Heftige Hautreaktion nach Mückenstich

„Ich sah aus wie ein kleines Pokémon“

Nach einem Insektenstich schwoll das rechte Augenlid an.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Die Sommernacht ist lau, das Fenster weit geöffnet, und ohne es zu merken, greifen Insekten an. Für Anja Kappler aus Leeste endet die Nacht bereits um 4 Uhr. „Ich konnte mein linkes Auge nicht mehr öffnen. Das Lid war angeschwollen. Ich sah aus wie ein kleines Pokémon.“ Deshalb hat sie am Sonnabendmorgen die örtliche Notfallpraxis aufgesucht.

Sie sei Fall Nummer vier, hieß es. Andere Patienten klagten über Schwellungen an Armen und Beinen. „Das waren Einzelfälle“, beruhigt Stefan Hempe, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes. „Eine besondere Häufung gibt es nicht. Niemand muss sich verrückt machen.“ Die Plagegeister seinen lästig, aber nicht gefährlich.

Obgleich laut Hempe in Niedersachsen drei neue Mückenarten nachgewiesen worden sind, die grundsätzlich gefährliche Viren übertragen könnten, müssten diese Insekten zunächst erst einen Menschen stechen, der ein entsprechendes Virus in sich trägt. Wenn diese Voraussetzung überhaupt gegeben ist, dann müssten die Mücken die Viren bei einem nächsten Stich in die Haut eines anderen Menschen weitergeben, ergänzt die Amtsärztin Susanne Feussahrens.

Auch wenn das nicht der Fall sei, kann es dennoch Ärger bedeuten – etwa wie bei den Patienten, die die Notfallpraxis aufgesucht hatten. „Bei jedem Insektenstich können Keime in die Haut gelangen, die zu Entzündungen führen können“, sagt die Medizinerin. Daneben gebe es auch die allergischen Reaktionen, in deren Folge massive Schwellungen auftreten können. „Dennoch ist das alles behandelbar.“

Die besten Mittel gegen Mückenstiche

Die Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes sagt, dass es derzeit bei dem schwül-feuchten Wetter saisonal mehr Insekten gebe als zu anderen Jahreszeiten. Sie empfiehlt, sich bei der Dämmerung nicht mehr ungeschützt draußen aufzuhalten. Überhaupt sollte helle Kleidung gewählt werden. Die Fenster der Wohnungen könnten mit Moskitonetzen versehen werden. Nach diesem Vorbild könnten Eltern auch die Kinderwagen ausstatten. Wer allergische Reaktionen befürchtet, sollte Präparate für den Notfall parat haben.

Um aber zu erforschen, ob „gefährliche“ Mückenarten vorkommen, empfehlen Susanne Feussahrens und Stefan Hempe Insekten unversehrt zu fangen, um sie Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen, die an einem Mückenatlas arbeiten. Das Projekt ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und dem Friedrich-Loeffler-Institut sowie dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Doreen Walther ist eine Forscherin, die sich mit den blutsaugenden Insekten beschäftigt. „Es gibt eine Palette von 28 Mückenfamilien in Deutschland.“ Es gibt drei fliegende „Mini-Vampire“, die auf unterschiedliche Art und Weise ans Blut kommen. Die Stechmücke zapft mit einem Rüssel den Lebenssaft an. Die sogenannten Gnitzen und Kriebelmücken krabbeln auf der Haut herum, bis sie eine geeignete Stelle finden und reißen dann mit ihren Mundwerkzeugen die Haut auf. „Kommt Blut heraus, lecken sie daran. Das Opfer hat einen starken Juckreiz.“

Ob die Mücken aggressiver werden? Nein, sagt die Wissenschaftlerin. Doreen Walther erklärt, weshalb viele aber diesen Eindruck haben. „Wir vergessen im Winter, wie schlimm es im vergangenen Sommer war. Außerdem tritt bei den Mückenarten in der Umgebung ein Gewöhnungseffekt ein.“ Die Forscherin erläutert, dass die gemeine Hausmücke einen Eiweißcocktail ins Blut injiziere, um die Blutgerinnung zu verlangsamen. Darauf reagiere das Immunsystem des Körpers.

Unterscheide sich die Zusammensetzung des Eiweißcocktails von der Mücke aus der Urlaubsregion, so reagiert der Körper heftiger. Damit die Forscher einen Überblick über die lautlosen Angreifer bekommen und die Mückenart bestimmen können, „benötigen wir intakte Exemplare. Zerquetschte oder platt gehauene Insekten sind unbrauchbar, da sie nicht mehr identifizierbar sind.“ Walther empfiehlt für den Fang und Transport der Tiere kleine Gefäße aus Glas oder Kunststoff.

Als Gegenleistung bieten die Wissenschaftler an, per Mail das Bestimmungsergebnis der Mückenart mitzuteilen.

Mehr zum Thema:

Späte Tore lassen Werder jubeln

Späte Tore lassen Werder jubeln

Eindrücke vom Oktoberfest: Blauer Himmel und gute Laune

Eindrücke vom Oktoberfest: Blauer Himmel und gute Laune

Illuminierte Nacht in Scheeßel

Illuminierte Nacht in Scheeßel

Welt-Artenschutzkonferenz entscheidet über 500 Tierarten

Welt-Artenschutzkonferenz entscheidet über 500 Tierarten

Meistgelesene Artikel

Krisenzentrum in direkter Nachbarschaft zur Feuerwehr?

Krisenzentrum in direkter Nachbarschaft zur Feuerwehr?

„Normaler Verlauf“

„Normaler Verlauf“

Von Schwarme bis zum Polizeikommissariat in Leeste eskortiert

Von Schwarme bis zum Polizeikommissariat in Leeste eskortiert

Soldatenheim: Zukunft ist weiter offen

Soldatenheim: Zukunft ist weiter offen

Kommentare