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1000 Menschen demonstrieren eindrucksvoll: Weyhe ist bunt

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Rund 1 000 Menschen haben in Weyhe ein eindrucksvolles Zeichen gegen Gewalt und für Toleranz gesetzt: „Weyhe ist bunt!“ © Mediengruppe Kreiszeitung / Heinfried Husmann

Weyhe - von Anke Seidel. Rund 1 000 Menschen haben in Weyhe ein eindrucksvolles Zeichen gegen Gewalt und für Toleranz gesetzt: „Weyhe ist bunt!“ zeigten sie mit bunten Papierbögen. Dem rechten Spektrum ließen die Bürger keinen Raum – im Wortsinn.

Denn die Demonstration der Partei „Die Rechte“ war auf den zwei Kilometer entfernten Rathausplatz verlegt worden. Dort versammelten sich knapp 80 Sympathisanten.

Derweil zeigte sich Bürgermeister Frank Lemmermann am Bahnhof beeindruckt von der großen Bürger-Präsenz – und freute sich ebenso über die Solidarität seiner Bürgermeister-Kollegen aus dem Landkreis sowie der Abgeordneten aus Bund-, Land- und Kreistag. Dass zur mittlerweile vierten Trauerkundgebung für Daniel S. wieder ein Meer von Menschen erschienen war, wertete Lemmermann als Bestätigung: „Dies ist der richtige Weg, um mit der Trauer umzugehen!“

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Für Landrat Cord Bockhop stand fest: „Daniel ist einer grausamen und heimtückischen Tat zum Opfer gefallen. Wir trauern zusammen mit seiner Familie.“ Er sei wütend über die Tat, sagte Bockhop. Denn als Streitschlichter habe Daniel vorbildlich gehandelt, deswegen sei er am Ende gestorben. Aber Daniel habe sich entschieden, „dass er nicht untätig bleiben kann. Nicht untätig bleiben darf!“, erklärte der Landrat und betonte unter großem Beifall aus der Menge: „Das macht ihn für mich zum Vorbild. Das macht ihn für uns alle zum Vorbild!“

Deshalb habe es der 25-Jährige nicht verdient, für dieses vorbildliche Verhalten vor den Karren von Extremisten und Radikalen gespannt zu werden. Das Meer der bunten Papierbögen leuchtete auf, als der Landrat unmissverständlich erklärte: „Die Menschenwürde ist nicht teilbar! Weder religiöse Fanatiker noch rechtsradikale Ideologen haben Platz in der Gemeinde Weyhe, in unserem Landkreis, in unserem Land!“

Die gerichtliche Aufhebung des Versammlungsverbots für „Die Rechte“ sei bedauerlich, aber in einem Rechtsstaat zu akzeptieren. Eine dicke Lanze brach Bockhop für die Polizei, deren gesetzliche Aufgabe die Sicherung der Zusammenkunft der Rechten war. Das Verwaltungsgericht hatte bei der Genehmigung mit dem „hohen Gut der Versammlungsfreiheit“ argumentiert. Die Polizei schütze den Rechtsstaat, erklärte Bockhop, und appellierte an die Bürger: „Es ist an uns, diesen Rechtsstaat zu leben!“

Pastor Albert Gerling-Jacobi unterstrich noch einmal das Mitgefühl mit der Familie von Daniel und den brennenden Wunsch, ein deutliches Zeichen gegen Gewalt zu setzen: „Wir wollen das nicht! Wir wollen keine Gewalt – nicht hier in Weyhe und auch an keinem anderen Ort!“ Eine Welle der Empörung brandete auf, als Gerling-Jacobi aus einem der ungezählten Hass-Schriften zitierte. Darin sei der Kirche und ihren Pastoren „das gleiche Schicksal wie Daniel“ gewünscht worden. Der Tod des 25-Jährigen werde missbraucht, um Hass zu säen und den Rechtsstaat zu untergraben, mahnte Gerling-Jacobi. Er appellierte an alle Bürger, wachsam zu sein und sich einzusetzen für „ein Leben ohne Gewalt, für die Demokratie und für die Zukunft unserer Kinder!“

1000 Menschen demonstrieren eindrucksvoll: Weyhe ist bunt

Bei eisigem Wind harrten die Bürger am Bahnhof aus, bis Frank Lemmermann die Kundgebung beendete und den Bürgern mit auf den Heimweg gab: „Lassen Sie sich nicht provozieren!“ Tatsächlich blieb es ruhig – und auch bei der Zusammenkunft der Rechten mit knapp 80 Teilnehmern auf dem Rathausplatz weitgehend friedlich. Sie wurde von einem Großaufgebot der Polizei abgeriegelt, ebenso der Demonstrationsmarsch. Grölend Parolen skandierend, zogen die Rechten unter Polizeischutz durch einen Teil von Leeste.

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