Neue Krippengruppe muss her 

98 Prozent Bedarf: Sättigung nur bei Kigakindern erreicht

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In der Förderschule laufen die Restarbeiten für die Einrichtung zweier Kitagruppen. Die Spielgeräte stehen schon. 

Weyhe - Von Philipp Köster. Die Gemeinde muss eine weitere Krippengruppe einrichten, um dem Betreuungsbedarf bei den Ein- bis Dreijährigen Herr zu werden. Das ist das Ergebnis der Abfrage unter Weyher Eltern, die das Bremer Stadtentwicklungsbüro „Forum“ für das Kindergartenjahr 2017/18 angestrengt und am Mittwoch dem Fachausschuss vorgestellt hat. Doch damit nicht genug: Weil die Gemeinde voraussichtlich nur ein Jahr lang die Förderschule des Landkreises in Melchiorshausen für eine Krippen- sowie eine Kindergartengruppe nutzen darf, muss sie sich alsbald über Alternativen Gedanken machen.

Zum fünften Mal hatte die Verwaltung die Regionalplaner von „Forum“ beauftragt. „Wir sind in der Vergangenheit immer gut damit gefahren“, verwies Bürgermeister Andreas Bovenschulte auf belastbare Zahlen der Bedarfsabfrage für die kommunale Planung.

„Forums“-Mitarbeiter Klaus-Martin Hesse lobte die Eltern für „ihre tolle Beteiligung“. 66,3 Prozent Rücklaufquote seien „absolut ungewöhnlich. Das ist mir noch nie untergekommen“. Je jünger die Kinder, desto größer der Rücklauf: 77 Prozent bei den Einjährigen. „Das ist richtig, richtig gut.“

Bei der Fortschreibung der Kinderzahlen deute sich bei den Kleinen bis zwei Jahren ein erreichtes Maximum an, während die Zahl der älteren von drei bis fünf Jahren eher noch steigen werde. Effekte gegebenenfalls wieder anschwellender Flüchtlingsströme seien aber nicht berücksichtigt. Während die Bedarfsquote im Kindergartenbereich mit 98 Prozent am Rand der Sättigung angelangt sei, gebe es im U 3-Sektor im Vergleich zu 2014, der letzten vom Rücklauf her vergleichbaren Bedarfsprognose, einen abermaligen Anstieg des Bedarfs, vor allem ab dem 12. Lebensmonat und dann wieder zwischen dem 20. und 25. Monat.

Aus den Zahlen ergibt sich laut Hesse unter Berücksichtigung von weiteren Faktoren zur Berechnungsmethodik im U 3-Bereich ein Platzbedarf von 319 bis 374 Kindern, die aber auch 45 bis 55 das erste Lebensjahr vollendende Lütte miteinbezieht. Demgegenüber gibt es Stand November, also mit der Eröffnung der Krippe in der Förderschule Melchiorshausen, 300 Plätze in Krippen plus 34 bei Tagesmüttern.

Im Alterspektum über drei Jahren hat Hesse einen Bedarf von 810 bis 835 Kindergartenplätzen ermittelt. Die Gemeinde hält 847 vor plus 19 in der Tagespflege.

Vermehrter Wunsch nach Frühbetreuung

Im U 3-Bereich gibt es einen vermehrten Wunsch nach Frühbetreuung, während der spätere Nachmittag nicht mehr so sehr nachgefragt werde. Ähnlich verhalte es sich bei den älteren Sprösslingen. Auch die Bitte um „klassische“ Betreuung von 8 bis 12 Uhr sei rückläufig.

Susanne Peters (CDU) regte an, zu prüfen, ob es analog zum Frühdienst in Kindergärten auch einen solchen in Grundschulen geben könne. Eine Mutter, die den Zug erreichen müsse, sollte die Gelegenheit haben, das Kind rechtzeitig ab 7 Uhr in der Schule abgeben zu können. Das beurteilte die Sudweyher Rektorin Ingrid Lühmann skeptisch: „Das Personal finden wir dafür nicht.“ Und die neue Grünen-Fraktionsvorsitzende Annika Bruck meinte, die Kinder könnten allein zur Schule, spätestens ab Klasse 3 und 4. Die Verwaltung will trotzdem die Einrichtung eines Frühdienstes prüfen und den Bedarf erheben.

Wiede zum eigentlichen Thema befand FDP-Chef Günther Borchers, es sei im Krippenbereich anhand der Zahlen kein akuter Handlungsbedarf nötig. Das sah Bürgermeister Bovenschulte anders: Die Gemeinde sei gut beraten, im Krippenbereich aufzustocken, um für Unvorhergesehens gewappnet zu sein. Vor zehn Jahren habe er auch nicht gedacht, dass der Wunsch nach Betreuung von 20 auf 70 Prozent bei den unter Dreijährigen steigen werde. „Womöglich liegt er in fünf Jahren bei 80 Prozent“, sagte der Verwaltungschef. Wenn es auch für den U 1-Bereich keinen Rechtsanspruch gebe, so doch oft die „soziale Notwendigkeit“ zum Beispiel elf Monate alte Kinder betreut zu bekommen. Im Kindergartenangebot „kommen wir nach menschlichem Ermessen hin“.

„15 Uhr ist das neue 12 Uhr“

Elternvertreter Nils Lange gab zu bedenken, dass der von den Eltern zuweilen geäußerte Wunsch nach Flexibilität bei den Zeiten in Beziehung zu setzen sei mit den damit verbundenen Kosten, die den Erziehungsberechtigten aufgebürdet würden. Er wolle diese Thema mit der Elternschaft diskutieren. Bovenschulte konstatierte: „15 Uhr ist das neue 12 Uhr.“ Es gebe keinen Anlass, die Betreuungszeiten immer weiter in den Nachmittag oder gar frühen Abend bis 18 Uhr auszuweiten. Ähnlich Hanne Roitsch-Schröder (Grüne): Es sei nicht wirtschaftlich, für zwei Kinder Zeiten bis 18 Uhr anzubieten, und schwierig, dafür überhaupt Personal zu finden.

Für Frank Seidel (SPD) ist es besser, bei der Planung auf Nummer sicher zu gehen als dass nachher Kinder „vor der Tür stehen“. Für Melchiorshausen müsse eine „kurze, schnelle Lösung“ her. Verwaltungsboss Bovenschulte erinnerte, dass vergangenes Jahr ein bisschen knapp geschätzt worden sei und warb für einen größeren Puffer. Die Verwaltung werde einen Plan erarbeiten, für die beiden Gruppen in der Förderschule, die am 7. November ihren Betrieb aufnehmen sollen, einen Ersatzort zu beschaffen. Ebenso soll eine weitere Krippengruppe aufgrund des Ergebnisses der Bedarfsprognose entstehen. Diese Konzepte würden dann nebst Mittelplanung der Politik vorgelegt.

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