Musik weltumspannend und weltoffen in der Auburg in Wagenfeld

Zum Nachdenken und Träumen

Unvergesslicher Auftritt mit weltumspannender und weltoffener Musik in der Auburg in Wagenfeld: Sorin Ferat (von links), Horst Memmen, Sibylle Kynast und Paul Rudolf. - Foto: Brauns-Bömermann

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. Musik, die das Herz über die Ohren öffnet mit einer Stimme wie Alexandra und Nana Mouskouri, weltumspannend und weltoffen. Diese Musik trug Musikerin Sibylle Kynast mit ihren Musikerkollegen am Samstag nach Wagenfeld. Zeitzeugen unterschiedlicher Kulturen und Gesellschaften und ihren Bedürfnissen, sich über Musik zu definieren.

Die Künstlerin gastierte vor zwei Jahren schon einmal in Wagenfeld. Sie ist eine Liedersammlerin, liebt die Musik und über Musik, Wärme an andere Menschen zu vermitteln. „Ich freue mich sehr, wieder hier sein zu dürfen, ich erinnere mich an ein hochkonzentriertes Publikum“, ihre Begrüßung. Die rund 45 Besucher des Konzertes machten mit ihr und ihren Musikerkollegen der ganz feinen Art eine Tour durch Europa, Israel, Russland und Südamerika. Kynast machte Türen der südländischen Architekturen zu den Lebensmittelpunkten der Menschen auf und ließ die Gäste in Wagenfeld mit den traditionellen Liedern teilhaben an dem Leben, den Leiden, den Freuden der Menschen. In der Pause erzählte sie von „ihren Männern“ an den Instrumenten: „Mein Mann am Kontrabass Paul Rudolf und Horst Memmen an der Gitarre sind seit dem Studium dicke Freunde. Unser Geiger Sorin Ferat bereichert uns durch seine Herkunft vom Balkan.“ Es ist ein tolles Quartett mit ihr an Gitarre und mit Gesang.

Die Länder, die sie bereiste, rücken mit ihrem Gesang und einer unvergleichlichen Stimme, die die Stimmungen und jeweilig spezifischen Rhythmen und Timbres der Länder einfängt, zusammen. Als Art unsichtbarer Beobachter steht das Publikum in einem Tal in Israel, karg und mit besonderer Stimmung, mit Klängen, die an Wüste, Highnoon und Karawane erinnern. Stille und Betroffenheit zum Klassiker der Folkmusik, von Joan Baez in den 1960er Jahren und Donavan gesungen: „Donna Donna“, dem religiösen jiddischen Song vom Kalb an Stricken auf Wagen gebunden, ohne Chance auf Überleben. „Dieses Lied soll auch als Symbol für das Unrecht an den Juden im Dritten Reich gelten“, erläuterte Kynast.

Mit ihr und der Brillanz der Musiker erscheint unweigerlich eine Karte von Südeuropa vor den Augen, wo die Lieder beheimatet sind. Und die Abstände zwischen den Festlanden Spanien, Italien, Balkan scheinen zu schrumpfen. „Meine Lieder singe ich in vielen Sprachen. Von Menschen, wo ich sie fand und für Menschen, die wir derzeit aufnehmen, die bei uns leben wollen und sollen.“

Sibylle Kynast hat ein konkretes Anliegen: „Ich sammle diese vielen Lieder aus Überlieferungen der Menschen, damit die Menschen eine Chance des friedlichen Zusammenlebens haben.“ Die Geschichte zeige es, dass es möglich sei, wenn die Menschen nur wollten. Dabei geht sie zurück ins Mittelalter im maurischen Spanien, wo Juden, Moslems und Christen diesen Weg fanden. Mit dem Quartett kamen die Stimmungen und Geheimnisse der von ihr beobachteten Kulturen aus Okzident und Orient nach Wagenfeld in die Fachwerk-Auburg.

Der Musiklehrer Horst Memmen transformierte zum spanischen Gitarrengott, Kynast klagte im Siebenachtel-Takt zu serbischem Liebestaumelklang. Zwei Zigeuner in der Nacht besang schon legendärer Charles Aznavour, sie tun es als Hommage mit grandioser Instrumentierung. Die Musiker lassen sich auf die fremden Musiken ein und damit auf die Menschen, die sie kreierten. Kurz: Es erklang Musik, die die Welt braucht. Gegen Krieg, als Lanze brechen für die gequälte Erde, mit viel Weisheit, zum Nachdenken und Träumen. Lieder, in denen ein Rabbi tanzt bis die Wände tanzen, der Gefangene in der Todeszelle seine Tat nicht bereut, ein kleiner junge vor Leid sterben wird, wie ein Hund oder ein Pfau erscheint als Symbol für alle starken Gefühle.

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