Erster Polizeihauptkommissar geht in den Ruhestand

Mordfall in sechs Stunden gelöst

Der Polizei ein freundliches Gesicht geben. „Lächeln“ gehört dazu. Daran erinnert ein Schild, das der scheidende Chef des Weyher Polizeikommissariats ebenso einpackt wie seine Polizeijacken. - Fotos: Schritt

Leeste - Von Sigi Schritt. Nach fast 47 Dienstjahren im Staatsdienst räumt der Leiter des Weyher Polizeikommissariats Johann-Dieter Oldenburg seinen Schreibtisch: Am Monatsende verabschiedet sich der Erste Polizeihauptkommissar in den Ruhestand.

Tief in ihm stecke das „Helfer- und Kümmerer“-Gen, deshalb hätte er keinen anderen Job machen wollen. Das sei auch der Grund gewesen, weshalb er nicht schon im Alter von 62 Jahren in Rente gegangen ist, sondern freiwillig um ein Jahr verlängert hat.

Job mit Leib und Seele wahrgenommen

In den vier Jahrzehnten blieb Oldenburg immer ein Beamter „zum Anfassen“, der seinen Job, die Bürger zu schützen, mit Leib und Seele wahrgenommen hat. Sein Vorbild war der TV-Polizist Hartmann, der in den 1960er-Jahren auf Hamburgs Straßen auf dem Motorrad – also als „Weiße Maus“ – unterwegs war, um kleinen und großen Ganoven das Handwerk zu legen. „Die Serie heißt ‘Polizeifunk ruft’“. So stand für Oldenburg, geboren 1953 in Hoya, bereits in der siebten Klasse fest, dass er Beamter werden will. Dass er heute Harley Davidson fährt und gerne in den USA auf Tour ist, sei wohl kein Zufall, sagt Oldenburg augenzwinkernd.

Schlusssegen beim Blaulicht-Gottesdienst in der Marienkirche: Bürgermeister Andreas Bovenschulte und der Einsatz- und Streifendienstleiter Holger Baur umrahmen die neue PK-Leiterin Franziska Mehlan. - Foto: Yasmine Goldschmidt

Aufgewachsen in Schwarme schließt er nach der Hauptschule in Martfeld in Syke die zweijährige Handelsschule ab. Mit 17 tritt er in den Polizeidienst ein. Er grübelt, ob er der Herausforderung gewachsen ist, alte Betten in Acht-Mann-Zimmern, spakige Duschen im Keller und alte Waschtröge in der Polizeischule in Hann. Münden zu ertragen. Er beißt sich aber durch und lässt sich von Äußerlichkeiten nicht von seinem Traum abbringen. Es folgt eine Bilderbuchkarriere: Er kommt 1971 zur Bereitschaftspolizei. 1977 nimmt er in der Landeshauptstadt eine Ausbildung für den gehobenen Dienst an. Seine erste Führungsaufgabe erledigt er in Langenhagen. Seit 1981 arbeitet er in heimischen Gefilden – erst in Syke als Abteilungsleiter, ab 1984 als Chef der Polizeistation in Hoya. Dort klärt er beispielsweise einen Mordfall innerhalb von sechs Stunden auf. Für Oldenburg ist es wichtig, als „Oberster Sheriff“ nicht nur der Polizei ein Gesicht zu geben, sondern „auch für jeden Pups Ansprechpartner zu sein.“ Schnell gewinnt er in der Grafenstadt die Sympathien und erhält den Spitznamen „Graf von Hoya“. Die Bürger nehmen es ihm nicht krumm, als ein Staatsanwalt angeordnet hat, alle Häuser zu untersuchen, ob diese Abwässer in einen Graben einleiten. „Als wir mit dem grünen Bus ankamen, wussten die schon, was bevorsteht. Wir tranken erst gemeinsam Kaffee, dann dokumentieren wir Lage der Rohre.“

