einer Rabattaktion dürfen sich die Kunden auf ein Gewinnspiel, bei dem Warengutscheine winken, sowie Geburtstagssekt freuen. - mf

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