Einordnung der Leester Ausgrabungen

Gotfried, Johann und die Weserbrücke

Archäologen und Grabungstechniker legen die Siedlungsrelikte an der Schulstraße im Oktober frei. - Foto: Laddicke

Weyhe - Von Philipp Köster. Als im Oktober das Bauprojekt an der Schulstraße / Ecke Hauptstraße in Leeste ins Stocken geriet, lag das an den mittelalterlichen Funden, die an der Stelle zu Tage kamen, wo bis vor kurzem das evangelische Gemeinde- und das Pfarrhaus standen. Wie berichtet, fanden Archäologen auf der Baustelle Relikte dreier Häuser sowie Keramikscherben aus dem 13. Jahrhundert. Für die Experten war das eine Überraschung, genau an dieser Stelle solche Funde zu machen.

Doch bei genauerer Berücksichtigung der vorliegenden historischen Zeugnisse muten die freigelegten und wegen des Neubaufortschritts längst zerstörten Hausreste bei aller möglichen Zufälligkeit, genau an dieser Stelle fündig zu werden, doch nicht so überraschend an.

Laut Gemeindearchivar Hermann Greve gibt es archäologische Funde, die darauf hindeuten, dass es bereits vor 3 000 Jahren in Leeste und anderen Teilen der heutigen Gemeinde Weyhe Siedlungsplätze gegeben hat. Und für Leeste lässt sich bereits für das 12. Jahrhundert die Existenz von mehreren Bauernhöfen nachweisen. 

Hermann Greve zufolge besaß das Kapitel der Bremer Ansgarikirche um 1188 in Leeste einen Haupthof, dem mehrere Höfe angegliedert waren. „Möglicherweise ist der Haupthof der 1180er-Jahre identisch mit dem um 1370 erwähnten Meyerhof, der sich im Besitz der Hoyaer Grafen befand, zusammen mit mindestens zwölf weiteren Höfen und der Wassermühle“, sagt Greve.

Ein rheinischer Gulden für „kerken to leeste“

Über die genaue Lage der Höfe ist freilich nichts bekannt. Doch die Nähe zur Marienkirche lässt zumindest Raum für die These, dass es sich bei den freigelegten Überresten der Siedlung um einen der Höfe oder einen Nachfolgebau gehandelt haben könnte.

Doch wie alt ist die Leester Kirche? Die 500 Jahre alte Marienglocke, die noch heute im Kirchturm hängt, ist der Beweis, dass es auf jeden Fall schon in vorreformatorischer Zeit ein Gotteshaus gegeben haben muss. Greve spricht zudem von einem schriftlichen Beleg aus dem Jahr 1507. In der Beglaubigung eines Testaments des Mackenstedter Klostermeiers Johann Eilers wird die „kerken to leeste“ erwähnt. 

Er hatte ein Jahr zuvor mit der Heiligenroder Äbtissin Mechthilde Hilgen einen Vertrag über seine künftige Verpflegung als Laienbruder im Kloster abgeschlossen und „gaf (...) in de kerken to leeste eynen rynschen gulden“, heißt es im Hoyaer Urkundenbuch. Archivar Greve geht noch weiter zurück: Eine Urkunde vom 10. Juni 1324 spricht von einem Priester namens Gotfried in Leeste und einem Geistlichen Conradus in Weyhe (=Kirchweyhe). 

Darüber hinaus hält es Greve für „sehr wahrscheinlich, dass es um 1185 eine Vorläuferin der Marienkirche gab“, also in der Zeit der sicher belegten Existenz der Höfe.

Auch in der sogenannten um 1225 entstandenen Weserbrückenliste ist von Leeste, Dreye und Ahausen sowie „due ville Weye“ (zwei Dörfer Weye) die Rede, „fraglos Kirch- und Sudweyhe“, wie Greve feststellt. Aufgrund des Vergleichs der von den Bewohnern der Weyher Ortsteile geforderten Abgaben ist für Mitte des 13. Jahrhunderts mindestens von zwölf Hofstellen für Leeste auszugehen, sagt der Archivar.

Im frühen Reformationszeitalter wurden dann 56 steuerpflichtige Höfe in Leeste, Angelse, Hagen, Hörden, Leeste und Melchiorshausen gezählt. „Das dürfte etwa dem Gesamtbestand an bewohnten Hausgrundstücken entsprechen.“

Mittelalterliche Siedlungen nicht bewiesen

Weyhe wird bereits im neunten Jahrhundert erwähnt, „angeblich unser Weyhe“, wie es Greve vorsichtig formuliert: Schon in einem zwischen 860 und 865 entstandenen Bericht über die Wunderheilungen, die sich in Bremen am Grab des heiligen Willehad zugetragen haben sollen, taucht es auf. 

Erzählt wird von einem Mädchen aus „Wege“ (Kirch- oder Sudweyhe), das seit langem „in seinem ganzen Körper keinerlei Kraft mehr hatte“. Erst als die schwer Erkrankte an das Grab des heiligen Bischofs geführt worden sei, habe sie ihre „Kräfte und einen ganz gesunden Körper“ zurückerhalten.

Fazit: Dass es im Mittelalter sowohl in Leeste als auch in Kirchweyhe sowie in den anderen Ortsteilen Siedlungen gegeben hat, ist nachgewiesen. Funde wie zuletzt an der Schulstraße sind auch in Zukunft nicht ausgeschlossen. 

Denn bei Erdarbeiten größer als 1.000 Quadratmeter besteht laut Anordnung des Landkreises eine Prospektierungspflicht, das heißt, der Grund muss archäologisch untersucht werden. Diese Auflage hatte vor einigen Monaten im Bauausschuss noch für einiges Unverständnis gesorgt, als es um den Bebauungsplan „Bahnhofstraße II“ ging. 

Doch die Leester Funde geben dem Landkreis Recht. Und wer weiß, was noch alles ans Tageslicht kommt bei der regen Bautätigkeit in der Wesergemeinde: vielleicht eine Art Weyher Goldschatz.

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