Feier am Sonntag

Besonderer Gottesdienst für „runde“ Geburtstagskinder

Worauf richten wir unseren Blick im Leben? Was ist unser „Leuchtturm“? Diesen Fragen angesichts des Älterwerdens gehen die Pastoren Albert Gerling-Jacobi (l.) und Ulrich Krause-Röhrs nach. - Foto: jeh

Weyhe - Von Philipp Köster. Die beiden evangelischen Kirchengemeinden laden für den kommenden Sonntag um 17 Uhr erwachsene Geburtstagskinder in die Felicianuskirche ein, die in diesem Jahr „genullt“ haben oder es noch tun.

„Ab 85 Jahre besuchen wir und die Kommune die Leute ohnehin. Mit dem Gottesdienst wollen wir auch die anderen von 20 bis 80 stärker in den Blick nehmen“, sagt der Kirchweyher Pastor Albert Gerling-Jacobi. Sein Leester Kollege Ulrich Krause-Röhrs ergänzt: „Wir orientieren uns gemeinhin an den Zahlen ab 50 Jahren aufwärts. Als ich 50 wurde, musste ich mir so blöde Sprüche anhören wie ,Ab jetzt geht es nur noch bergab’.“ 

Einerseits stünden die runden Geburtstage ab 30 sehr im Blickpunkt, was zum Beispiel am Brauch des Fegens und Klinkenputzens von Unverheirateten deutlich werde, so Gerling-Jabcobi, andererseits hätten „wir ein problematisches Verhältnis zu Nullen“, sagt Krause-Röhrs. Diesen Kontrast nehmen die beiden Geistlichen auf, indem sie die „Runden“ einladen, zugleich wollen sie aber über die besonderen Geburtstage hinaus weisen: „Warum feiern wir das Leben nicht auch dazwischen?“, fragt der 56-jährige Gerling. 

In seinem Alter kämen „die Einschläge näher“, wie er angesichts eines noch relativ glimpflich verlaufenen Schlaganfalls eines nahen Freundes festgestellt hat. Und sein 57-jähriger Kollege erinnert an einen Spruch von Dieter Hallervorden, als der vor zehn Jahren – laut Krause „saublöd“ – gefragt wurde, ob es schlimm sei, 75 zu werden: Nein, schlimmer sei es, nicht 75 zu werden. Und unlängst, als er 85 wurde, gab er zum Besten, solange älter werden die einzige Alternative ist, weiter am Leben zu bleiben, wähle er diese Alternative. „Das sind schöne Aussagen“, findet Krause Röhrs.

Der Gottesdienst steht demnach unter dem Motto „Ich lebe“. Weil es nun aber auch um die herausgehobenen Eckdaten der runden Geburtstage geht, stoßen die Gäste anfangs mit einem Glas Sekt an. Die beiden Pastoren halten Ansprachen zum Motto des Abends. Auch einen kurzen Ausschnitt aus dem Film „Guilias Geburtstag“ wollen sie zeigen. Corinna Harfouch verlässt darin am Tag ihres 50. Geburtstags noch vor deren Beginn die Feier. Die verwaisten Gäste, unter anderem Bruno Ganz, reden dann über das Alter.

Musikalisch untermalt der Gospelchor die Veranstaltung. Wichtiges Element werden auch wieder sogenannte Segensstationen sein. Dieses Angebot des persönlichen Zuspruchs werde zum Beispiel beim Gottesdienst für Paare und bei der Osternacht gut angenommen, so Krause-Röhrs. Übrigens sind auch alle anderen Interessierten eingeladen. Geburtstag hat schließlich fast jeder im Jahr.

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