Diskussion zum Thema „Ehrenamt im Verein“ mit Minister Schneider in Rethem

„Keine Ausnahme machen“

Jonas Wussow (r.), Vorsitzender der Rethemer SPD, überreichte dem Finanzminister Hans-Peter Schneider die Chronik der Stadt Rethem. - Fotos: Templin

Rethem - Vereinsmitglieder und Vorsitzende hatten auf eine zündende Idee vom niedersächsischen Finanzminister Hans-Peter Schneider (SPD) gehofft und wurden enttäuscht. Schneider war der Einladung des Rethemer SPD zu einer Diskussionsrunde in Helms Hotel gefolgt. Thema des Besuchs: das Ehrenamt im Verein.

Seit Jahren leiden viele Organisationen unter schwindenden Mitgliederzahlen. Ehrenamtliche fehlen unter anderem dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), Sport- und Schützenvereinen sowie der Arbeiterwohlfahrt (Awo).

Neben gesellschaftlichen Veränderungen machen vor allem die neuen Steuergesetze den Vereinen zu schaffen. Das Finanzamt verlangt eine umfangreiche Aufstellung aller Einnahmen und Ausgaben. Darüber hinaus dürfen Rücklagen maximal für zwei Jahre mit einem bestimmten Zweck gebildet werden, um zum Beispiel das Vereinsheim zu renovieren. Hält sich ein Verein nicht an die Überschussregelung, ist die Gemeinnützigkeit gefährdet, und dann werden Steuern fällig. Passieren Fehler, steht der Vorsitzende in der Haftung.

„Wie soll man das den ohnehin schon wenigen Kandidaten für den Vorsitz erklären?“, fragte Wolfgang Leseberg, Vorsitzender des SV Viktoria Rethem. Gerade junge Menschen, die für das Ehrenamt schwer zu motivieren seien, wollten sich dann überhaupt nicht mehr im Verein engagieren.

Schneider hob die Bedeutung des Ehrenamts hervor und lobte die Menschen, die sich engagieren. Er sehe zwar eine Überforderung der Vereine, um den Missbrauch von Steuervorteilen auszuschließen, es müsse aber eine Grenze zwischen kommerziellen und gemeinnützigen Vereinen gezogen werden, betonte er. „Dies gilt auch für kleinere Vereine wie hier in Rethem. Wir können da keine Ausnahme machen“, so Schneider. Klar sei, dass Vereine auf dem Land ohne einen „Notgroschen“ nicht überleben könnten. Aus diesem Grund sei die Rücklagenregelung für zwei Jahre erfunden worden. Er wisse, dass sich Vereine, wenn Überschüsse anfielen, oft einen Grund ausdenken müssten, um diese zu begründen und ihre Gemeinnützigkeit nicht zu verlieren. „Dieses Tricksen kann doch nicht der Sinn der Sache sein“, sagte Wolfgang Leseberg.

Schneider verwies auf eine Broschüre des Niedersächsischen Finanzministeriums. „Wir wissen, dass es kompliziert ist, wir geben aber eine Hilfestellung.“ Auch wenn er selbst keine zündende Idee habe, so Schneider, habe er besonders bei der Flüchtlingskrise gesehen, dass die Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt in den Vereinen groß sei. „Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist da“, sagte der Minister. Er gab den Tipp, die Emotionen der Menschen anzusprechen.

Die Teilnehmer diskutierten außerdem über gesellschaftliche Veränderungen. Viele Jugendliche wollten sich gar nicht mehr für lange Zeit an einen Verein binden. Die Eltern förderten diese „Konsumentenhaltung“.

„Es müssen sich alle überlegen, wie wir das Ehrenamt besonders auf dem Land stärken. Damit ist auch der Gesetzgeber gefordert, sich vielleicht Dinge in der Praxis anzusehen und gegebenenfalls zurückzunehmen oder anzupassen“, sagte Wolfgang Leseberg am Ende.

„Dass der Minister sofort eine Lösung parat hat, damit habe ich nicht gerechnet“, sagte einer der Besucher. „Aber ich hatte die Hoffnung, dass er unsere Anregungen zumindest auf Bundesebene als Impuls weitergibt.“

Schneider beantwortete am Ende der Veranstaltung noch ausführlich Fragen zur Flüchtlingspolitik. - at

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