Reisebüros Gerlach, Meier und „TUI ReiseCenter“ legen Petition aus

Geplantes Gesetz zu Pauschalreisen in der Kritik

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Brunhild Richter und Yvonne Herrmann (rechts) vom Reisebüro Gerlach bitten Kunden, sich in der Unterschriftenliste zur Petition einzutragen. 

Weyhe/Stuhr - Von Sigi Schritt. Eine neue EU-Richtlinie über Pauschalreisen und sogenannte verbundene Reiseleistungen soll deutsches Recht umgewandelt werden. Die Reisebüros Meier aus Brinkum sowie Gerlach und das „TUI ReiseCenter“ aus Kirchweyhe wehren sich. Sie bitten Kunden, eine Petition zu unterschreiben. Der Urheber ist der „Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros“ mit Sitz in Iserlohn. 50 000 Stimmen werden insgesamt benötigt.

Der Bundestag soll die Umsetzung dieser EU-Richtlinie stoppen, fordert Yvonne Herrmann, Mitarbeiter des Reisebüros Gerlach (Bahnhofstraße). Sie glaubt, dass ab Juli 2018 Kunden deutlich schlechter gestellt werden. Nach dem neuen Gesetz kann ein Reiseveranstalter bis zu 20 Tage vor Reiseantritt den Preis auf bis zu acht Prozent für gestiegene Kerosinkosten oder geänderte Wechselkurse erhöhen, wobei der Veranstalter nicht beweisen muss, dass die Kosten tatsächlich gestiegen sind, beklagt der Verband. Für Herrmann sei dies eine „untragbare zusätzliche Belastung“.

Bisher ist es so, dass die Veranstalter bis spätestens vier Monate vor Abreise den Reisepreis um maximal fünf Prozent anheben durften, ergänzt Leonie Lindhorst vom Reisebüro Meier in Brinkum.

In Kurzform zusammengefasst geht es laut Lindhorst in der EU-Richtlinie, sofern sie umgesetzt wird, darum dass Reisebüros von der eigentlichen Vermittlerposition in die des Veranstalters geraten, wenn sie Trips individuell für die Kunden zusammenstellen (Flug, Hotel, Mietwagen einzeln und nicht als Pauschalreise gebucht). „Wir müssten Kunden mit einem teuren Sicherungsschein ausstatten, der die Kunden beispielsweise im Falle einer Insolvenz der Fluggesellschaft oder des Veranstalters absichert. Außerdem wären wir dann als Veranstalter bei einer Reklamation des Kunden, sei es eine Hotelüberbuchung oder Flugausfall oder nicht erfüllten Leistungen des gebuchten Hotels, haftbar.“ Die Kunden müssten ihre Ausgleichsansprüche also im Reisebüro geltend machen.

„Ein großer Schlag gegen die Reisebranche“

„Jedem sollte klar sein, dass dieses Risiko und der finanzielle, wie auch zeitliche Aufwand für alle kleineren und mittelständischen Reisebüros nicht zu bewältigen ist“, so Lindhorst.

Der einzige Weg, weiterhin individuelle Buchungen vorzunehmen, ist, zwischen der Buchung jeder Komponente jeweils 24 Stunden verstreichen zu lassen, um dann nicht als Veranstalter zu gelten, sagt Yvonne Herrmann. „In diesem Fall müssen allerdings diverse Formblätter von den Kunden ausgefüllt und unterschrieben werden“, beschreiben die beiden Reiseverkehrskauffrauen das mögliche Procedere.

„Wird diese Richtlinie, wonach es derzeit aussieht, eingeführt, ist das ein großer Schlag gegen die Reisebranche“, wettert auch Sebastian Schmid, Büroleiter des „TUI ReiseCenters“ am Krämerweg. Er glaubt, dass vor allem kleine und mittlere Reisebüros „große Probleme“ bekommen.

Unternehmerin Anke Gerlach hofft, dass in Deutschland nicht alle Bedingungen der Richtlinie eingeführt werden. „Denn das ist von uns als kleine Unternehmer nicht zu stemmen. Da hören wir lieber auf.“

„Es ist nicht durch die Europäische Union gewollt, dass die kleinen und mittleren Reisebüros verschwinden“, stellt der Europaabgeordnete Burkhard Balz (CDU) klar. Mit dem jetzt dritten Gesetzgebungsentwurf des Bundesministeriums der Justiz und Verbraucherschutz sind einige Änderungen zum vorherigen Entwurf von den mitwirkenden Verbänden aus dem Tourismusbereich aufgenommen worden. Das Ziel der EU-Pauschalreiserichtlinie sei es, die Rechtssicherheit und den Verbraucherschutz im Tourismusbereich auszuweiten.

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