Nicole Jäger begeistert ihr Publikum im Burghof / Von der Frau, die sich halbierte

„Ein freundlicher Pudding“

Am Ende glückliche Gesichter und viel Beifall: Nicole Jäger verlässt die Bühne. - Fotos: Fred Raczkowski

Rethem - Von Fred Raczkowski. Sie produziert Schlagzeilen wie „Die Frau, die sich halbierte“, füllt jede Menge Sendezeiten im Fernsehen, schrieb ein Buch („Die Fettlöserin“), das zum Bestseller wurde, gab schon über 500 Interviews, und ihre Geschichte lässt sich im Internet auf diversen Seiten verfolgen. Am Dienstagabend war sie im Burghof und begeisterte ihr Publikum mit einer gekonnten Mischung aus Performance und Lesung: Nicole Jäger.

Vor acht Jahren hatte die 34-jährige Hamburgerin noch 340 Kilo gewogen. Heute sind es „eine Handbreit über 160“. Den Weg dorthin, in einer „Welt voller Körpernazis“, beschreibt sie in einer unter die Haut gehenden Bühnenshow. Dazu gehört die gnadenlose Abrechnung mit der Diät-Industrie („Die machen 73 Milliarden Euro Umsatz in Europa“), die Diskriminierung dicker Menschen, geradezu perverse Diätvorschläge und die Belehrung durch wohlmeinende Mitmenschen: „Iss doch mal einen Salat . . .“

Claudia Kapahnke-Blaase vom veranstaltenden Verein EssLust.

Man dürfe alles sein auf diesem Planeten, nur nicht fett; „Wenn du dick bist, dann ist Schluss mit lustig.“ Das hatNicole Jäger schon als Kind erfahren. Mit 14 hörte sie vom Papa, „dass Männer keine dicken Frauen mögen“, und die Oma schüttelte den Kopf: „Du bist so hübsch, warum hast du dich so verunstaltet?“ Das sei so weitergegangen, auch bei Arztbesuchen. Bei ihr würde nur Notschlachtung helfen, habe mal ein Orthopäde gesagt. „Ich könnte mit einer blutenden Schusswunde in die Praxis kommen, der Arzt würde dennoch sagen, Frau Jäger, Sie sind zu dick.“ Und dann seien da die Blicke der Mitmenschen gewesen, zum Beispiel bei Mc Donald’s: „Guck mal, die Dicke, jetzt haut die sich auch noch einen Burger rein . . .“ Nur nicht aufregen, heißt es dann: „Ich bin ein freundlicher Pudding.“

Und dann seien die Diäten gekommen: „Von den 220 anerkannten Diäten habe ich 221 gemacht.“ Von der Ananasdiät bis zum „Magenauspumpen to go“. Schonungslos entlarvte Jäger den Unsinn der Ratschläge. Drei Pfund in der Woche verlieren? „Das wäre bei mir ja so wie bei einem Lastwagen, der eine Zierleiste verliert . . .“

Genervt ist die 34-Jährige auch von immer wiederkehrenden Journalisten-Fragen: „Haben Sie mit 340 Kilo eigentlich noch gearbeitet?“ Antwort: „Klar, als ehrenamtliche Hüpfburg“. Ein Boulevardblatt habe sich von ihr ein „für sie typisches Bild“ gewünscht: „Da sollte ich an der offenen Kühlschranktür stehen und reinschauen.“ Und natürlich die Frage: „Haben Dicke eigentlich Sex und wie soll das denn gehen?“ Klar habe sie Sex, sagte Jäger. Übrigens nicht nur, weil man dabei jede Menge Kalorien verbrauche.

Am Ende der zweistündigen Lesung und Performance machte sie dem Publikum klar: Wer nicht selbst unter starkem Übergewicht leide, der könne nicht ermessen, was ein solcher Mensch durchmache. Angst, Verzweiflung und Suizid-Gedanken seien oft die ständigen Begleiter. Da brauche es keine guten Ratschläge: „Einfach mal das Maul halten.“

Ein Rezept zum Abnehmen hat auch Jäger nicht. Aber sie hat ein Ziel: „Ich wünsche mir etwas, das man mit Geld nicht kaufen kann: Lebensqualität.“ Der Weg dahin sei schwer, aber: „Kein Anfang war jemals zu spät. Verlierer geben auf, wenn sie scheitern. Gewinner scheitern so lange, bis sie siegreich sind.“

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