Schuldnerberater: Fallaufkommen in der Wesergemeinde gestiegen

Verschuldungshöhe in Weyhe „im Schnitt bei 45 .500 Euro“

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Alexander Kieseljow ist jeden Donnerstag zu Gast im Weyher Rathaus und berät Schuldner kostenlos.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Hohe Handyrechnungen, Mahnungen von Versandhäusern und Ebbe auf dem Konto – wenn die Schuldenfalle zuschnappt, hilft oftmals nur noch der Weg zum Schuldner- und Insolvenzberater. Einer von ihnen ist Alexander Kieseljow. Regelmäßig bietet der Jurist im Weyher Rathaus Sprechstunden an. „Die sind allesamt kostenlos“, sagt er. Und seine Hilfe wird offenbar dringend benötigt. „Im vergangenen Jahr hat sich die Anzahl der Beratungsfälle um 33 auf 187 erhöht.“

Kieseljow ist für die Sulinger Beratungsstelle der Schuldnerhilfe in Niedersachsen im Einsatz. Der Verein hat im vergangenen Jahr im Landkreis 1 792 Fälle gezählt. Die durchschnittliche Verschuldungshöhe der Haushalte im Kreis lag bei 35. 000 Euro – in Weyhe war die Summe erheblich höher. „Es sind 45. 500 Euro“, sagt der Jurist. Bei Rentnern sei der Anteil mit rund 10 Prozent der Beratungsfälle zwar noch konstant geblieben, es zeichne sich aber bereits ein Anstieg des Verschuldungsgrades ab. „Rentner suchen eine Beratung leider erst dann auf, wenn kaum noch Verfügungen auf dem Konto möglich sind und fortlaufende Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können.“ Verschuldensursachen sind Arbeitslosigkeit mit 46 Prozent, eine Ehescheidung/Trennung mit 21 Prozent, unwirtschaftliche Lebensführung mit 14 Prozent, Unfall, Krankheit und Sucht mit 12 Prozent und Straffälligkeit mit 6 Prozent.

Viele haben kein Gespür fürs Geld

Der Jurist sieht es als gesellschaftliches Problem an, dass viele Bürger es nicht gelernt haben, mit Geld umzugehen. Er kennt das Jammern einiger Schuldner, dass sie über zuwenig Einkommen verfügen. „Doch selbst wenn diese im Lotto gewinnen oder einen fünfstelligen Betrag monatlich zur Verfügung hätten, würde es am Ende nicht reichen.“ Er habe beobachtet, dass viele kein Gespür fürs Geld, speziell für Einnahmen und Ausgaben hätten. Deshalb gerate irgendwann das Konto in eine Schieflage, die so groß sei, dass manchmal nur ein Insolvenzverfahren helfen könne. Er berichtete in diesem Zusammenhang von einer Familie, bei der nacheinander erst die Großmutter, dann die Mutter und später auch die Enkelin seine Hilfe benötigte.

„Rücklagen sind besser als Kleinkredite“

„Es wäre schön, wenn bereits in der Schule mehr dafür getan wird, den Umgang mit dem Geld zu erklären.“ Um die Finanzen in Ordnung zu bringen, gebe es einen ganzen Maßnahmenkatalog. Der Fachmann rät, sämtliche Verträge insbesondere die für die Kommunikation zu überprüfen. „Wenn eine Familie zehn Prozent ihres Gesamteinkommens für Provider ausgibt, ist das zuviel.“ Außerdem sollte man alle Einnahmen ermitteln und auch die Ausgaben. „Dann kann man schauen, ob alle Versicherungen notwendig sind. “ Wenn das alte Handy nicht kaputt ist, muss es auch nicht vom neuesten Modell abgelöst werden. Wer seine Haushaltsplanung in den Griff bekommt, nur mit Bargeld statt mit einer Karte zahlt, kann es sogar schaffen, beispielsweise 50 bis 100 Euro je Monat für eine Rücklage zu sparen. „Rücklagen sind besser als Kleinkredite“, so Kieseljow.

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