„Die Schöne und das Biest“ feiert am Weyher Theater vielbeklatschte Premiere

Der Mensch ist mehr als seine hässliche Fassade

Das Ensemble (in dieser Szene v.l. Lisette Groot, Carsten Steuwer, Nathalie Bretschneider und Joachim Börker) überzeugt erneut mit einer pfiffigen Adaption eines klassischen Stoffs. - Foto: Husmann

Kirchweyhe - Von Rainer Jysch. Das Gute im Menschen siegt. Auf diese altbekannte Weisheit lässt sich die Botschaft des aktuellen Weihnachtsmärchens „Die Schöne und das Biest“ im Weyher Theater zusammenfassen. Das greift jedoch zu kurz: Der von Dramaturg Frank Pinkus kindgerecht aufbereitete Märchenstoff hält auch geschickt-verpackte pädagogische Lebensweisheiten bereit. Durch amüsante Handlungsabläufe und bildhafte Überraschungen gelingt es dem Ensemble im Handumdrehen, die Aufmerksamkeit der jungen Zuschauer am Mittwochmorgen bei der Premiere zu bannen.

Aber auch für Erwachsene hält der Stoff durch versteckte Anspielungen und ironisch-humorvolle Textpassagen reichlich Unterhaltung bereit. Das liebevoll gestaltete Bühnenbild von Hermes Schmid und Lisa Kück, die flotte Musik von Patrick Kuhlmann sowie die wunderschönen Kostüme von Anika Töbelmann tragen ein Übriges zu einem begeisterten Publikum bei.

Im Schloss von König Paul scheint alles zum Besten zu stehen. Zumindest für den eigennützigen ledigen Monarchen, der seine Untertanen vernachlässigt. Im Mittelpunkt steht für ihn das gute Essen von Köchin Katharina. Die forsche Dame und ihr als Haushofmeister Pankratius ebenfalls in königlichen Diensten stehender Ehemann versuchen ihr Bestes, dem König sein Fehlverhalten klarzumachen. Da taucht die hungrige Hexe Larissa auf, die König Paul samt Bediensteten verzaubert: Katharina in eine Katze, Pankratius in einen Papageien und den Schlossherrn in ein monsterartiges Geschöpf. Erlösung verspricht Larissa nur, wenn es einem jungen und klugen Mädchen gelingt, nicht nur die hässliche Oberfläche des Biests zu sehen, sondern auch bereit ist, mit dem verzauberten König die Ehe einzugehen. Spätestens da stellt sich die Frage: Ist Larissa eine böse Hexe oder doch eher eine gute Fee? Die Antwort wird dem Betrachter überlassen.

Carsten Steuwer (König Paul / das Biest) gelingt es in seiner Rolle vortrefflich, die Verwandlung vom Monarchen zum Ungetüm plausibel darzustellen. Als Biest ist er nicht wiederzuerkennen, was insbesondere die Kinder im Publikum schwer beeindruckt. Auch Nathalie Bretschneider (Larissa, die Hexe/Fee) glänzt in der Doppelrolle durch Wandlungsfähigkeit. Lisette Groot als resolute Katharina und Katze beherrscht neben ihrer Rolle auch den Dialog mit dem Publikum perfekt. Ebenso Joachim Börker (Pankratius / Papagei), der in seinem farbenprächtigen „Federkleid“ und mit „nervigem Doppelgeplapper“ den komischen Part übernimmt. Sarah Kluge (Bella, die Schöne) erreicht mit ihrem glaubhaften Spiel die Herzen der Zuschauer. Und auch für Marc Gelhart (Ludwig, Vater von Bella) gibt es für Darstellung, Tanz und Gesang am Ende großen, verdienten Applaus.

Das komödiantische Abenteuer in der Inszenierung von Hermes Schmid, das auf einem Märchen von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont (1711 bis 1780) beruht, besticht nicht nur durch das gute Spiel der Darsteller, sondern auch durch die schönen Musik- und Tanzeinlagen, die für Abwechslung in der Handlung zwischen Menschen- und Märchenwelt sorgen.

Kinder und Lehrkräfte einer kompletten Achimer Grundschule wollten sich mit Lehrern und Begleitern die Erstaufführung im Theater nicht entgehen lassen. Die achtjährige Leyla gab der Aufführung die Note eins. Sie fand die Wandlungsfähigkeit des Biestes am besten. Lehrerin Karin Große zeigte sich bereits in der Pause entzückt vom Theaterspiel und lobte die Ironie sowie das Spiel mit dem Märchenthema. Lehrerin Kathrin Hartmann am Schluss der Vorstellung: „Ich bin ganz begeistert.“

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