Felicianusgemeinde feiert 10. Geburtstag ihrer Kuhnorgel mit Festkonzert

Unverstaubte Königin aus richtig gutem Eichenholz

Anke Duwe, Gudrun Ibrom, Hannelore Leifeld und Inge Ahrens (v.l.) erinnern an die vielen Aktionen, bei denen die Gemeinde Geld für die Kuhnorgel sammelte, etwa mit dem Verkauf eines Kochbuchs und von Kaffeebechern. - Foto: Ehlers

Kirchweyhe - Von Philipp Köster. Ihre Vorgängerin aus dem Jahr 1864 war aus „gutem Tannenholz“, wie es in den Chroniken zur Felicianuskirche heißt. Doch weil das Tannenholz nicht so gut war wie versprochen, beziehungsweise weil Tannenholz gar nicht für den Orgelbau geeignet ist, sondern man am besten Eiche nimmt, musste eine neue her.

1994 fasste die Kirchengemeinde den Beschluss, eine Orgel anzuschaffen. 1997 nahm ein Orgelbauverein seine Arbeit auf, zehn Jahre dauerte es, dass die Kirchweyher genügend Geld zusammenhatten. Und eine Dekade ist die Königin der Instrumente nun schon in Betrieb. Am Sonntag um 16 Uhr feiert die Gemeinde den zehnten Geburtstag ihrer Kuhnorgel mit einem Konzert. Der Eintritt ist frei.

Eine Restaurierung des alten Tannenmodells wäre zu teuer gewesen, davon rieten die Sachverständigen in den 1990er-Jahren ab. Nicht nur das Holz war schimmelig, „auch die Pfeifen waren schadhaft“, erinnert sich Inge Ahrens, die damals mit dabei war. Die Verantwortlichen wollten etwas „richtig Gutes“ haben, an denen sich noch viele Generationen erfreuen.

Solistin Sigrun Schulz (l.) und Kantorin Elisabeth Geppert spielen am Sonntag beim Geburtstagskonzert. - Foto: Ehlers

Also tourte der Verein mit Kantorin Elisabeth Geppert durch die Lande. Die Wahl fiel schließlich auf Exemplare der Schweizer Firma Kuhn. War die Orgel im Mindener Dom vielleicht ein wenig zu groß, sagte den Kirchweyhern das Instrument der katholischen Herz-Jesu-Kirche in Lübeck zu. So eine sollte es auch in Weyhe sein.

Haben wollen ist das eine, bezahlen können das andere: 460.000 Euro sollte die Kuhnorgel kosten, 300.000 Euro musste die Kirchengemeinde selbst aufbringen. Eine Zeit des eichhörnchenhaften Sammelns begann. Ein Kochbuch in einer Auflage von 5.000 Stück, der sogenannte Kirchweyher Küchenkanon, Spenden von Firmen und Bürgern, Konzertsammlungen, Zuwendungen nach Geburtstagen und Jubiläen – es kam nach und nach das notwendige Geld zusammen, „sogar von Menschen, von denen wir es nicht gedacht hätten“, erinnert sich Gudrun Ibrom.

Im Frühjahr 2006 war es so weit: Die Schweizer Orgelbauer vom Zürichsee machten sich an ihr vier Wochen dauerndes Werk. „Wir versorgten die Arbeiter mit Kuchen und Kaffee – es war eine tolle Zeit“, sagt Hannelore Leifeld. Ihr unvergessen auch die stimmungsvolle Andacht, die Pastorin Dagmar Brusermann mitten in der Baustelle hielt, denn in die hatte sich die Kirche verwandelt, allein 1 358 Pfeifen lagen im Gotteshaus herum. Ebenso lange wie das Aufbauen dauerte das Einstimmen: vier Wochen. Der dafür zuständige Mitarbeiter musste „danach erstmal 14 Tage in den Wald, um sich seine Ohren erholen zu lassen“, weiß Gudrun Ibrom noch zu berichten.

Einmal im Jahr muss ein italienischer Mitarbeiter die Orgel warten, die Pfeifen grob abstauben, das Instrument stimmen oder auch mal einen toten Vogel aus dem Prospekt holen.

Für Organistin Geppert hat sich jeder Cent der Anschaffung gelohnt. Mit den 19 Registern lassen sich ihr zufolge verschiedene Stilepochen musikalisch darstellen, so auch Barock und Romantik. Davon, aber auch von den Möglichkeiten moderne Genres wie Jazz und Gospel zu spielen, können sich die Gäste des Konzerts überzeugen. Elisabeth Geppert und Solistin Sigrun Busch an der Querflöte spielen Werke von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Christofer Norton, John Rutter und Robert Jones. „Der hat ganz witzige Stücke für die Orgel geschrieben“, sagt Geppert voller Vorfreude. Unter anderem mit seinen Werken will sie zeigen, „dass die Orgel kein verstaubtes Instrument ist“.

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