Thomas Meyer gibt seine Gärtnerei in Lahausen auf

Betriebsaufgabe mit schwerem Herzen

Der im Jahr 1951 am Bahndamm in Lahausen gegründete Gartenbaubetrieb Meyer wird abgebaut. Die Gewächshäuser übernimmt Gärtnerkollege Cord Meyer in Syke. Aus dem Garten- wird Bauland. - Foto: Büntemeyer

Lahausen - Von Heiner Büntemeyer. Aufmerksame Passanten werden bei einem Blick vom Lahauser Bahnberg herab längst bemerkt haben, dass die große Gewächshausanlage von Thomas Meyer nicht renoviert, sondern vollständig abgebaut wird. Tatsächlich gibt Meyer seine Gärtnerei auf.

Nach kontinuierlichen Erweiterungen stand er zuletzt vor der Frage, den Betrieb ein weiteres Mal zu vergrößern oder aufzugeben. Schweren Herzens entschied er sich für den Ausstieg – nach 43 Arbeitsjahren, die auch an seiner Gesundheit gezehrt hatten, und ohne Betriebsnachfolger. Aus dem Gartenland wird jetzt Bauland.

Das Wetter in diesem Jahr hat ihm die Entscheidung erleichtert. Auf dem Feld stehen mehr als 200.000 Eriken, die wegen der heißen Witterung früher blühten als in den vergangenen Jahren. Der Verkauf beginnt allerdings unverändert erst im Herbst, so dass Meyer bereits mehr als 10.000 Pflanzen wegwerfen musste.

Gegründet hat den Betrieb 1951 Willy Pietsch. Er war Ostpreußen-Flüchtling und hatte auf dem legendären Trakehner-Gestüt den Beruf des Gärtners erlernt. Nach der Flucht lebte er zunächst in Barrien-Bülten, wo er sofort wieder begann, Gemüse zu züchten. Zusätzlich baute er Tabak an.

Nach der Hochzeit mit Martha Fellermann kultivierte er am Lahauser Bahndamm Gemüse und zog in Frühbeetkästen sowie Erdhäusern Salat und anderes Frühgemüse. Frauen aus der Nachbarschaft bot er die Möglichkeit, sich durch Kranzbinden und Mitarbeit in seiner wachsenden Gärtnerei etwas Geld hinzuzuverdienen.

1968 übernahm Stiefsohn Georg Meyer den Gartenbaubetrieb. Er hatte ebenfalls den Gärtnerberuf erlernt und spezialisierte sich auf die Anzucht von Azaleen und Eriken. Er vergrößerte die Gewächshausfläche auf ungefähr 300 Quadratmeter und schloss sich einer Heiligenroder Vertriebsgenossenschaft an. Seit 1987 erhielt er Unterstützung von seinem Sohn Thomas, der inzwischen seine Meisterprüfung bestanden hatte. Gemeinsam erweiterten die beiden den Betrieb nach und nach: 

Die Gewächshausfläche wurde einen halben Hektar groß, und auf der gegenüberliegenden Straßenseite pachteten sie zwei Hektar Freiland hinzu. Regelmäßig bildeten sie junge Gärtner aus. Dies alles erforderte große Investitionen bei einer Wochenarbeitszeit von 60 bis 70 Stunden. „Die große körperliche Belastung machte mir nichts aus, weil ich meine Arbeit mit Freude gemacht habe“, erzählt Thomas Meyer. Allerdings stand die Freude am Tun immer häufiger im Widerspruch zum Betriebsergebnis.

Lebensmittelketten bestimmen den Preis

Zunehmend bestimmten die Lebensmittelketten den Preis für Azaleen und Eriken. Vor sieben Jahren stellte Thomas Meyer die Produktion von Azaleen ein, weil sie sich nicht mehr rechnete. Die Blumen durften nicht mehr in Tontöpfen gezogen werden. Plastiktöpfe wurden verlangt, die nicht mehr in die Erde kamen, sondern auf Folie gehalten werden mussten. Das bedeutete, dass die Meyers zwei Hektar Boden nivellieren und mit Folie abdecken mussten. Der Preis für die Pflanzen stieg allerdings nicht. „1974 bekamen wir für eine Heidepflanze bis zu zwei D-Mark, gegenwärtig werden uns dafür 75 Cent gezahlt“, berichtet Meyer.

Er freut sich, dass sein Kollege Cord Meyer in Syke den Betrieb erweitern will und seine Gewächshäuser übernommen hat. So bleiben wenigstens diese erhalten. Weyhe allerdings wird wieder um einen mittelständischen Betrieb ärmer.

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