Felix Oliver Schepp begeistert Publikum 

„Zeitloope“: Nonsens mit Hintergrund

Felix Oliver Schepp wirbelte wort- und gestenreich über die Bühne der Wagenfelder Auburg. J Foto: Brauns-Bömermann

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. Felix Oliver Schepp ist „Augschburger“ und Wahl-Hamburger. Er erhielt den Chanson-Preis Nachwuchspreis 2012 und begeisterte sein Publikum vom ersten Loop bis zur Liebeslied-Zugabe in der Auburg. Was er macht klingt einfach, ist hohe Schule. Seine Sicht auf die Welt als Musiker, Kabarettist, Schauspieler und vor allem noch junger Mensch ist so weise, dass er sich den Ulk an dem, was ihn im Leben umgibt, leisten darf.

In Wagenfeld schmeißt er das Publikum zwischen Hektik à la „Hamse noch nen bißchen Zeit?“ und einer „langen Weile“, ein kostbares Gut „unserer Zeit“. Er wirbelt auf der Kleinkunstbühne in Wagenfeld zwischen Flügel und Loopmaschine und bringt sein Musikkabarett mit Bum-Bum-Beats und zärtlichem Klavierspiel.

„Was sollen Männer unbedingt in ihrem Leben tun?“, fragt er im Publikum an. Man ist sich einig: Haus bauen, Baum pflanzen, Kind zeugen. Wie aber in einer Zeit mit fünf Minuten-Terrine, Powernapping, Multitasking, acht-Stundentag für Babys? „Gott sei Dank, ich hatte eine Mutter, die hatte noch Zeit für mich. Ich wurde noch mit Zeit herausgepresst und nicht geholt, zwischen Burnout und Boreout. Ich wurde kein Justin… und damit Just-in-time-Kind.“ Davon singt Schepp, ist selbst erst 33 Jahre. Und als die Eltern von Justin älter wurden, hatte er „Just no time“ für ihre Gebrechen. Seine kurzen Witze bringt er in eigenen „TKK-Scheppsongs“, Zweizeiler für die Lachmuskeln.

„Wissen Sie warum traurige Musik uns glücklich macht?“ Als Pianist weiß er die Antwort: „Traurig hat langsameres Tempo als Glück…Sie dauert eine lange Weile länger.“ Schnell muss das Publikum mit ran, das hatte sowieso bei dem quirligen Programm keine Zeit auszuruhen. Er lässt die Zuschauer in die Beatbox singen, sie müssen mit ihm Luftfahrrad fahren, Licht regeln und mitsingen. Paarbeobachtung macht Schepp am meisten Spaß, wenn er die Paare und ihr Wesen in Bezug auf Tempi und Zeit in Musik bringen darf, das dann übereinanderlegt mit Piano und Loopmaschine oder Gesang und ein Fazit zu Harmonik oder Dissonanz zieht. „Le Tour de Franz und Heide“ heißt das.

Ironie und Wortwitz

Es scheint, er macht schrägen Nonsens, aber seine Geschichten haben ihren Hintergrund im wahren Leben, er würzt sie mit skurrilen Einfällen aus Ironie und Wortwitz. Marita Kleemeyer vom Kulturkreis Auburg fällt schon nach drei Minuten mit Blick ins Publikum ein Stein vom Herzen: „Sie mögen ihn, das war ein Volltreffer“, ahnte sie schon beim Booking des jungen, neuen Künstlers bei ihrer bekannten Agentur. Die Chance in Wagenfeld nutzte Felix Oliver Schepp und gewann neue Fans außerhalb der Metropole Hamburg.

„Haben wir eigentlich überhaupt noch Zeit, Fehler zu machen?“ seine Überleitung zu dem Wahnsinn von viel zu vielen nervösen und verhaltensauffälligen Kindern in den Schulen. Nach seinem Song „Nervös“ wünscht man sich dann doch „Ritalin“, aber für sich selbst.

Den Höhepunkt aber bringt Schepp mit dem Arrangement rund um seine Stofftier-Einschlafmaus. Die hing schon die ganze Zeit über am Flügel und die Frage im Raum: Was hat das zu bedeuten? „Meine Maus ist schon 33 Jahre alt, das ist ein stolzes Alter für eine Maus. Und sie hat schon einen künstlichen Ausgang“, soweit Schepp. Dann stöpselt er das Kabel für die Loop in ihr Hinterteil und beatet los. Die Knacks der Feder in der Spieluhr-Maus werden bei ihm zum Rap. Und die Maus singt zur Melodie von „Weißt Du wieviel Sternlein stehen“ „Weißt Du wieviel Steinlein glühen?“ Es führt zum bösen Zwerg im Bergwerk, dem Atomkraftzwerg. Und so fort mit doppeldeutiger Parodie, virtuosem Spiel und charmanter Stimme.

In Person an großer Musikalität und Experimentierlust jubelt er dem Publikum Geschichten unter, jubelt zum Schluss mit seinen Gästen: „Danke, dass ich hier sein durfte“ und das meinte er sehr ernst.

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