Charismatische Bluesbarden Josh White jr. und Richard Smerin begeistern im Pub

Abend voller Emotion und mit Pinky und Marlene Dietrich

Sanft-raues Blues-Duo: Josh White (r.) und Richard Smerin im „Shakespeare´s“. - Foto: Goldschmidt

Kirchweyhe - Von Uwe Goldschmidt. Mit Richard Smerin und Josh White jr. haben sich jetzt zwei Musiker auf der Bühne des Weyher Theaterpubs „Shakespeare’s“ präsentiert, wie sie wohl kulturell nicht unterschiedlicher geprägt sein könnten.

So konnten die zahlreichen Gäste einen musikalischen Einblick in die Singer- und Songwritergeschichte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gewinnen, gepaart mit der Routine und Spontanität eines englischen Straßenmusikers.

Smerin wuchs in England auf. Inzwischen hat er das mittelfränkische Fürth zu seiner Wahlheimat erklärt und bestreitet dort seinen Lebensunterhalt hauptsächlich als Straßenmusiker, was ihn aber nicht davon abhielt, insgesamt 14 CDs zu produzieren.

Es war an ihm, den Abend zu eröffnen, während sein 75-jähriger Partner noch abwartend, abseits der Bühne verweilte.

Mit rasanten Fingerpickings auf der Westerngitarre und seiner kräftigen sonoren Stimme füllte er sofort den Raum. Spontan reagierte er während seiner Songs auf das Geschehen vor der Bühne, nahm die Fotografen auf die Schippe und begrüßte die an der Bühne vorbeigehende Dame mit „Hello Pinky“ – ein Humor der bei den Weyhern gut ankam.

Nachdem das Publikum nun schon aufgewärmt war, betrat der eigentliche Star des Abends, Josh White jr. die Bühne des Pubs. Der Amerikaner ist der Sohn des legendären amerikanischen Musikers und Schauspielers Josh White sen., der als Künstler und Bürgerrechtsaktivist in den USA Geschichte geschrieben hatte und mit Präsident Franklin D. Roosevelt befreundet war. Der kleine Josh ist Taufpatenkind Roosevelts.

In den Anmoderationen zu seinen Songs erzählte White jr. immer wieder von seinem Vater, mit dem er als Kind gemeinsam auf großen Bühnen und in Clubs auftrat. Der Senior hat dem kleinen Josh auch ein Lied vorgesungen, „bei dem mich ein bestimmter Moll-Akkord elektrisiert hat“, erzählte White jr. im Pub. Dieses Lied stimmte er dann auch an, und hauchte seine besonders gefühlvoll vorgetragene Version von „House Of The Rising Sun“ ins Mikrofon.

White jr. und sein Freund Richard Smerin, der sanfte und der „raue“ Bluesbarde, harmonierten sehr gut zusammen, was in tollen zweistimmigen Gesangspassagen zum Ausdruck kam. White jr. hatte vor dem Konzert neue Saiten auf seiner Akustikgitarre aufgezogen, die nun nahezu vor jedem Song neu gestimmt werden musste. Kein Thema für White, der daraus galant eine „Tuning-Zeremonie“ machte und dabei die Geschichte seiner Familie erzählte.

Emotionaler Höhepunkt des Abends war jedoch der amerikanische Antikriegssong „Where have all the Flowers gone“ von Pete Seeger, der in den 1950er-Jahren unter anderem auch mit Josh White sen. gemeinsam auftrat. Mit sanfter Stimme übernahm Smerin den Gesang und begleitete dezent an der Gitarre, während White die zweite Stimme nur im Refrain übernahm. Nachdem das Licht im Pub vorübergehend ausgeschaltet wurde und nur noch die Bühne erhellt war, war es an den Gästen, ihren Teil zum Lied beizutragen: Die deutsche Version des Titels „Sag mir, wo die Blumen sind“ sang nun das gesamte Publikum. „Du klingst wie Marlene Dietrich“, scherzte Smerin dazu ins Publikum.

Mit „Good Night Irene“ und einer A-Capella-Zugabe verabschiedeten sich zwei charismatische Bluesbarden vom laut applaudierenden Weyher Publikum.

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