Very British in Wagenfeld

Musik, Rezitation, Schauspiel und Pathos

Grandios im Zusammenspiel: Leta Henderson und Birgit Kattelmann auf der Bühne in der Auburg. - Foto: Brauns-Bömermann

Wagenfeld - Tea at Five, das ist England. Shakespeare, das ist England, Leta ist ein großes Stück England und Birgit wird „very british“. Eine Kurzversion des „Shakespeare @ 5 o‘clock!” - Termins am Sonntag in der Auburg.

Vielleicht hatten auch die Freiherren von Cornberg, das hessische Adelsgeschlecht und langjähriger Besitzer der Auburg, schon einmal „a play” des englischen Dramatikers in Wagenfeld gesehen, bestimmt aber die Wagenfelder mehrere Jahrhunderte nicht mehr in der Auburg.

Leta Henderson und Birgit Kattelmann, die gemeinsam als Duo Saite an Seite als Musikerin und Schriftstellerin arbeiten, brachten Fragmente Shakespeares Dramen auf die Bühne. Angekündigt war Musik und Rezitation: Geboten wurde Musik, Rezitation, Schauspiel und Pathos. Und es handelte sich um eine Uraufführung des zweiköpfigen Ensembles. Dass in Shakespeares Stücken Männer Frauenrollen spielten und dazu in Frauenkleidung schlüpften ist bekannt, die beiden Damen brauchten das nicht, denn sie hatten sich für den Fünfuhr-Tee ausschließlich Dialoge und Schauspiel für Frauenrollen von Shakespeare ausgesucht, spielten das „männliche Beiwerk“ nebenbei mit.

Mit Leta Henderson als Britin kam das Publikum neben dem gereichten Tee und englischem Gebäck in den Genuss eines „native speakers“ mit viel Pathos und der Fähigkeit ins shakespearesche Englisch zu wechseln. Und des englischen Humors: „König James der Sechste hatte in Europa studiert und liebte das mit den ,brennenden Hexen'. Das brachte er nach England und so war es Thema in der Literatur“, erklärt die WahlWagenfelderin Henderson.

Birgit Kattelmann liebt als Autorin aus Passion Geschichten: Selbst geschriebene, erzählte, rezitierte und gespielte. Einen Hauch von Lady Macbeth in schwarzer Spitze transportierte sie auf die schwarze Bühne, das Englisch kaum von dem von Leta zu unterscheiden. Dramaturgisch hatten die beiden experimentierfreudigen Künstlerinnen sich den Wechsel zwischen Englisch-Deutsch, Deutsch-Englisch, Leta Englisch, Leta Deutsch, Birgit Deutsch, Birgit Englisch ausgedacht. Und auch wenn man nicht alles sofort verstand, erläuterte der Pathos in den Stimmen, die Grandiosität des alten Meisters.

Wie im Stummfilm auf Leinwand: „Zwei Nächte später“ – der Schriftzug läutet die nächste Szene ein, eine schottische Highland-Kulisse oder das Bildnis von Shakespeare ist eingeblendet von Techniker Christian Henderson, der auch die pointierte Instrumentierung übernimmt. Zwischen den Akten aus William Shakespeares Falstaff, Macbeth, Ein Sommernachtstraum oder aus dem zweiten Akt und Szene sieben aus „Wie es Euch gefällt“ die sieben Alter der Männer. 

Das war nicht nur rezitiert, das war gespielt, wie es sich Shakespeare gewünscht hätte: Pathetisch, überzogen, parodierend und mit viel Schalk. Mit der Quelle „Du Gauklerin! Du Blütenwurm! Du Liebesdiebin!“ aus Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ sind die Damen auf der Kleinkunstbühne auf voller Betriebstemperatur. Sie mimen den Streit der Hermia und Helena als Furien. Zwischendrin zur Einstimmung und zu Überleitungen Musiken von Henry Purcell, John Barett und William Byrd am Piano.

Auf Nachfrage, welche Übersetzung den Zweien diente, verrieten sie: „Wir haben uns für die berühmte Schlegel-Tieck-Übersetzung entschieden“. Diese sei eigentlich eine Schlegel-Ludwig-Tieck-Dorothea-Tieck-Wolf-von-Baudissin-Übersetzung. Und zudem würde Shakespeare seit über 250 Jahren ins Deutsche übersetzt: Von preußischen Diplomaten oder romantischen Dichtern und aktuell auch heute noch. 

Dass die zwei Frauen so gut zusammen agieren, liegt vielleicht daran, dass es jeweils die Großmütter waren, die sie zum Klavierspiel oder zum Geschichten schreiben brachten. Verliebt in den 450 Jahre alten Mann aus Stratford-upon-Avon waren die Damen aber auch ein ganz schönes Stückchen.

sbb

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