Fahrradtour auf den Spuren von Weyher Frauen

Von wenig omahaften Omas und steinreichen Adelsdamen

Dora Dörgeloh führte nach dem Tod ihres Mannes (1932) das Gasthaus Tietjen-Dörgeloh und den im Haus befindlichen Laden allein weiter – bis zu ihrem Tod am 12. September 1970. Ihre Tochter Marga und deren Ehemann Hermann Potthast betrieben Gastwirtschaft und Laden nur noch bis zum 1. November 1971. - Repros hg

Weyhe - Von Philipp Köster. Befragt nach „berühmten“ Weyher Frauen, fällt vielen sicher Louise Ebert ein, die aus Melchiorshausen stammende Frau des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Im gleichnamigen Frauenzentrum ist ihr Name noch heute gegenwärtig.

Und sonst? Gibt es noch viele andere spannende weibliche Gestalten. Archivar Hermann Greve hat sich mal wieder in alte Akten verkrochen und dabei viele spannende Erkenntnisse gewonnen, zum Beispiel über die Leinen-Händlerinnen, die im 19. Jahrhundert in allen Ortsteilen der heutigen Gemeinde tätig waren. 

Dieses zum Teil verloren gegangene Wissen sowie in Buchform vorliegende Forschungen von Greves Frau Gabriele Wiechert (früher Ullrich) über Weyher Frauenbiografien fließt ein in eine sogenannte Fahrradlesetour mit dem Ehepaar am Sonnabend, 27. August, um 14 Uhr.

Die Teilnehmer können sich bei der vierstündigen und 20 Kilometer langen Fahrt in der Gemeinde auf Spurensuche nach der Geschichte von Weyher Frauen machen. Die Gleichstellungsbeauftragte Christina Scheele hat aus dem Landes-Förderprogramm „älter. bunter. weiblicher“ Mittel für das Projekt eingeworben.

Da wäre zum Beispiel das alte Gut in Sudweyhe. Es gehörte Mitte des 18. Jahrhunderts der Adligen Marianne Hyppolithe von Schwicheldt. „Das war eine der reichsten Frauen im gesamten damaligen Kurfürstentum Hannover“, sagt der Historiker Greve. Sie heiratete später einen ebenso vermögenden Mann, der Kriegsminister wurde. „Sie hielt regelrecht Hof und führte immer einen Tross Lakaien mit.“ 

Weyhe sei damals ein richtiges „Adelsnest“ gewesen. Von Marianne Hyppolithe von Schwicheldt wissen wir dank Charlotte von Einem, ebenfalls aus sehr gutem Hause stammend. Sie brachte ihre Erinnerungen zu Papier und ließ dabei auch die Erlebnisse des Siebenjährigen Krieges mit einfließen.

Doch die Historie Weyher Frauen ist nicht auf das Anlegen von Barockgärten und französische Hausdamen beschränkt. Die Fahrradtour spürt zum Beispiel auch den Leinenproduzentinnen und -händlerinnen nach, deren Ware die US-amerikanischen Sklaven einkleidete. Ganze Familien verarbeiteten den selbst angebauten Flachs, um ihn zu Leinen zu weben. Die Frauen zogen dann über Land und verkauften die Produkte, zum Beispiel an Großhändler.

Eine weitere Station ist die ehemalige Kneipe Tietjen- Dörgeloh in Sudweyhe. Hermann Greve hat noch selbst Kindheitserinnerungen an „Oma Dörgeloh“, eine vom Leben gestählte Witwe, die „nichts wirklich Omahaftes hatte“, sondern eher wie eine Statue Ehrfurcht und Respekt einflößte. „Als sie nicht mehr konnte, durfte ich in den Keller und Essig und Dunkelbier holen.“ Die urige Kneipe, die Dora Dörgeloh betrieb, war Gründungsstätte des TuS Sudweyhe, auch der örtliche Kriegerverein tagte dort. Die Gaststätte bestand bis in den Anfang der 1970er-Jahre.

• Die Fahrradlesetour beginnt bei der Felicianuskirche. Die Teilnahme kostet fünf Euro (ermäßigt: drei Euro). Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Mehr zum Thema:

500 Zivilisten in Aleppo getötet

500 Zivilisten in Aleppo getötet

Grundschule Horstedt feiert Geburtstag

Grundschule Horstedt feiert Geburtstag

Nikolaus im Kindergarten Stuckenborstel

Nikolaus im Kindergarten Stuckenborstel

Werder-Training am Donnerstag

Werder-Training am Donnerstag

Meistgelesene Artikel

Nordwohlder Weihnachtsmarkt kommt gut an

Nordwohlder Weihnachtsmarkt kommt gut an

Maurer finden Schatz

Maurer finden Schatz

Weihnachstmärkte am 3. Advent 

Weihnachstmärkte am 3. Advent 

Pendelverkehr mit Schienenbus als Bürgerbahn?

Pendelverkehr mit Schienenbus als Bürgerbahn?

Kommentare