Ausschuss beschäftigt sich mit Thema 

Nitratbelastung im Heidekreis: Notwendige Trendumkehr

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Ein Landwirt beim Gülle-Ausbringen. 

Bad Fallingbostel - Das Thema Nitrat im Grundwasser und in privaten Brunnen beunruhigt die Bewohner des Heidekreises. In Wasserproben waren erhöhte Werte festgestellt worden (wir berichteten). Am Donnerstag beschäftigte sich nun der Ausschuss für Bau, Natur, Umwelt und Landwirtschaft des Heidekreises mit dem Thema.

Michael Jagemann vom NLWKN erklärte, dass es in Niedersachsen 123 Grundwasserkörper gebe, die der EG-Wasserrahmenrichtlinie zufolge chemisch und mengenmäßig überwacht werden müssten. Bei einem ermittelten schlechten Zustand gebe es die gesetzliche Forderung zur Trendumkehr und Zustandsverbesserung. Auf dem Gebiet des Heidekreis befänden sich zwölf Grundwasserkörper, sieben zu einem größeren Teil. Sechs befänden sich in einem schlechten Zustand bezüglich der Nitratwerte. 36 Gütemessstellen seien eingerichtet. Zusätzlich würden an 51 Stellen Grundwasserstände gemessen.

Sollte ein Grundwasserkörper in chemisch schlechtem Zustand sein, werde bislang ein Überblicks- und zusätzlich ein operatives Monitoring, das bedeute zwei Analysen pro Jahr und Messstelle, durchgeführt, erläuterte Jagemann.

Nitratbelastungen unter Ackerflächen

Festgestellt worden seien erhebliche Nitratbelastungen unter Ackerflächen, vorrangig auf Standorten der Geest mit hoch auswaschungsgefährdeten Sandböden. „Das ist nichts Neues“, sagte Jagemann. Der Grenzwert nach der EG-Wasserrahmenrichtlinie betrage für Nitrat weiterhin 50 Milligramm pro Liter (mg/l). Eine Trendumkehr zeige sich bisher nicht, sondern eher ein leichter Anstieg der Nitratwerte. Keine Beanstandungen gebe es im Bereich von Forst- und Grünlandflächen, so Jagemann. An drei Messstellen im Heidekreis habe es relevante Grenzwertüberschreitungen bei Pflanzenschutzmitteln gegeben.

Nitratbelastungen von über 50 mg/l im Mittelwert lägen überwiegend im nördlichen Bereich des Heidekreises vor, so der Fachmann. Eine Ausnahme bildet der Tabelle zufolge Groß Eilstorf.

Zu den Schutzmaßnahmen des Landes, die für nachhaltige Verbesserungen allerdings nicht ausreichten, wie Jagemann betonte, gehörten die freiwillige Wasserschutzberatung betroffener Betriebe, das Angebot von Agrarumweltmaßnahmen und freiwilligen Vereinbarungen zur Verminderung der Nitratauswaschung, die Änderung ordnungsrechtlicher Vorschriften für eine bessere Überwachung der Verwertung des Wirtschaftsdüngers sowie die Fortsetzung des Gewässermonitorings. Bisher untätig sei die Bundesregierung bei der Verschärfung der Düngeverordnung. „Die erwarten wir seit Jahren“, sagte Jagemann.

Um eine Trendumkehr zu erreichen, seien wesentliche Veränderungen der derzeitigen Ackerflächenbewirtschaftung notwendig. Zweckmäßig wären Verschärfungen der aktuellen Düngegesetzgebung und entsprechende Anpassungen der Grundsätze der guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft. „Bestimmte Umweltagrarmaßnahmen müssen verbindlich vorgeschrieben werden“, zeigte sich der Fachmann überzeugt. Beispiele seien ganzjährige Begrünungen und Extensivierungen.

Jagemann ging auch auf den Erlass von Umweltminister Stefan Wenzel ein. Die Wasserbehörden seien aufgefordert, die Initiative zu ergreifen. Allerdings genüge eine Gütemessstelle auf 50 Quadratkilometern nicht für eine „Feinauflösung“ zur Identifikation von Belastungsschwerpunkten in der Landwirtschaft.

Ein Vorhaben zur wirksamen und nachhaltigen Verminderung der Nitratbelastungen sollte folgende Vorgehen umfassen: Gutachterliche Identifikation der Ackerflächen mit hoher und sehr hoher Nitratauswaschungsgefährdung und deren Eigentümer beziehungsweise Bewirtschafter. Weiter gehe es um die Prüfung beziehungsweise Erfassung der regelmäßig aufgebrachten Düngermengen und der angebauten Kulturen. Die Bewirtschafter müssten aufgefordert werden, die Bewirtschaftung anzupassen. Hierfür seien Beweissicherungs- und gegebenenfalls ordnungsrechtliche Maßnahmen sowie Wirksamkeitskontrollen notwendig.

Heinz Hermann Wilkens von der LWK betonte, dass Trinkwasserbrunnen nicht von der Nitratbelastung betroffen seien. Sie seien tiefer verfiltert. 24 Landkreise, deren Grundwassermessstellen Werte von mehr als 50 mg/l Nitrat bei steigender Tendenz angezeigt hätten, seien vom Umweltminister Stefan Wenzel angeschrieben worden, darunter der Heidekreis. Belastete Brunnen müssten nun ausfindig gemacht und die Bewirtschafter gefunden werden. „Die neue Düngeverordnung soll im Frühjahr kommen.“ Sie werde deutliche Verschärfungen für landwirtschaftliche Betriebe bringen, darunter Meldepflichten. Er wies jedoch darauf hin, dass Kontrollen Personal benötigten, das nicht zur Verfügung stehe. Die weitaus meisten Betriebe hielten sich an das geltende Düngerecht. Ziel müsse es sein, den Düngebedarf der Kulturen im Einzelfall zu ermitteln.

Runder Tisch mit allen Beteiligten

Er riet dazu, einen Runden Tisch mit allen Beteiligten im Heidekreis einzurichten. Ziel sei die benötigte Trendumkehr. Zunächst müsse jedoch die Datenlage dargestellt werden. In der Praxis sei Beratung der Schlüssel zum Erfolg. „Zuviel Dünger hat auch mit Gewohnheit zu tun.“ Viele Pflanzen erhielten mehr Nährstoffe als sie bräuchten. Auch Wilkens forderte ein dichteres Messnetz. Er zeigte sich aber sicher, dass das Geld dafür nicht vorhanden sei.

Der Erste Kreisrat Oliver Schulze bewertete das geplante Vorgehen als positiv. Er betonte in diesem Zusammenhang: „Es liegt ein Haufen Arbeit vor uns.“ 

sal

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