1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz

Worch macht mobil

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Christian Worch (braune Jacke) bei der Demonstration am 23. März in Weyhe. ·
Christian Worch (braune Jacke) bei der Demonstration am 23. März in Weyhe. · © Foto: Sigi Schritt

Weyhe - Von Anke Seidel. Er gilt als führender Kopf der Neonazi-Szene in Deutschland, saß mehrfach in Haft und hält sich selbst für einen „geborenen Krieger“: Christian Worch hat in Weyhe und Umgebung Handzettel verteilen lassen.

Gestern Morgen meldeten sich mehrere Empfänger besorgt bei der Polizei. „Wir gehen von einer großflächigen Verteilung aus“, erklärte Polizei-Pressesprecher Andrik Hackmann auf Anfrage.

Als Verantwortlicher der „Bürgerinitiative gegen das politisch korrekte Wegschauen“ firmiert Worch auf dem Flugblatt – und nicht als Bundesvorsitzender der Partei „Die Rechte“, die am Sonnabend um 12 Uhr auf dem Kirchweyher Bahnhofsplatz erneut demonstrieren will: Für die Umbenennung des Bahnhofsplatzes in Daniel-Siefert-Platz. „Eine Online-Petition für die Umbenennung und die Errichtung eines würdigen Mahnmals ist eingeleitet. Bitte beteiligen Sie sich daran“, wirbt Worch um Unterstützung aus dem bürgerlichen Lager.

Pastor Holger Tietz, Vorsitzender am „Runden Tisch gegen Rechts – für Integration“ lässt sich davon nicht beeindrucken: „Sehr geschickt, sich einen demokratischen Anstrich zu geben. Sie versuchen, Betroffenheit bei den Leuten zu erzeugen und daraus ihr Süppchen zu kochen...“

Und Mitstreiter aus dem bürgerlichen Lager zu werben: Angeblich seien während der Demonstration am 23. März, als knapp hundert Rechte am Kirchweyher Rathaus demonstrierten, „etliche Bürger“ nicht durchgelassen worden. Die „Bürgerinitiative“ zitiert nicht nur die im Grundgesetz verankerte „allgemeine Handlungsfreiheit“ und die „Freiheit der Teilnahme an einer Demonstration“, sondern veröffentlicht vorsorglich sogar zwei Handy-Nummern als direkten Draht – darunter die von Worch.

„Dass man der Polizei unterstellt, sie würde Bürger nicht durchlassen, ist schon ziemlich kurios“, so Pastor Tietz. Der Vorsitzende des Runden Tisches wertete genau das als Enttäuschung der „Rechten“ darüber, dass seinerzeit nicht mehr Leute zu ihrer Demo gekommen waren.

Knapp hundert Demonstranten aus dem rechten Lager – andererseits rund 800 Bürger für ein „buntes Weyhe“: Mit einer solchen Konstellation wie am 23. März rechnet Anke Klein, Öffentlichkeitsbeauftragte des Niedersächsischen Verfassungsschutzes, für den kommenden Sonnabend. Denn unter dem Motto „Weyhe ist bunt, nicht braun“ haben auch die Weyher Ratsparteien für 12 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Bahnhofsplatz aufgerufen.

„Für genaue Prognosen ist es aber noch zu früh“, so die Öffentlichkeitsbeauftragte. Sie bezeichnet den 57-jährigen Worch als „schillernde Persönlichkeit“ der rechten Szene.

Das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ charakterisiert Worch als „rechtsextremen Überzeugungstäter“, der wegen Volksverhetzung, Aufstachelung zum Rassenhass und Verunglimpfung verurteilt sei.

Ihm zur Seite steht offensichtlich ein Verdener, der mehrere Jahre für die NPD im dortigen Stadt- und im Kreistag saß: Rigolf Hennig zeichnet zumindest verantwortlich für das Hochglanz--Flugblatt, das Bürger aus Weyhe und Umgebung ebenso in ihren Briefkästen fanden. „Gegen den Kirchweyher Wahnwitz – für Meinungsfreiheit“ ist darauf zu lesen, darüber eine Traueranzeige für den 25-jährigen Daniel Siefert, das Opfer des brutalen Streits am 10. März auf dem Kirchweyher Bahnhofsplatz.

Derweil kündigt die „Bürgerinitiative“ von Worch bereits an: Sollte der Rat der Gemeinde Weyhe auf die Online-Petition zur Umbenennung des Platzes nicht reagieren, „ist ein Bürgerbegehren mit anschließendem Bürgerentscheid geplant. Auch dies werden wir erforderlichenfalls mit weiteren Demonstrationen begleiten.“

Genau deshalb hofft Holger Tietz, dass möglichst viele Weyher Bürger am Sonnabend wieder Flagge für eine bunte Gemeinde zeigen.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion