Heidekreis setzt EU-Vorgaben in nationales Naturschutzrecht um

Aller-Leine-Tal: „Dialog auf Augenhöhe führen“

An der Informationsveranstaltung „Schutzgebietsausweisung im Aller-Leine-Tal“ nehmen mehr als 220 Gäste teil. - Fotos: Stache

Hodenhagen - An der öffentlichen Informationsveranstaltung des Heidekreises zur Schutzgebietsausweisung im Aller-Leine-Tal nahmen mehr als 200 interessierte Bürger teil.

Oliver Schulze, Markus Heine, Svenja Stelse-Heine, Thomas Kaiser, Thomas Bubeck und Ulf-Marcus Grube (v.r.) stellen sich den Fragen.

Erster Kreisrat Oliver Schulze, als Leiter des Fachbereichs Bau, Wirtschaft und Umwelt zuständig für den Natur- und Landschaftsschutz, begrüßte unter anderem die Bürgermeister in der Aller-Meiße-Halle in Hodenhagen. Schulze erinnerte an die Vorgaben der EU-Kommission, das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet 090 (FFH-Gebiet) und das Vogelschutzgebiet V 23 im Bereich des Aller-Leine-Tals des Heidekreises rechtlich abzusichern und als Landschafts- oder Naturschutzgebiet auszuweisen. Der Heidekreis sei verpflichtet, bis Dezember 2018 eine Schutzgebietsausweisung zu erstellen. Anderenfalls drohe ein Vertragsverletzungsverfahren, so der Erste Kreisrat.

Um allen Belangen bei der Ausweisung der Schutzgebiete gerecht zu werden, richtet der Heidekreis folgende sechs Arbeitsgruppen ein: Wasser und Deiche, Forst und Jagd, Landwirtschaft, Fischerei, Naturschutz sowie Kommunales und Tourismus.

Verbände, Organisationen und Einrichtungen seien bereits angesprochen worden, um Vertreter zur Mitarbeit in die Arbeitsgruppen, die nicht öffentlich tagen, zu entsenden. Arbeitsergebnisse würden auf der Heidekreis-Homepage bekannt gegeben, ließ Markus Heine, Leiter Natur- und Landschaftsschutz im Heidekreis, wissen.

Im weiteren Verfahrensverlauf wird es eine zweite Info-Gesamtveranstaltung geben. Bei Bedarf könnten aber auch die Arbeitsgruppen zu Informationsveranstaltungen einladen, hieß es.

Nach dem „Vorverfahren“ wird es eine öffentliche Auslegung geben, gefolgt von der Bearbeitung in den Kreisausschüssen und der Bekanntgabe der Schutzgebietsausweisung.

„Ganz wichtig ist, dass wir den Dialog auf Augenhöhe mit allen Beteiligten führen“, erklärte Schulze. „Erklärtes Ziel ist eine von einer breiten Mehrheit getragene Schutzgebietsverordnung für das Aller-Leine-Tal, die der Natur, der Umwelt und den hier lebenden Menschen, einschließlich der Flächenbewirtschafter, zugute kommt.“

Prof. Dr. Thomas Kaiser vom Planungsbüro Arbeitsgruppe Land & Wasser referierte über die schützenswerte Natur im Aller-Leine-Tal. Es gehe bei der Schutzgebietsausweisung unter anderem um den Erhalt bestimmter Waldtypen, wie Au-, Buchen- oder Eichenwälder. Bei den Tierarten ständen Biber, Fischotter, Fledermaus und Libelle im Fokus, aber auch viele Vogelarten, vom Weißstorch bis zum Singschwan. „Jetzt geht es darum, die fachlichen Vorgaben in eine Verordnung zu gießen“, erklärte der Professor.

Svenja Stelse-Heine vom Natur- und Landschaftsschutz beim Heidekreis erläuterte die weitere Vorgehensweise: „Wir werden nach dieser heutigen Kick-Off-Veranstaltung gemeinsam mit Ihnen in die Facharbeit einsteigen – in einem fachübergreifenden Arbeitskreis und den sechs Facharbeitskreisen.“

Durch die Fragestunde führte Moderator Ulf-Marcus Grube, Ortsvorsteher von Hützel. „Wir haben das ganze Programm mit der Ausweisung des Schutzgebietes in der Gemeinde Bispingen schon durchexerziert. Nach anfänglicher Unruhe wurde es erfolgreich abgeschlossen. Das Schutzgebiet Luhe in Bispingen ist beschlossen und ausgewiesen“, berichtete Grube.

Das Interesse an der Schutzgebietsausweisung für das Aller-Leine-Tal wurde durch viele Fragen deutlich. Manch Fragesteller ließ tiefe Sorgen am Verfahren erkennen.

Die Heidekreis-Verantwortlichen konnten einige Anregungen mitnehmen, so auch den Hinweis, dass es im geplanten Schutzgebiet acht Angelvereine statt der angenommenen fünf gibt. Dem Vorschlag eines Bürgers, die Arbeitsgruppe Naturschutz zu streichen und deren Mitglieder auf die anderen aufzuteilen, widersprach Markus Heine. Auf die Frage, wie entschieden wird, wenn zwei Arbeitsgruppen nicht zueinander finden, erklärte er: „Wir treten an mit dem Ansatz, Konsens zu finden.“ - bst

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