Weyher fährt zur UN-Weltklimakonferenz

Mit dem Elektro-Motorrad nach Marrakesch

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Jörn Ehlers und sein Sozius Frank Krippner sind im grauen November losgefahren, unterwegs haben sie aber schon die Sonne gesehen. 

Erichshof - Von Maren Jensen. Es sind frische zwei Grad, als der ehemalige Weyher Jörn Ehlers vor einer Woche vor dem Bundeskanzleramt steht. Ein langer Weg liegt vor dem 53-Jährigen. Pünktlich zum Ende des Weltklima-Gipfels in Marrakesch möchte der Pressesprecher der Umweltstiftung WWF Deutschland ein Zeichen setzen.

Mit seinem Kollegen des Ökostromanbieters Lichtblick, Frank Krippner, wird er die knapp 4 .000 Kilometer zurücklegen. Das Besondere daran: Die beiden fahren mit einem Elektro-Motorrad. Ein wenig nervös steht Ehlers vor seiner mattschwarzen Maschine. Als er den Motor startet, bleibt es still. Das E-Bike gibt keinen Laut von sich.

Jörn Ehlers ist in Erichshof aufgewachsen, studierte Publizistik und Spanisch in Berlin, Granada und Madrid. Seit 1999 ist er Pressesprecher bei der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF).

Zum Mitmachen bewegen

„Gemeinsam mit dem Energieunternehmen Lichtblick arbeitet der WWF daran, die Energiewende voranzutreiben und zu beschleunigen“, erklärt Ehlers. Dazu gehöre, die Menschen für die Thematik zu begeistern und zum Mitmachen zu bewegen. „Der Klimagipfel ist ein guter Anlass, auch wenn die Verhandlungen oft dröge und für Außenstehende kaum nachvollziehbar sind. Aber es geht eben nicht um technische Details. Hier werden entscheidende Weichen gestellt, wie wir in Zukunft leben werden“, sagt Ehlers.

Um nach Marrakesch zu gelangen, wollte er etwas Ungewöhnliches machen. Ein Elektroauto war ihm zu langweilig, ein Fahrrad zu anstrengend und die Fahrt mit einem Heißluftballon ließ sich nicht umsetzen. „Ich muss zugeben, dass ich bis vor zwei Monaten auch nicht wusste, dass es schon E-Motorräder auf dem Markt gibt“, sagt er.

Innerhalb von sechs Wochen setzten WWF und Lichtblick die Idee in die Tat um. Der kalifornische Elektro-Motorradhersteller Zero stellte den beiden kostenlos ein Fahrzeug zur Verfügung. Ehlers lenkt das Bike, Krippner ist Beifahrer.

Wenige Tankstellen bieten Strom an

Doch die Fahrt brachte trotz perfekter Planung nach den ersten Tagen einige Komplikationen mit sich. „Die Zero ist super, aber nichts für die Autobahn“, sagt Ehlers. Die Reichweite des Motors beträgt etwa 200 Kilometer. Je schneller die Fahrweise und je niedriger die Außentemperatur, desto geringer wird sie. Hinzu kamen die wenigen Tankstellen, die Strom anbieten. Und selbst wenn das Duo eine passende fand, gab es häufig nur einen Anschluss für Elektroautos, nicht für Motorräder. „November ist nun auch nicht gerade Hochsaison für Biker“, sagt Ehlers und lacht. In Marrakesch erhofft er sich wärmeres Wetter.

Auf der Tour besuchte das Duo Menschen, die auf unterschiedliche Weise zum Gelingen der Energiewende beitragen. „Das Drumherum nimmt viel mehr Zeit in Anspruch als gedacht“, sagt Ehlers. Ihre Erlebnisse filmen die beiden Männer und veröffentlichen sie in den sozialen Medien. „Das klappt nur mit Unterstützung der Kollegen im Büro. Ich kämpfe jedenfalls mehr mit der Datenübertragung aus den Hotels als mit den Fahreigenschaften der Maschine“, sagt Ehlers. Das Fahren mache ihm mit Ausnahme von Regentagen jeden Tag mehr Spaß.

Eine Runde mit Barbara Hendricks

Sobald er mit Sozius Frank Krippner in Marrakesch ankommt, will er Bundesumweltministerin Barbara Hendricks treffen. „Vielleicht fährt sie eine Runde mit.“ Doch in erster Linie geht es dem 53-Jährigen um ein anderes Thema: „Wir müssen Druck machen, dass die Bundesregierung mehr liefert als warme Worte und zu Hause mehr macht.“

Daneben wollen er und Krippner Kollegen vom WWF aus aller Welt treffen. Gemeinsam wollen sie Anstöße für die weltweite Energiewende diskutieren. „Wir können uns und das Klima retten, aber keiner hat gesagt, dass es leicht wird“, sagt Ehlers. Jeder müsse aber einen Teil dazu beitragen. „Mut machen und zeigen, dass was vorangeht, auch wenn der Klimawandel noch immer schneller ist als die Politik“, lautet sein Motto.

Er selbst nutzt der Umwelt zuliebe Car Sharing, fährt viel Rad und fährt den Kleinwagen seiner Frau. „Aber natürlich ist auch bei mir noch Luft nach oben.“

Den Heimweg nach Berlin treten Ehlers und Krippner nicht mit dem E-Bike an. Eine Spedition bringt die Zero wieder zurück. Die Männer fliegen nach Hause.

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