1993 übernimmt er erstmals den Posten des Einsatz- und Streifendienstleiters in Weyhe. Ab 2001 war Oldenburg Chef des Syker Kommissariats. Den Überfall einer Bank in Martfeld, verübt von einem Bremer Polizisten mit Spielschulden, konnte er und sein Team zusammen mit Beamten aus Diepholz aufklären. Nicht abgeschlossen ist für ihn der Fall Burmeister: Als ein älteres Ehepaar aus Nordwohlde vermisst wurde, richteten sich die Ermittlungen und der Tatverdacht gegen den Sohn. Die Leichen seiner Eltern hat die Polizei bislang nicht gefunden.

Oldenburg war ein bürgernaher Beamter

Als das Land für den Leitungsposten der größeren Kommissariate wie in der Hachestadt und Wesergemeinde Beamte im höheren Dienst vorsieht, wechselt OIdenburg 2005 wieder als Einsatz- und Streifendienstleiter nach Weyhe. Mehrmals war dort der Posten an der Spitze vakant, bis der Polizeidirektor Johann Kühme Oldenburg dauerhaft zum Chef bestimmte. Sicherlich kein schlechter Schachzug. Denn Oldenburg gab der Polizei ein sehr freundliches Gesicht.

Polizeihauptkommissar geht in den Ruhestand

Und selbst bei den zahlreichen Demos, als Parteien aus dem rechtsextremen Spektrum versuchten, in der Wesergemeinde Fuß zu fassen, war Oldenburg ein bürgernaher Beamter. Er fungierte als Verbindungsmann zu den martialisch wirkenden Beamten der Bereitschaftspolizei. „Unterm Strich ist es den rechten Demonstranten nicht gelungen, zu hetzen, weil eine Gemeinde mit samt den Vereinen, Feuerwehr, Streetwatchern und engagierten Bürgern gemeinsam mit der Polizei vor Ort zusammenhält.“

Bei einer Protestveranstaltung in Brinkum geht Johann-Dieter Oldenburg auf Demonstranten ein, die sich festgekettet haben.

Weyhe und Stuhr sind laut Oldenburg sichere Gemeinden. „Das sieht vielleicht ein Einbruchsopfer etwas anders, aber man wohnt hier gut.“ Der Behördenchef könne sich auf seine gut ausgebildeten Kollegen mit Studienabschluss verlassen. Oldenburg muss nicht mehr selbst auf Streife, wie es TV-Polizisten Hartmann war. Doch auch am Schreibtisch blieb er für alle Bevölkerungsschichten Ansprechpartner und ließ stets den gesunden Menschenverstand walten. Oldenburg ist laut Kollegen ein „hervorragend vernetzter Beamte“. Dass sein Spitzname „Olly“ Teil seiner offiziellen E-Mail-Adresse ist, ist in Niedersachsen eine Ausnahme. „Einige Vorgesetzte kannten mich nur per Spitzname“, erklärt Oldenburg schmunzelnd.

Nachfolgerin heißt Franziska Mehlan

Für ihn ist es auch ein Gewinn, dass neben Feuerwehr DRK, DLRG und andere Einsatzkräfte „perfekt zusammenarbeiten“. Deshalb hat ihn der jüngste Blaulicht-Gottesdienst sehr gerührt.

Ob es als Christ in der Polizei einfacher ist. „Es ist hilfreich, weil man nicht nur den Partner hat, der einem zuhört, sondern auch Gott.“ Zuversicht und Hoffnung gehöre zu seiner inneren Haltung, die ihn so manche Situation hat meistern lassen.

Seine Nachfolgerin heißt Franziska Mehlan. Oldenburg hatte die 32-Jährige zum Blaulicht-Gottesdienst eingeladen und dem Bürgermeister Andreas Bovenschulte vorgestellt. Die Beamtin wird erst im November auf „Ollys“ Sessel Platz nehmen.

Lebensleistung Oldenburgs gewürdigt: Polizei in gutes Licht gerückt

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