„AufMUCKen gegen rechts“: Gemeinde setzt Zeichen gegen rechte Gewalt 

Musiker rappen gegen den Fremdenhass

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„Blowm & Maddin un de Maudefaades“ begeisteren die Zuschauer mit dem Song „Wat Mutt Dat Mutt“. 

Kirchweyhe - Von Maren Jensen. Mehr als 500 Musikfans haben am Sonnabend an der Aktion „AufMUCKen gegen rechts“ auf dem ehemaligen Areal der Diskothek Maddox teilgenommen. Die Musiker und Gäste setzten gemeinsam mit der Gemeinde und dem Aktionsbündnis ein unüberhörbares Zeichen gegen Fremdenhass.

Es war eine Premiere: Das vierte „StreetArt“-Festival der Gemeinde kooperierte in diesem Jahr mit einer kleineren Variante des „AufMUCKen gegen rechts“. Nach Workshops am Nachmittag rund um die Graffiti-Kunst und der sogenannten „Battle-Box“, bei der Künstler zu einem bestimmten Thema ein Bild erstellen, ging es am Abend musikalisch zu. Sechs Bands spielten jeweils zwischen 20 und 40 Minuten: Das Publikum hörte Hardcore, Punk, Soul und plattdeutschen Hip-Hop.

Laut gegen Faschismus

Den Anfang gestaltete die Bremer Band „Voidpack“. Es war ihr erster Auftritt als Band. „Und dann auf so einer tollen Veranstaltung“, schwärmt Sänger Sönke Gosselaar.

Die Band hatte sich im Dezember vergangenen Jahres gegründet. „Gerade jetzt ist es wichtig, gegen rechts aufzustehen. Ich finde es toll, dass uns hier Raum geboten wird, laut gegen den Faschismus anzugehen“, sagte der Sänger. Und laut war tatsächlich das richtige Stichwort für die Band. Mit harten Gitarrensound und schreiendem Gesang ließen sie das Publikum ordentlich mit den Köpfen mitgehen.

Nach ihnen wechselte sich der Musikstil schlagartig. Und damit auch das Publikum. Während bei Voidpack eher dunkle Gestalten mit grünen Irokesen und gepiercten Lippen zuhörten, kamen nur alternativ angehauchte Jugendliche mit Rasterzöpfen dazu.

Plattdeutscher Rap

Als zweite Band trat nämlich die plattdeutsche Hip-Hop-Formation „Blowm & Maddin un de Maudefaades“ auf und begeisterten die Zuschauer mit dem Song „Wat Mutt Dat Mutt“. Aber auch hochdeutsche Songs und Reggae gab die Band von sich. „Wenn wir in unserer Heimat Emden sind oder dort oben Auftritte haben, singen wir mehr Plattdeutsch. Hier singen wir auch etwas anderes, damit die Leute uns auch verstehen“, sagte Sänger Hendrik Bloem und schmunzelt. „Dass wir auf Plattdeutsch rappen, hat nichts mit Nationalismus zu tun. Wir könnten das auch auf Persisch machen, völlig egal. Wichtig ist nur, dass wir unsere Botschaft mit der Musik rüber bringen“, sagte er. Dem stimmt auch sein Bandkollege und Sänger Martin von Grün zu. „Man muss auch Stellung beziehen“, sagte der 27-Jährige.

Nach ihnen spielten noch die Bands Dare Deep, der kleine Bruder des Rapstars Flo Mega, Sébo und die Indie-Pop Band „Faakmarwin“, für die manche Gäste ganz aus Bremerhaven angereist waren. „Wir gehen auf fast alle Konzerte der Band“, sagte die 17-jährige Michelle Weczerek. Mit ihren beiden Freundinnen Jule Brinkmann (16) und Jade Wesphal (17) verbrachte sie den ganzen Tag in Weyhe, um die Jungs der Band um Alexander Skipka, Ole Janßen, Christoph Endrigkeit und Jannik Ost noch einmal nah erleben zu können.

Das Schlusslicht des Abends bildete der Musiker Stunnah, der bis etwa halb 11 die Bühne mit Deutschrap einnahm. Der Sänger spielte schon auf internationalen „Drum & Bass“-Events in vielen Ländern Europas. Nach ihm konnten die Jugendlichen den Abend gemeinsam ausklingen lassen und sich bei einem Bier die Kunstwerke des Tages ansehen.

Zeichen gegen Rechtsextremismus

Den Veranstaltern und Helfern war es vor allem wichtig, überhaupt erstmal ein Zeichen gegen rechts zu setzen. „Es bringt immer etwas, aufzustehen und sich zu zeigen. Leider ist nur in diesem Jahr weniger los als in den Jahren zuvor“, sagte Moderator Christian Pesch. Dies lag sicher an dem regnerischen Wetter, das immer mal wieder kräftige Schauer über die Zuschauer ergießen ließ.

Mehr als ein halbes Jahr lang hatte das Team um Organisator Robert Steinbicker (37) in Kooperation mit der Kulturbeauftragten Tina Fischer am Programm gefeilt.

Der hauptberuflich als Feuerwehrmann tätige Kirchweyher macht die gesamte Arbeit ehrenamtlich. „Musik ist Einstiegsgrund Nummer eins, um Jugendliche heran zu ziehen. Deswegen ist die Veranstaltung in diesem Jahr musikalischer als in den Jahren zuvor“, sagte Steinbicker.

Vor einigen Jahren kamen sogar rechtsextreme Jugendliche zur Veranstaltung und beleidigten die Zuschauer. „Zum Glück haben wir das nicht mehr. Die trauen sich nicht mehr her“, so Steinbicker.

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