Erste „Work + Life“-Messe ein voller Erfolg

Jugendliche nehmen für die Traum-Lehrstelle auch den Umzug in Kauf

Schülerin Lucia Rodewald informiert sich im Gespräch mit Claudia Meyer über Ausbildungsmöglichkeiten an den Dr. von Morgenstern-Schulen. - Foto: Muschter

Fallingbostel - Wenn die Schule sich dem Ende nähert, werden in allen Familien die gleichen Debatten geführt: Was für eine Ausbildung soll es werden? Recht hilflos stehen alle vor den gleichen Frage: Was kann ich überhaupt? Lehre oder Studium? Was zum Beispiel ist ein Duales Studium?

Online-Foren geben eine erste Richtung vor, aber Mike Janetzki, Jugendbeauftragter der Innung Dachdecker für Niedersachsen, sagte klipp und klar: „Du musst wissen, was Dir Spaß macht, nicht was Deine Eltern wollen oder Deine Freunde anfangen.“

Die erste „Work + Life“-Messe für Wirtschaft, Ausbildung und Beruf in der Fallingbosteler Heidmarkhalle bot Jugendlichen eine ideale Plattform zum Informieren und Ausprobieren. Der Landkreis organisierte unter anderem mit den Schulen des Heidekreises diese neue Ausbildungsmesse, auf der 72 Aussteller für Schüler, Eltern und Lehrer als Ansprechpartner zur Berufswahl Rede und Antwort standen. Aufgeteilt in Bereiche von Verwaltung über Handwerk bis zu Medien präsentierte die Halle interessante Ausbildungsangebote.

Stefan Pütting von der Firma Ohlendorf-Technik aus Bad Fallingbostel sagte, für seine Firma sei es positiv gelaufen. Er hatte sein Gästebuch mit Namen von interessierten Schülern gefüllt. Der Familienbetrieb mit 97 Mitarbeitern bietet die komplette Bandbreite der Ausbildungen für Elektro und Heizung/Sanitär.

Klaus Volmer sah für die Dachdecker-Innung einen Trend, der überraschte: „Mehr Mädchen interessierten sich am Stand der Dachdeckerinnung für die Möglichkeit zum Handwerken als die Jungs.“ Unter ihnen war auch Hiltrud Haarstick (13), die hochkonzentriert an einer Schieferplatte arbeitete und ohne Scheu zur Bohrmaschine griff. „Mein Opa lässt mich an vielen seiner Maschinen arbeiten“, erklärte sie ihre Beherztheit. Ein Praktikum beim Dachdecker würde sie gerne machen.

Das ist die Idee, die auch Stephan Klug, Obermeister der Malerinnung, verfolgte: „Wir schließen hier keine Lehrverträge ab, sondern wollen die jungen Leute dafür gewinnen, Praktika bei uns zu machen, damit sie überhaupt erst mal Erfahrungen sammeln können.“ Der Stand war gut besucht „Wir hatten viele Lehrergespräche. Sie haben sich die Listen von Ausbildungsbetrieben im Kreis mitgenommen.“ Doch Klug sieht mit Sorge, dass der Hang zum Handwerk weniger wird. „Wenn die Jugendlichen zu Hause mehr handwerkern dürften, dann hätten sie mehr Selbstvertrauen und erkennen, was ihnen liegt.“

Claudia Meyer präsentierte für die Dr. von Morgenstern-Schulen verschiedene Ausbildungen: „Die Mädchen interessieren sich heute mehr für Bio- und Chemieberufe. Die Kosten für unsere Schulausbildung trägt das Land Niedersachsen zu zwei Dritteln.“ Claudia Meyer hatte noch eine Besonderheit parat: Sie bot Trainingsmodule für Schulen, damit Schüler lernen, sich besser bei den Firmen darstellen zu können.

Der 16-jährige Tommy Braun hatte seine Eltern mit dabei. Er interessierte sich für eine Industrie- und Metallbau Lehrstelle. „Ich würde dafür auch woanders hinziehen, mehrere Praktika habe ich schon gemacht.“

Robert und Ivonne Braun erfuhren aus der Zeitung von der Messe. „Sehr geballt ist die Information hier, man braucht doch ein Grundwissen, was es an Ausbildungsstellen gibt“, fasste Ivonne Braun zusammen.

Für Harry Brot aus Soltau zeigte Michael Voigt die Chancen für Ausbildungen in Mechatronik und Lebensmitteltechnik. Viele Betriebe hatten ihre Auszubildenden mit auf die Messe genommen. „Uns Jugendlichen fällt das Reden untereinander einfach leichter“, begründete Rabea Zink. Sie hat gerade ihr Duales Studium bei Focke & Co in Verden begonnen.

Mit ihren Standkollegen zog sie ein positives Fazit der ersten „Work + Life“. „Was den Jugendlichen fehlt, muss man nicht bemängeln, sondern ihnen helfen, das nachzuholen“, ist die Erkenntnis der Messe. 

cc

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