Premiere am Freitagabend

Weyher Theater modernisiert Klassiker

Die von Operntenor Schöller geführte Pension (Joachim Börker) hältPhilipp Klapproth (Frank Pinkus, M.) wegen der vielen skurrilen Gäste für ein Irrenhaus. - Foto: Ehlers

Weyhe - Von Dagmar Voss. Das sorgte tatsächlich für Nachtränen: der Sprachfehner von Eugen Schönner bei seinen Versuchen, Schinners Wannenstein zu rezitieren. Oder auch Hamnet mit Ophenia – ganz zu schweigen von der Fniege im Hans, die Eugen verschnuckt hat.

Diese Schnurre – glänzend trocken-humorig gespielt von Kay Kruppa – ist eine der vielen Zutaten, die das neue Stück „Pension Schöller“ im Weyher Theater am Freitagabend zu einem Erfolg gemacht hat und lautstarke Beifallsstürme hervorrief.

Der Schwank von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs, uraufgeführt im Jahre 1890, hatte es schon vielen Bühnen angetan. Da stecken etliche Variationsmöglichkeiten drin, die auch Frank Pinkus und das Weyher Boulevardtheater in einigen Formen ausbauten – oder auch konzentrierten. Denn aus dem ursprünglichen Konzept verschwand manche Person, was der Aufführung aber keinen Abbruch tat. So gelang ihnen das Spiel mit amüsantem Witz und komischem Klamauk – zwischen schrägen Gesangszugaben und drolligen Einlagen.

Wer es noch nie im Fernsehen erlebt hat, für den kurz, was sich da in der gelungenen Kulisse eines Salons der vorletzten Jahrhundertwende abspielt: Die Pension Schöller, eine eher solide Unterkunft für Touristen und vom Operntenor Schöller (Joachim Börker) geführt, wandelt sich in ein imaginäres Irrenhaus. Denn Philipp Klapproth (Frank Pinkus) kommt zu Besuch, der Onkel von Ida (Sarah Kluge) und Geldgeber ihres Schauspielunterrichts. Da er ein paar weitere Monate zahlen soll, auf der Suche nach Abenteuer und Unterhaltung ist, kommt Ida auf die Idee, die Pension als Anstalt zu „verkaufen“, bei der ihr Onkel mal eine Soirée erleben kann. Und da geht’s los, denn schließlich haben die normalen Pensionsgäste halt so ihre Macken. Unter der Bezeichnung „Verrückte“ betrachtet, gelingt diese Täuschung nicht schlecht, darin liegt die häufige Situationskomik des Plots.

Wer „Irre“ argwöhnt, dem kommen etwas exzentrische Pensionsgäste sämtlich so vor. Klapproths Kommentar: „Wo es bei den anderen fehlt, wissen diese Irren alle.“ Ist Fritz Bernhardy (Marco Linke) wirklich ein Großwildjäger und schon öfter auf Löwenjagd gewesen? Ist Josephine Krüger (Isolde Beilé) tatsächlich eine Schriftstellerin? Und Major Gröbers (Carsten Steuwer) Ausraster, sind die wirklich dem Militär geschuldet? Was veranlasst Amalie Schöller (Lisette Groot), Mutter von Eugen und Schwester von Schöller senior zu ihrer wahnhaften Männerjagd? Will Banker Eugen (Kruppa) ernsthaft Schauspieler werden, obwohl er das „l“ nicht sprechen kann? „Wie er das so lange durchhalten kann, einfach bewundernswert“, waren sich Gäste wie das Ehepaar Oldenburg aus Schwarme einig.

Diese Komödie ist inzwischen ein absoluter Klassiker. Frank Pinkus hat das Stück sorgfältig bearbeitet, um so den nostalgischen Charme zu bewahren, gleichzeitig aber dem schnellen Komödienstil des Weyher Ensembles gerecht zu werden. Der immer wieder aufflackernde Beifall während der Aufführung und der lang anhaltende Applaus am Schluss gaben ihm Recht.

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