Ausstellung „Fading Worlds – vergängliche Welten“ von Johann Büsen ist im Rathaus bis zum 26. November zu sehen

Künstlerische Antworten zu Fragen, die die Welt bewegen

Johann Büsen hat in Bremen studiert und zeigt im Weyher Rathaus Bilder, die er mit Hilfe des Computers erstellt hat. - Foto: Ehlers

Leeste - „Fading Worlds – vergängliche Welten“ so ist der Titel der Ausstellung von Johann Büsen im Weyher Rathaus überschrieben.

Tradition haben die herbstlichen Präsentationen professioneller Künstler an den Wänden der obersten und unteren Rathaushalle, wie am Donnerstagabend die stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Söfty in ihren Begrüßungsworten anmerkte. „So eine hat es hier aber noch nicht gegeben“, richteten sich ihre Blicke auf einen jungen Künstler, der im digitalen Zeitalter ohne Pinsel und Farbtöpfen unterwegs ist.

Die Computermaus am Rechner macht aus Szenen der realen und nicht immer schönen Weltgeschichte fast comicartige Bilder. Die tauchen sich für den Betrachter aus der Ferne zudem noch in eine heitere rosa-grüne Verpackung. Johann Büsen bringt indes kein süßes Bonbon mit. Vielmehr wird es zur schwarzen Lakritze, wenn sich bei näherem Betrachten die rot gepunkteten Hosen mit Stangen traktieren, Gesichter unter schwarzen Tüchern verschwinden, ein Revolver angesetzt wird und Blut aus dem Kopf schießt. „Verwoben und verflochten“ seien die Erzählstränge von Johann Büsen, dessen leuchtende Bildsprache zum Weiterdenken auffordert. So beschreibt es Annika Oshiro Higa, Kulturhistorikerin aus Bremen.

Zeit muss der Betrachter mitbringen, denn mit einem kurzen Blick auf „Shaman“, „Getaway“ oder „Cruzifix“ gibt es kein Eintauchen in Johann Büsens Welt.

Als Kind des 21. Jahrhunderts hat sich der 32-jährige Bremer die neue künstlerische Welt erobert und testet sie bis zum Limit aus. Vorlagen sind Szenen, Bilder und Nachrichten aus dem Internet. Sie werden nach Sichtung, Archivierung, Zusammensetzung und Bearbeitung in hunderten Ebenen einer künstlerischen Antwort zu Fragen, die die Welt bewegen und unter die Haut gehen. Bürgin spart nicht mit Gegensätzen.

Provozierend zeigt sich das niedliche Bambi ohne Kopf, und die „Nurse“ hält ein wunderliches Baby im Arm über einer idyllischen Häuserzeile.

Neben den gewaltigen Bildergeschichten mit fröhlichem Kolorit und vielen Szenen aus nächtlichen Albträumen, gibt es die kleinen Bilder von Johann Büsen: Auf denen kommen Alltagsdinge zu großer Wertigkeit. Zwei Dübel oder eine Zahnspange dürfen im Scheinwerferlicht erscheinen. Gleich neben dem Büro der Gleichstellungsbeauftragten zeigt ein Werk die detaillierte Anwendung eines Kondoms.

Genau richtig für Momente des Nachdenkens begleitete Charlotte Kaluza, Schwester Annika war erkrankt, die Vernissage musikalisch mit Gitarre und ihrer Stimme zu gecoverten und selbst geschriebenen Songs.

Zu sehen sind die 37 Werke des vielfach prämierten Computerkünstlers, der an der Fachhochschule für Künste in Bremen studiert hat, noch bis Sonnabend, 26. November, zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses.

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