„Die Landwirte mitnehmen“ 

Gespräch im Grünen Zentrum zum Thema Nitrat 

Manfred Dannenfeld, Jochen Oestmann, Landvolk-Geschäftsführer Klaus Grünhagen und Friederike Willenbockel. - Foto: Elling

Bad Fallingbostel - „Wir dürfen nicht nachlassen und wir müssen die Landwirte mitnehmen. “ Trotzdem sei es wichtig, dass die Betriebe Luft zum Atmen hätten. So lautete das Schlusswort von Jochen Oestmann, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes, nach einem Gespräch zum Thema Nitrat im Grünen Zentrum in Bad Fallingbostel.

Ziel des Treffens sei es, die Sicht der Praktiker darzustellen. Es gelte, eine gewisse Fachlichkeit hineinzubringen. Das Thema Nitrat stehe nicht erst seit gestern auf der Agenda, betonte Oestmann.

Friederike Willenbockel vom Büro Agrar & Umwelt Ingenieur-Kontor berät in Trinkwasserschutzgebieten im Heidekreis. Sie berichtete, dass der Nitratgrenzwert im Trinkwasser 50 Milligramm pro Liter (mg/l) betrage. Für die Wasserrahmenrichtlinie sei der Wert aus Vorsorgegründen übernommen worden. Willenbockel betonte, dass die beprobten Messstellen im Heidekreis nicht im Trinkwasserfördergebiet lägen. Bei den Förderbrunnen seien im Rohwasser 0,1 bis vier mg/l Nitrat festgestellt worden.

Fest stehe, dass Nitrat in den Boden eingebracht werde. Dort und im Grundwasser könne es abgebaut werden. Ackerbau ohne Nitratausträge sei auf den Sandböden im Heidekreis nicht möglich. „Die Kunst ist es, die Austräge auf ein Minimum zu beschränken.“

Böden seien hochkomplexe Systeme. Teilweise unterschieden sich die Gegebenheiten innerhalb eines Ackerschlags. Die Wirkung von Düngergaben werde durch Bodenprozesse und Witterungsbedingungen maßgeblich beeinflusst. „Die pflanzenbedarfsgerechte Düngung ist eine hohe Kunst.“

Maßnahmen erst nach Jahren sichtbar

Die Fachfrau erzählte, dass der Boden ein langes Gedächtnis habe. Maßnahmen in der Landwirtschaft zeigten sich frühestens nach zehn bis 15 Jahren an flach verfilterten Grundwassermessstellen. Der nächste Bericht zu den Wasserrahmenrichtlinien sei jedoch schon 2021 fällig.

„Der Überschuss von jährlich 80.000 Tonnen Stickstoff in Niedersachsen ist auch ein Verteilungsproblem“, so Willenbockel. Der Stickstoffanfall aus allen organischen Düngemitteln zeige für den Heidekreis einen Wert von 126 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr (kg N/ha). Die Stickstoffobergrenze liege nach dem Entwurf der novellierten Düngeverordnung bei 170 kg N/ha. Der Landkreis Rotenburg weise einen Wert von 172 kg N/ha auf, Cloppenburg sogar 206.

Dünger ist wichtiges Stichwort

„Wenn man sich Mühe gibt, ist es möglich, Landwirtschaft mit geringen Nitratwerten zu betreiben“, betonte Willenbockel. Hierfür notwendig seien Lagerkapazitäten für organische Wirtschaftsdünger. Wichtig sei es, pflanzenbedarfsgerecht zu düngen. Notwendig seien die vegetationsbegleitende Anbau- und Düngeberatung sowie die Ermittlung des witterungsabhängigen Stickstoffbedarfs. Sie ging auf die Nährstoffkonservierung über die Wintermonate mit Zwischenfrüchten und die Erfolgskontrolle der Maßnahmen ein. „Wir können mit den jetzigen Kulturen grundwasserschonende Landwirtschaft betreiben“, so ihr Fazit.

Klaus Grünhagen, Landvolk-Geschäftsführer, sagte, dass der Dünger idealerweise mit Ende der Kultur verbraucht sei. Mais sei von Vorteil, da er lange wachse und Dünger aufnehme. Er zeige aber nicht, wenn er zuviel erhalte. „Deshalb muss angepasst gedüngt werden.“

Manfred Dannenfeld, Geschäftsführer der Landberatung, betonte, dass die Landwirte begleitet würden. Sie müssten die Planung machen und nachweisen, dass sie sich daran gehalten haben. Entsprechende Angebote gebe es bereits, so Willenbockel.

Zur Düngesaison 2018, wenn die neue Verordnung greife, werde überall Pflicht, was jetzt in den Wasserschutzgebieten gelte, sagte Oestmann. Nicht jedem werde es gleich gelingen, grundwasserschonend zu arbeiten. Sie seien deshalb entschlossen, die Landwirte noch „proaktiver“ zu begleiten.

Beregnung enorm wichtig

Das Thema Beregnung bezeichnete Oestmann als enorm wichtig. In Trockenperioden stehe der Stickstoff den Pflanzen sonst gegebenenfalls nicht zur Verfügung und werde im Winter ausgewaschen. Wirkung zeige aber auch der technische Fortschritt, zum Beispiel in Form von Applikationshilfen.

Er erwähnte, dass in Niedersachsen eine Düngebehörde eingerichtet werde. Die sei dann für Dokumentationen, Ausbringzeitpunkte und Überprüfungen zuständig.

Ein Runder Tisch mit dem Ziel Trendumkehr werde im Frühjahr tagen. „Die Bedeutung ist uns Bauern klar“, so Oestmann. „Wir wollen uns an der Umsetzung der Verordnung beteiligen.“ - sal

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