Retter feiern mit Bürgern am 28. August einen Blaulicht-Gottesdienst

Was Helfern helfen kann, schlimme Bilder zu verarbeiten

+
Freuen sich auf den Gottesdienst: (v.l.) Jörg Berg-Moch (Polizei), Dietmar Drischel (Rettungsdienst), Pastor Holger Tietz, Till Bigalke (Rettungsdienst) und Gemeindebrandmeister Norbert Warnke. Die Mitarbeiter der Rettungswache wurden während des Pressetermins zu einem Einsatz alarmiert. - 

Weyhe - Von Philipp Köster. Wer als Lebensretter auf Lobeshymnen und Dankbezeugungen aus ist, macht den falschen Job. Im Gegenteil: „Wir hören vielmehr Beschwerden, dass wir sonntagmorgens mit Martinshorn durch den Ort fahren oder im Einsatz gewagt über die Kreuzung ziehen“, sagt Rettungsassistent Ingo Löhmann von der Leester Rot-Kreuz-Wache.

Doch ein anerkennendes Wort für die haupt- und ehrenamtlichen Helfer von Rettungsdienst, Polizei, Rotem Kreuz (DRK), Feuerwehr und DLRG bei Unfall, Brand oder anderen schlimmen Ereignissen tut den Aktiven gut. Vielleicht ergibt sich ja am Sonntag, 28. August, dazu Gelegenheit, wenn Retter aus Stuhr und Weyhe gemeinsam mit den Bürgern um 10 Uhr in der Marienkirche einen Blaulicht-Gottesdienst feiern. Und im Nachgang gibt es bei Bratwurst und Getränken Gelegenheit, zum Austausch mit Beteiligten und Gästen.

Wichtiger als Lob und Dank einzuheimsen, ist den Vertretern der beteiligten „behördlichen Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“ ohnehin, einmal zu schildern, was sie umtreibt, wenn sie einen Einsatz zu bewältigen haben. Das meint nicht in erster Linie die reinen Handlungen zum Beispiel nach einem schweren Unfall oder Feuer, sondern die psychische Verarbeitung. „Wir wollen sagen, was uns bewegt“, sagt Gemeindebrandmeister Norbert Warnke, und zwar nicht nur das Tragische und Schlimme, sondern sie wollen auch von der Verbundenheit untereinander sprechen.

Die Retter zeigen im Gottesdienst Bilder von Ereignissen und reden darüber. Niemand muss sich vor Horror-Szenen fürchten. Doch Fotograf und Kreiszeitungsmitarbeiter Florian Kater stellt Fotos zusammen, die erahnen lassen, was die Helfer bei einem Einsatz zu sehen bekommen. „Es darf dabei nicht so sein, dass die Bilder etwas in uns wieder aufreißen, das uns dann lange beschäftigt, und es darf nicht unerträglich für die Besucher sein“, sagt Pastor Holger Tietz. Der Leester Pfarrer ist Notfallseelsorger. Er kümmert sich bei Anforderung zum Beispiel um Unfallbeteiligte oder deren Angehörige. Tietz ist aber auch Fachberater der Weyher Feuerwehren und zugleich Feuerwehrseelsorger. Das heißt, er steht den ehrenamtlichen Löschkräften nach einem Einsatz zur Verfügung, das Erlebte (pastoral-)psychologisch aufzuarbeiten. „Das ist wichtig. Woanders schmeißen viele ehrenamtliche Retter das Handtuch, weil sie das nicht mehr aushalten und ohne Hilfe dastehen“, sagt Holger Tietz. Polizisten stünden demgegenüber psychologisch geschulte Kollegen und die Vorgesetzten zur Verfügung, sagt Jörg Berg-Moch, Einsatz- und Streifendienstleiter der Weyher Polizei.

Der Gottesdienst verzichtet auf die übliche Liturgie, die von den Rettern besprochenen Bilder werden musikalisch untermalt von Kantor Sören Tesch. Draußen weisen bereitgestellte Feuerwehrfahrzeuge auf die Besonderheit des Gottesdienstes hin.

Als Bibeltext dient die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Laut Norbert Warnke spielt der kirchliche Ort aber keine übermäßig große Rolle. Auch eine Mitgliedschaft der Retter sei unerheblich. „Es werden viele Kollegen kommen, die nicht in der Kirche sind“, sagt Rettungsassistent Löhmann. Vielmehr gehe es um eine Gelegenheit zum Kennenlernen und zum Austausch – untereinander und mit den Bürgern.

Polizeichef Johann-Dieter Oldenburg ist übrigens in Gesprächen mit einem Unfallbeteiligten. Angedacht ist, dass der im Gottesdienst seine Eindrücke schildert – und seinen Dank zum Ausdruck bringt.

Mehr zum Thema:

Mediengestalterin/Mediengestalter

Mediengestalterin/Mediengestalter

Neue Vielfalt beim Fußabstreifer

Neue Vielfalt beim Fußabstreifer

Bilder vom Oktoberfest: Standkonzert zur Halbzeit

Bilder vom Oktoberfest: Standkonzert zur Halbzeit

Kartoffelmarkt in Rotenburg

Kartoffelmarkt in Rotenburg

Meistgelesene Artikel

Krisenzentrum in direkter Nachbarschaft zur Feuerwehr?

Krisenzentrum in direkter Nachbarschaft zur Feuerwehr?

Brand einer Lagerhalle in Diepholz

Brand einer Lagerhalle in Diepholz

Junger Filmemacher aus Twistringen bringt „Nirgendwo“ in die Kinos

Junger Filmemacher aus Twistringen bringt „Nirgendwo“ in die Kinos

Soldatenheim: Zukunft ist weiter offen

Soldatenheim: Zukunft ist weiter offen

Kommentare