Abiturienten benötigen Zeit für Orientierung

„Endgültig erwachsen werden“

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Weyhe - Von Siard Schulz. Das Abitur in der Tasche, was nun? Eine Ausbildung beginnen oder doch lieber ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr absolvieren? Ferne Länder bereisen oder gleich studieren? Diese Fragen zu klären, bedeutet für zahlreiche Schulabgänger eine innere Zerreißprobe. Für viele gehen Selbstverwirklichung und Karriere nicht unbedingt miteinander einher, sagen einige Abgänger. Diesen persönlichen Zwist haben auch diese vier hinter sich: Louis Griebel, Marie Wille, Henk van Hoorn und Marlo Hindahl sind sich sicher, die für sie richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Louis Griebel

Für Louis Griebel  (18) beginnt am 1. August sein einjähriger Bundesfreiwilligendienst beim TuS Sudweyhe. Dort wird er im Kindergarten und im vereinseigenen Fitnessstudio, dem SGL (Sport-Gesundheit-Lebensfreude), arbeiten. Doch damit nicht genug: Aller Voraussicht nach, wird ihm eine Turn-AG zugeteilt sowie ein Jugendfußballteam, das er ein Jahr lang begleiten darf: „Mir gefällt das Projekt des Bundesfreiwilligendienstes im Sport, da ich selbst gern aktiv bin und mich so meinem Hobby zuwenden kann“, sagt der Kirchweyher.

Ihm geht es ähnlich wie vielen anderen Jugendlichen auch: Er weiß nach zwölf Jahren Schule noch nicht, wohin es ihn später ziehen wird. Das Jahr beim TuS Sudweyhe soll ihm dazu dienen, sich zu orientieren. „Außerdem wollte ich nach der Schule ein Jahr Pause machen vom Lernen und mehr mit Menschen arbeiten“, sagt der Abiturient.

Einen ähnlichen Weg wird der ebenfalls 18-jährige Henk van Hoorn  einschlagen: Auch er will sich engagieren und hat sich dazu entschieden, ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) bei der Gemeinde Weyhe zu machen, um die Natur in seiner Heimat zu schützen und Zeit zu überbrücken: „Nach nur zwölf Jahren Schulzeit mit nur 18 Jahren Lebenserfahrung weiß ich noch nicht, was ich später genau machen will.“ Er kann sich allerdings vorstellen, Umweltwissenschaft zu studieren, besonders das Themenfeld erneuerbare Energien reizt den Kirchweyher. In Weyhe will er nicht zwangsläufig bleiben: „Vielleicht studiere ich in den Niederlanden. Ich finde die Städte dort toll und die Nähe zum Wasser“.

Vorerst steht jedoch das FÖJ an. Allwöchentlich wird er für Kindergruppen ein Programm auf dem Naturerfahrungsgelände vorbereiten. Am meisten freut er sich auf die Arbeit an der freien Luft.

Das wird sicherlich auch Marie Wille zu schätzen wissen: Die junge Frau zieht es für ein Jahr nach „Down under“. „Im Rahmen eines internationalen Jugendfreiwilligendienstes werde ich im tropischen Townsville an einem Internat Klassen auf Zeltlager begleiten, in denen die Schüler ihre Kompetenzen testen und erweitern“, erklärt sie. Die Möglichkeit einer beruflichen Perspektive mit Reisen zu kombinieren, hat die Weyherin besonders angesprochen, ebenso wie die Vorstellung mal etwas ganz anderes machen zu dürfen, was man vorher in dem Ausmaß noch nicht getan hat. Sie glaubt außerdem, an ihre Grenzen zu stoßen und ist willens, die bisherigen Schwellen zu übertreten: „Der Freiwilligendienst ist eine gute Möglichkeit, um endgültig erwachsen zu werden, seine eigenen Mauern einzureißen und sich dadurch auch besser kennenzulernen“, sagt sie.

Doch das Leben fernab der Heimat hat auch seine Kehrseite. Am meisten vermissen wird sie ihren gewohnten Alltag sowie ihre Freunde und Familie. Diesen Gedankengang kann auch Marlo Hindahl sehr gut nachvollziehen. Auch sie wird weit entfernt von ihrer Familie leben – und zwar in Fritzlar, wo die dreimonatige Grundausbildung bei der Bundeswehr auf sie wartet. Doch danach soll nicht Schluss sein: Sie strebt die Feldwebellaufbahn mit einer Ausbildung zum Bodenmechaniker beim 5. Hubschrauber Bataillon an. Einen eigenen Haushalt zu führen und die Herausforderungen bei der Bundeswehr zu meistern – darauf freut sich die 20-Jährige am meisten. Sie sei schon immer handwerklich begabt gewesen, sagt die Leesterin. Nun suche sie Aufgaben, an denen sie wachsen könne. Als Vorbild hat sie ihren Stiefvater, der nach seiner Bundeswehrzeit mittlerweile eine eigene Firma leitet. Sollte sie nach der Verpflichtungszeit nicht weiter dort arbeiten, träumt sie von einer ähnlichen Karriere.

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