Wirtschaftsförderer geht nach 30 Jahren in den Ruhestand

Professioneller „Kümmerer“ mit Herzblut und Leidenschaft

Dieter Helms mit dem Existenzgründerberater Frank Rönz (l.) vom „Bremer Senior Service“. - Archivfotos: Schritt

Weyhe - Von Philipp Köster. „Kommst du von hier?“ – „Ja.“ – „Sprichst du platt?“ – „Ich kann es verstehen.“ Als sich Dieter Helms vor 30 Jahren bei Gemeindedirektor Alfred Wetjen vorstellte, musste er im Wesentlichen nur diese zwei Bedingungen erfüllen, um die Stelle als Wirtschaftsförderer zu kriegen. Fachlich konnte Wetjen nicht ins Detail gehen. Denn diesen Posten gab es vorher nicht. Doch nach Syke wollte auch Weyhe einen hauptamtlichen „Kümmerer“ für die Gewerbetreibenden haben. Und Dieter Helms musste sich quasi selbst eine Arbeitsplatzbeschreibung schaffen. „Ich hatte keine Ahnung von dem Job.“ Nach 30 Jahren Pflichterfüllung voller „Herzblut“ geht er am 31. Dezember in den Ruhestand.

Freilich hatte der damals 33-Jährige gute Voraussetzungen, nicht nur, dass er Plattdüütsch verstand und als Jugendlicher von Riede nach Kirchweyhe gezogen war: Helms war studierter Wirtschaftswissenschaftler, hatte an der Uni Bremen bei Rudolf Hickel gelernt, Erfahrungen als EDV-Spezialist bei einem französisch-amerikanischen Konzern sowie beim Diakonischen Werk in Oldenburg gesammelt.

Seinen Laptop aus dem Jahr 1986 hat er nicht mehr. Aber die Tasche noch. Dieter Helms packt seine sieben Sachen hinein, denn am Dienstag hat er seinen Schreibtisch im Rathaus geräumt. - Foto: Ehlers

Doch nach einer Phase der Arbeitslosigkeit war Helms froh, dass ihn das Arbeitsamt nach Weyhe vermittelte. Mit seinem Toshiba-Laptop, dem ersten im Rathaus, trat er im September 1986 seinen Dienst an – und stellte sich kurze Zeit später den Gewerbetreibenden mit seinem Drei-Säulen-Konzept vor: Bestandspflege, Existenzgründung und Neuansiedlung waren die Eckpfeiler seiner Arbeit auch in den folgenden Jahren. Mit Erfolg: In seiner Ära hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Weyhe von 3 500 auf 6 500 fast verdoppelt. Kein Zweifel: Das ist auch den Rahmenbedingungen geschuldet, die sich mit dem Bau der Dreyer Südumgehung und dem verbesserten Anschluss an den Autobahnzubringer im Jahr 2010 signifikant verbesserten. Bereits 1986 gab es einen Flächennutzungsplan für das Gewerbegebiet Dreye West III, das „Mutterschiff“, wie es Helms nennt. Doch die damalige Landtagsabgeordnete Ilse Lübben machte dem Neuling wenig Hoffnung: „Dieter, der Plan ist für die Schublade“, habe sie ihm gesagt.

Es kam anders. Das Gewerbegebiet wurde projektiert, im Jahr 2000 siedelte sich mit der Firma Ecoma der erste Betrieb an. Und mit besagter Südumgehung mauserte sich Dreye West III zum Filetstück. „Innerhalb von drei Jahren ist es voll geworden“, erinnert sich Helms.

Vor fünf Jahren: Kuchen essen mit Andreas Bovenschulte (l.).

Mittlerweile kann der Wirtschaftsförderer der Nachfrage nach Gewerbeflächen nicht mehr Herr werden. Anders formuliert: „Die Zahl des Erwerbs weiterer Gewerbegrundstücke kann mit dem Verkaufserfolg nicht Schritt halten“, sagt Bürgermeister Andreas Bovenschulte. „Aber besser so als anders herum.“ Helms hinterlässt seinem Nachfolger Dennis Sander also ein bestelltes Feld, wenn er geht. „Ich war mit Herzblut Wirtschaftsförderer“, blickt er zurück. Umso mehr tat es ihm weh, als der Bürgermeisterkandidat Frank Lemmermann in seinem Wahlprogramm das Thema Wirtschaftsförderung zur Chefsache deklarierte. Später verstand er, dass der SPD-Politiker die Ansiedlung neuer Betriebe forcieren wollte. Unter dem Gespann Lemmermann / Bovenschulte an der Verwaltungsspitze wurde dann auch das ehemals läppische Budget der Wirtschaftsförderung verzehnfacht.

Der mehrfache Familienvater konnte sich mit viel Leidenschaft einer Sache widmen. Und zwar nicht nur beim Verkauf von Gewerbeflächen. Auch bei seinen anderen, zum Teil noch so unbedeutend erscheinenden Arbeitsfeldern gab der frühere Bezirksliga-Stürmer des TSV Weyhe-Lahausen, der die 100 Meter in 12,1 Sekunden sprinten konnte, Vollgas.

Unvergessen seine, man muss es so formulieren, Auftritte in der wöchentlichen Gemeindepressekonferenz. Den unscheinbarsten Energieberatertag zum Thema Heizungssanierung konnte er mit so viel Engagement ankündigen, dass daran der Klimawandel zu hängen schien. Und nimmermüde warnte er vor Betrügern, „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“, die arglose Unternehmer mit dubiosen Einträgen in Gewerbeverzeichnisse abzocken.

Für die Beratungsangebote im Rathaus mit Sprechstunden und Vorträgen griff er auf externe Fachleute zurück, beim Thema Energie sparen zum Beispiel aus dem von ihm mit begründeten Netzwerk Klimaschutz Weyhe plus oder von der Verbraucherzentrale Bremen. Für die Existenzgründerberatung holte er den „Bremer Senior Service“ ins Boot. Und auch die von Erwerbslosigkeit und Armut bedrohten Menschen lagen Helms am Herzen, indem er eine Kooperation mit der „Aktionsgemeinschaft arbeitsloser Bürger“ vereinbarte. Gästeführung und Tourismusförderung waren weitere Aufgaben, die er sehr erfolgreich anschob und begleitete.

Als Gästeführer will der Weyher auch weiterhin der Gemeinde verbunden bleiben. Zudem möchte Helms in der Existenzgründungsberatung Tipps geben, und wenn er von der Rathausspitze gelassen wird, sich des Problems annehmen, wie Flüchtlinge in Lohn und Brot gebracht werden können.

Nicht nur Dieter Helms’ Vater hatte sich semiprofessionell der Musik verschrieben. Auch der 63-Jährige spielt mit viel Leidenschaft Saxofon bei der legendären Swing-Combo und Schlagzeug beim Weyher Unterhaltungsensemble. In dieser Funktion wird er den Weyhern auch in Zukunft begegnen, wenn es die Gesundheit der Gattin und die eigene zulassen. Wanderungen und Ausflüge mit dem Elektro-Fahrrad stehen ebenfalls auf der „To-do-Liste“ des baldigen Rentners.

Bis Ende des Jahres hat Dieter Helms jetzt Urlaub. Drei Mal muss er noch ins Rathaus: Zum Treffen mit den Kollegen aus dem Landkreis, zur Gesellschafterversammlung der Mittelwesertouristik und zur offiziellen Verabschiedung. Weit hat er es nicht. Denn er kommt ja von hier.

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