Imker Schneider: „Die Honigernte war noch nie so schlecht wie in diesem Jahr“

Mageres Ergebnis

Thomas Lenz öffnet seine bunt bemalten Bienenkörbe. Etwa 50.000 Honigbienen leben in einem Kasten. - Foto: Jensen

Weyhe - Von Maren Jensen. Während die TV-Biene Maja ihren 40. Geburtstag feiert und im ZDF neuen Abenteuern entgegenfliegt, wird das Brummen und Summen im heimischen Garten leiser. Die Insekten haben ihre Dienste getan und fliegen langsam der Winterpause entgegen.

Viele Imker berichten von ihrer Enttäuschung. Das Ernte-Ergebnis sei wie der Landesschnitt. Niedersachsenweit haben Völker laut Bienenjournal im Schnitt gerade einmal 20,3 Kilogramm Honig produziert. Normal ist aber die doppelte Menge.

Besonders ungünstig lief es für den Leester Imker und Obmann für Bienengesundheit des Kreisimkervereins Diepholz, Günter Schneider. Der 74-Jährige spricht von dem ertragärmsten Jahr seiner Imkertätigkeit. „Die Sommerernte war ganz schlecht. Zwar hielt sich das Bienensterben bei mir in diesem Jahr in Grenzen, trotzdem konnte ich in etwa nur 50 Prozent meiner Ernte behalten“, sagt er. Ein großes Problem sieht Schneider in dem Maisanbau. „Die Pollen dieser Pflanze sind nicht geeignet.“ Seit 43 Jahren ist er als Imker tätig. Während er sonst durchschnittlich 30 Kilogramm Honig pro Volk ernten konnte, waren es jetzt nur zwischen 13 und 15 Kilogramm.

Imker ernten zweimal: Mitte April erfolgt die Frühjahrsernte. Ende Juli gibt es den Sommerhonig. Besonders der stimmte die Imker in der Region enttäuscht. „Ich konnte im Frühjahr zwischen 35 und 39 Kilogramm Honig pro Volk ernten. Im Sommer waren es lediglich 14 Kilogramm pro Volk“, erzählt der Honigobmann des Kreisimkervereins Diepholz, Georg Johrend. Derzeit besitzt der 62-Jährige 18 Völker. Er erklärt, wie sich diese zusammensetzen: Neben der Bienenkönigin bestehen sie aus jeweils 500 bis 800 Drohnen und 40- bis 55.000 Arbeiterbienen. Johrend erntete in diesem Jahr etwa zehn Prozent weniger Honig als in den vergangenen Jahren.

Innerhalb der Gemeinde kann es durchaus zu Ertragsabweichungen kommen. Der Standort und die Vegetation in der Umgebung sind sehr bedeutsam. „Die Bienen bewegen sich höchstens in einem Umfang von eineinhalb bis zwei Kilometer“, weiß Johrend. Je weiter die Bienen unterwegs sind, um nach Nahrung zu suchen, desto weniger Honig bringen sie mit. „Man muss sich den Nektar wie einen Treibstoff vorstellen. Ist die Distanz zu weit, bleibt davon nicht viel übrig“, sagt er.

„Der Juli war zu kalt“, sagt der Sudweyher Imker Thomas Lenz. „25 Kilogramm pro Volk blieb übrig“, sagt er. In guten Zeiten lag der Ertrag bei 40 Kilogramm. Trotzdem liebt der sonst als Sozialarbeiter tätige Imker seine Arbeit.

„Dabei kann ich einfach gut abschalten“, sagt er. Seit zehn Jahren kümmert er sich um seine rund 16 Bienenvölker, die in bunt bemalten Kästen auf seinem Grundstück stehen. „Da wo Bienen gehalten werden, ist die Natur üppiger. Man tut etwas für die Umwelt und das motiviert mich täglich“, sagt er.

Neben mangelnder Nahrung für die Bienen, Spritzmitteln in der Landwirtschaft und dem Wetter spielt vor allem das Bienensterben eine enorme Rolle. Mittlerweile müssen sich Imker darauf einstellen, innerhalb eines Winters fast ein Drittel ihrer Schützlinge zu verlieren.

Diese Probleme kennt Manfred von Weyhe, Vorsitzender des Imkervereins Kirchweyhe. Vor zehn Jahren hatte er in einem Winter rund 80 Prozent seiner Insekten verloren: von 25 Völkern blieben ihm nur drei. Das Bienensterben sei auf die im Jahr 1977 aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe zurückzuführen, sagt er. „Ein Bienenvolk kann am Milbenbefall zugrunde gehen, falls es nicht behandelt wird“, sagt von Weyhe. Er selbst setzt, wie auch viele andere Imker in der Region, Ameisensäure und Oxalsäure gegen das Massensterben ein. Ein umweltverträglicheres Mittel gegen den Parasiten gibt es bislang nicht. Aber erst nach der Honigernte würden die Imker die Säure anwenden, da diese sonst in das Nahrungsmittel fließen könnte.

Trotz der dürftig ausgefallenen Ernte bei seinen Kollegen ist der Dreyer Imker einer der wenigen, die noch guter Dinge sind. „Ich kann mich in diesem Jahr eigentlich nicht beklagen. Ich habe keine Völker verloren und schon schlechtere Jahre gehabt“, sagt er. Es ist noch ganz schön laut in seinem Garten. 20 Bienenvölker summen kräftig in ihren Körben aus Hartschaum. „Ich muss in den nächsten Jahren ein paar Völker abgeben, da es mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird sich angemessen um sie zu kümmern“, sagt der 70-Jährige. „Ich halte Bienen, um etwas für die Allgemeinheit zu tun. Viele Menschen haben ein erschreckend geringes Wissen über die Biene, und dem möchte ich entgegenwirken“.

Seit mehr als 40 Jahren ist von Weyhe Imker. In den nächsten Tagen kommt noch viel Arbeit auf ihn zu. „Damit meine Bienen es über den Winter schaffen, muss ich zufüttern. Dafür nimmt man Zuckerwasser oder fertiges Bienenfutter“, sagt er. Etwa 16 Liter benötigt ein Volk. Er muss zudem noch regelmäßig den Milben-Befallsgrad der Bienen messen und die Parasiten bekämpfen, damit die Insekten den Winter gesund überstehen.

Der Kreisimkerverein zählt derzeit 220 Bienenvölker, verteilt auf 30 Mitglieder. Interessierte können mit einem Kurs an der Volkshochschule in einem halben Jahr zum Jungimker ausgebildet werden. „Ohne Theorie geht es leider nicht. Man muss sich viel Wissen aneignen“, sagt von Weyhe. Aber nicht jeder muss Imker werden, um der Biene zu helfen.

Bienen fliegen vor allem gerne auf Obstbäume, Weiden, Kastanien und Linden. Daneben sind Efeu, Zitronenmelisse, Ziermohn, Schnittlauch, Sonnenblumen und Lavendel hilfreich. In einigen ausgewählten Geschäften oder beispielsweise in Baumärkten, in den Gärtnereien oder in Supermärkten können Kunden alternativ für wenige Euro fertige Samenmischungen kaufen. So kann jeder etwas für den Erhalt der Honigbiene tun.

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