Detthard Wittler präsentiert Werke von Wilhelm Busch in der Wagenfelder Auburg

Lyrische Appetizer zur Frühstückszeit

Detthard Wittler erzählte auf der Bühne der Wagenfelder Auburg auch die Geschichte vom Unglücksraben „Hans Huckebein“. - Foto: Brauns-Bömermann

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. Von der guten Butter, dem Ei, dem Brot, Schinken und Wurst, Schweizer Käse, Pfannkuchen und Salat, Pannenstippsel, Braten, Spargel und Koteletts, Fisch und Zerhackern wusste Detthard Wittler aus Rahden zum Kulturfrühstück in der Auburg zu berichten.

Gefunden hat der Kunstschaffende für die Gäste in der Auburg nur die schönsten lyrischen Appetizer von Wilhelm Busch. „Essens-Lyrik“ zur schönsten Sonntagmorgen-Frühstückszeit an Spiel, Lesung, Theatralik und Komödie präsentierte der Vater der aus dem Fernsehen bekannten Tine Wittler seinen Gästen.

Der Grundschullehrer, den es nur sieben Jahre bei den „Lütten“ hielt, war vieles in seinem Leben: Lehrer der Volkshochschule Minden-Lübbecke in den Bereichen Sport, Gesundheit, Pädagogik, Psychologie und für Kultur zuständig. Er gründete das Laientheater „Schattulle“, spielte dort selbst bis zu seiner Pensionierung.

„Ich war auch Intendant und auf der Rampe tätig“, erinnert sich der Künstler in der Pause und Initiator des Rahdener Kulturvereins „Kul-Tür“. „Heute genieße ich mein Rentnerdasein und mache es mir mit meinen Auftritten schön, wie hier“, sagt der kreative Kopf, der für Wagenfelds Auburg-Publikum eine lyrische Speisenkarte des wohl bekanntesten Dichters aus dem nahen Wiedensahl bereithielt: Wilhelm Busch. Der schrieb in seiner Autobiografie „Von mir über mich“: „Man hat den Autor für einen Bücherwurm und Absonderling gehalten. Das Erste mit Unrecht. Zwar liest er unter anderem die Bibel, die großen Dramatiker, die Bekenntnisse des Augustin, den Pickwick und Donquixote und hält die Odyssee für das Schönste der Märchenbücher, aber ein Bücherwurm ist doch ein Tierchen mit ganz andern Manierchen. Ein Sonderling dürft er schon eher sein...“. Wittler sagt über sein Idol: „Er war einer der ganz großen Reimdrechsler und ein Avantgardist. Er war den Impressionisten und Pointilisten voraus.“

Ganz der Kunst verschrieben

Wie seine Tochter Tine, Autorin, Filmemacherin, Songschreiberin und Wirtin des Szene-Kulturcafés „Parallelwelt“ in Hamburg-Hoheluft, hat sich Detthard Wittler ganz der Kunst verschrieben. Für das Kulturfrühstück wälzte er sich durch Buschs Vermächtnisse, durch Werke, Gedichte und Bildergeschichten. Wittler braucht dazu keine moderne Technik, keine Power-Point-Präsentation. Seine Power ist die Sprache von Busch, auf den Punkt bringt es Wittler durch Mimik, Gestik und sprachliche Ausgestaltung der Figuren und präsent ist er von der ersten bis zur letzten Minute der Frühschoppenzeit. „Ich quatsche ihnen dann mal ins Essen“, skandiert er eingangs und zitiert damit eins seiner anderen Idole: Loriot.

Mit rotem Faden zitiert und spricht er Buschs dezidierte Beschreibungen über den Mund, dann ergötzt er sich über die Herstellung der „Guten Butter“ aus Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter. Busch versteht das Handwerk der Bauernmutter, das Buttern, so lyrisch zu beschreiben wie die Herstellung eines Bratens voller Sinnlichkeit, Appetitlichkeit und Innigkeit mit den hübschen jungen Herren, die diesen Braten essen sollen.

In der Bildergeschichte „Die fromme Helene“ fand er das Gericht: „Spargel, Schinken und Koteletts“. In der Knopp-Trilogie die Frikadellen. Bei Witwe Bolte das Federvieh und beim Förster Püsterich den Schnepfenstrich. Szenekoch Busch empfiehlt sodann via Wittler: Pfannkuchen und Salat. Die Herstellung ist ein Ohrenschmaus: „Sie prickelt ihn, sie stochert ihn. Sie rüttelt, schüttelt, lockert ihn. Und lüftet ihn…“ – gemeint der gemeine Pfannkuchenteig. So hält es der Meisterdichter mit all seinen Texten zu Beschreibungen alltäglicher Verrichtungen.

„Fisch findet man bei Busch eher selten“, verrät Wittler. Und gleich beim ersten Genuss verstirbt der Protagonist. Doch nicht nur Komik und Humor sprechen aus Buschs Texten, die Wittler grandios liest und spielt, wenn er das Publikum „Die Fliege“ des gleichnamigen Gedichts nachahmen lässt. Busch ist mit besonderer Weisheit beschenkt. Er lässt ein Weizenkorn, das im Brot landet, seine traumatische Lebensgeschichte durch Ernte, Mühle und Ofen sprechen. Dann kommt das Mitsprechen der Digestifs: „Die kennen Sie, zwei der meist gebrauchten Buschzitate“, seine Animation an das Publikum. „Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben“, Numero eins. „Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör. Doch wer zufrieden und vergnügt, sieht zu, dass er auch welchen kriegt.“

Zynismus regiert bei seinen acht Geschichten „Die Haarbeutel“, über Trank, Trunk, Trunkenheit, Betrunkenheit, Studien von Busch während seiner Zeit in München. „Noch heute ruft man auf Plattdeutsch einem Betrunkenen hinterher: Du Haarbüdel.“

Dann weiß er noch viel zu Schnupftabak und zu dem Absacker „Doornkaat“. Den konnten nach dem Kulturfrühstück für Leib und Seele auch die Besucher gebrauchen.

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