Im Kreis sowie in Stuhr und Weyhe steigt die Zahl der Anträge auf kleine Waffenscheine rasant

Sicherheitsgefühl contra Gefahr einer Eskalation

Weyhe - Mehrfach offene Gartenpforten, die sie nicht offengelassen hatten und ein angeblicher Teppichverkäufer an der Haustür – das waren die jüngsten Anlässe, warum Stefanie und Mark Bredemeyer aus Weyhe-Melchiorshausen ein schon länger geplantes Vorhaben in die Tat umsetzten: Sie beantragten bei der Gemeinde jeder für sich einen sogenannten kleinen Waffenschein. Damit sind sie nicht allein. Die Ausstellungszahlen in Weyhe und Stuhr, aber auch im gesamten Landkreis schnellen seit diesem Jahr in die Höhe. Zum Missfallen der Behörden.

Familie Bredemeyer wohnt am Rand der Gemeinde „in der Pampa“, wie es die 37-jährige Mutter zweier Kinder selbst formuliert. Wenn sie im Herbst und Winter abends mit dem Hund rausgeht, beschleicht sie das mulmige Gefühl, das viele Frauen haben, die allein im Dunkeln unterwegs sind.

Sie und ihr Mann trugen sich schon länger mit dem Gedanken, den Waffenschein zu beantragen, und zwar so lange es noch recht einfach geht. „Wir haben aber gar keine Gaspistole“, betont Stefanie Bredemeyer. Und mit ebensolchem Nachdruck unterstreicht sie: „Es geht uns auch nicht um das Thema Flüchtlinge.“ Wenn sich die Bredemeyers aber irgendwann einmal dafür entscheiden, eine Gaspistole zu kaufen, dürfen sie nach geltendem Recht ihr Grundstück erst dann mit der Waffe verlassen, wenn sie besagten Schein haben.

Eine dreiviertel Stunde habe eine Rathausmitarbeiterin mit ihr über das Ansinnen gesprochen. Und dabei auch immer auf das Thema Migration und Flüchtlinge verwiesen, worum es der Antragstellerin aber nicht gegangen sei. „Das war schon bizarr. Ich habe mich ein bisschen gefühlt wie eine Kriminelle“, sagt die Melchiorshauserin. Die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes habe ihr geraten, lieber einen Selbstverteidigungskurs zu besuchen und sich beim Thema Einbruchsschutz an die Polizei zu wenden, die eine kostenlose Vor-Ort-Beratung anbietet.

Detlef Plate vom Weyher Ordnungsamt vermutet, die deutlich gestiegene Zahl von 16 Anträgen in diesem Jahr (siehe Kasten) hänge mit einer Veränderung des Sicherheitsgefühls zusammen. Objektiv habe sich die Sicherheitslage im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Weyhe/Stuhr dagegen nach den letzten verfügbaren Zahlen verbessert.

„Grundsätzlich wird von einem Mitführen von Waffen oder Abwehrgeräten abgeraten, weil die Erfahrung zeigt, dass dadurch die Gewaltbereitschaft und Aggressivität potenzieller Täter häufig nicht vermindert, sondern sogar noch gesteigert wird“, sagt Plate.

Ähnlich Alfred Domröse, stellvertretender Fachdienstleiter Ordnung und Soziales beim Landkreis, der in den Beratungsgesprächen einen möglichen Konfrontationsfall vor Augen führt: „Bei einem schwer Bewaffneten sitzt schnell der Finger locker, wenn der die Gaspistole sieht. Das ist für den nur Spielzeug.“

Die Beweggründe und das Alter der Antragsteller sind Domröse zufolge unterschiedlich. Im Hintergrund stehe oft ein allgemeines Gefühl von Unsicherheit und Bedrohung. Den signifikanten Anstieg der Anträge in diesem Jahr führt er unter anderem auf die Silvester-Ereignisse von Köln zurück.

Zu ihm kämen Hundebesitzer, aber auch Leute, die vor dem Wolf Angst hätten, ebenso wie ältere Damen. Dann stelle sich jedoch die Frage nach der körperlichen Eignung, eine Waffe zu führen. Es gebe Überlegungen, auch darauf verstärkt zu achten und nicht nur, ob jemand unbescholten ist und keinen Eintrag im Bundeszentralregister hat, sagt Landkreismitarbeiter Domröse.

Ebenso trage sich der Landkreis mit dem Gedanken, die turnusgemäße Überprüfung der Waffenscheinbesitzer alle drei Jahre mit einer Verwaltungsgebühr zu belegen. „Das schreckt dann wieder viele Leute ab.“ Der kleine Waffenschein selbst kostet 50 Euro.

Von Philipp Köster

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