Staatsanwaltschaft findet keinen Schuldigen

Kirchweyherin löst das Rätsel um die weißen Steine

Christa und Hans Hoppe aus Kirchweyhe wollen mit speziellem Spray und mit einem mit Hundehaaren gefülltem Duftsäckchen den Marder von einem Besuch in ihrem Motorraum abhalten. - Fotos: Ehlers

Kirchweyhe - Von Sigi Schritt. Obwohl Christa Hoppe die Polizei und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hatte, hat die 74-Jährige ihren eigenen Fall selbst aufgeklärt. Der Zufall spielte der Kirchweyherin schließlich die Lösung in die Hände wie die vielen weißen Steine in ihre beiden Autos gelangt sind und Schäden angerichtet haben.

„Täter“ war nicht ihr Nachbar, sondern ein Marder. Ihr jahrelanger Vorwurf, der Nachbar hätte als Rache nach Streitigkeiten besagte Gegenstände in den Motorraum und ins Schaltgetriebe platziert, hat sich nicht erhärtet.

Jahrelang war Hoppe – wie sie sagt – auf der falschen Spur. Sie glaubte, ihr Nachbar hätte nachts in regelmäßigen Abständen unter ihrem Auto gelegen und es manipuliert. Die Seniorin blättert in einer dicken Mappe mit zahlreichen Fotos, Vermerken und Schreiben an und von Behörden sowie Werkstätten.

Der Reihe nach: 2012 entdeckte sie in ihrem Ford Ka den ersten Stein. Er befand sich im Motorraum. „Zwei Tage zuvor hatten wir uns gestritten. Deshalb habe ich an keinen anderen Grund gedacht.“ Weitere Kiesel fand Hoppes Werkstatt zwischen dem Anlasser und der Karrosserie. Im nächsten Jahr zierten die weißen Steine, die so groß wie ein Hühnerei sind und aus dem Vorgarten von einem anderen Grundstück stammen, die Felgen. Hoppe ließ sich dadurch aber nicht vom Autofahren abschrecken. Bei einer Situation wurde es allerdings brenzlig: Als eine Ampel auf Rot sprang, konnte sie nicht mehr – wie gewohnt – mit den Gängen bremsen. „Die Schaltung blockierte.“ Sie kam Zentimeter hinter einem Lastwagen zum Stehen. Nur knapp verhinderte Christa Hoppe einen folgenschweren Unfall. Der Schreck saß tief, und so fuhr sie im vierten Gang die nächste Werkstatt an. Die Antwort, weshalb die Mechanik erneut blockiert hatte, fand sich schnell: ein Stein.

Die Weyherin verschenkte ihr Auto und kaufte im vergangenen Jahr einen Fiesta. Den versah sie mit einer Alarmanlage. „Diese schlug mehrfach an.“ Die Frau eilte immer wieder sofort zu ihrem Auto, doch einen Täter gab es nicht, wohl aber Stein um Stein. „Als der Wagen beim TÜV war, hatte der Prüfer wieder etwas entdeckt, was dort nicht hingehört.“ Nur einmal habe sie ein Tier wegflitzen sehen. „Das war ein Marder. Ich hätte das nie für möglich gehalten.“ Am Ende jahrelanger Verdächtigungen stand eine Entschuldigung.

Der Auslieferungsfahrer Mirco Rambatt hat diesen Rahmen gebaut, den er zur Marderabwehr regelmäßig unter sein Fahrzeug legt.

Mittlerweile hatte auch ein anderer Nachbar Besuch von dem Vierbeiner bekommen. Der Auslieferungsfahrer Mirco Rambatt zeigt Hinterlassenschaften, die seine Werkstatt fand. „Die Steine verursachten eine Vibration im gesamten Fahrzeug. Das war fast unheimlich.“ Seine Gegenmaßnahme: Er hat einen Rahmen mit Kaninchendraht bespannt, der nun seit dem Frühjahr im Einsatz ist. Der vierbeinige Steineleger komme nicht mehr vorbei, sagt er. Jetzt will er solch einen bespannten Rahmen auch seiner Nachbarin schenken.

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